[Begegnung mit einem Leoparden.]
Im weiteren Verlaufe unseres heutigen Marsches, der des aufgeweichten Bodens halber sehr beschwerlich war, begegneten uns Masarwa's, welche mit Honig beladen heimkehrten. In Wäldern folgen sie dem Honigvogel, auf der Grasebene und da, wo nur niederes Gebüsch zu treffen ist, dem Fluge der von den Wasserstellen heimkehrenden Bienen. Die Thiere folgen eines dem andern der Richtung nach ihrem Bau und leiten auf diese Weise die Honigsucher zu ihrem Neste. Ist der Eingang zum Bau (meist eine Höhlung im Baume) entdeckt, trachtet man die Bienen auszurauchen und sich dann des Honigs zu bemächtigen. Für ein etwa 1½ Zoll langes, fingerdickes Tabakstückchen erstand ich mehr denn einen halben Liter Honig.
Der Weg wurde auch am folgenden Tage nicht besser, an den sumpfigen Stellen trafen wir zahlreiche Schildkröten-Leichen. Zu den dem Auge wohlgefälligsten Schlingpflanzen Süd-Afrika's gehören unstreitig einige der gurkenartigen Gewächse. Auch auf der heutigen Fahrt beobachtete ich welche, die sich an Büschen emporschlangen, von denen sie durch ihre gelappten, schönen bläulichgrünen Blätter, namentlich aber durch ihre mehr denn daumenstarken und lang herabhängenden, unreif hellbläulichgrünen, weiß gescheckten, reif scharlachrothen Früchte deutlich abstechen. Eine solche Staude trägt oft drei bis sieben, ja bis zehn Früchte, von denen selten drei in gleichem Entwicklungsstadium stehen. Zumeist fand ich das herabhängende Ende der Frucht scharlachroth, den dem Stengel zugekehrten Theil jedoch noch grün und den dazwischen liegenden im allmäligen, oder auch plötzlichen Uebergang von bläulichgrün oder hellgrün zu gelb, orange und röthlichgelb. Während der Nacht begegnete uns ein Händler, der mit Elfenbein, Straußenfedern, Carossen und ungegerbten Thierhäuten über Molopolole und weiter südwärts nach der Cap-Colonie fuhr.
Auch am 5. Jänner blieb der Weg tiefsandig, der Wald wurde immer lichter und endlich gelangten wir auf eine große, blos stellenweise mit Büschen bewachsene Grasebene. Ich erbeutete auf derselben eine 4½ Fuß lange giftige, von mir bisher noch nicht beobachtete Schlange. Was mir besonders während der heutigen Fahrt auffiel, waren die zahlreichen, nicht blos in den nächstanliegenden südlichen Strichen, sondern auf weite Flächen hin einzeln auftretenden hohen, bald pyramiden-, bald kegel- und kegelstutzförmigen, sowie auch säulenförmigen, bis zu vier Meter hohen, graulichweißen Termitenhügel, welche sich in dem hohen Grase freistehend oder sich oft an ein kleines, dichtes Gebüsch anlehnend, gleich Monumenten emporhoben.
Nachdem wir etwa weitere 11¼ Meilen zurückgelegt hatten, sahen wir einen nur mit zwei Assagaien und einer Holzaxt bewehrten, mit einem Lederschürzchen bekleideten Makalahari auf uns zukommen. Nach Wasser befragt, erbot er sich unsere Thiere zu einem etwa drei Meilen entfernten Tümpel zu führen. Unterdessen ließ ich unser Nachtlager aufschlagen.
Hundegebell schreckte mich aus dem Schlafe auf; aus dem Wagen hervortretend, fand ich mich zwei Eingebornen gegenüber, die mich mit einem Redeschwall in der Setschuana begrüßten, von dem ich nicht ein einziges Wort verstehen konnte. Ich weckte Pit und erfuhr von ihm, daß ich zwei Bamangwato's, beide Unterthanen Sekhomo's, vor mir habe, wovon einer des Königs Abgesandter, eine Art Polizist, und der zweite ein »betrübter Vater« sei, der seinen entlaufenen Sohn, den er »Kind« titulirte, suche. Der Ungehorsame, der sich schon die »männlichen« Sandalen zu tragen berechtigt glaubte, hatte Schoschong und den Seinen heimlich Valet gesagt und sich dann am vorigen Tage einem vorüberziehenden Händler als Diener verdungen. Der besagte Vater frug nun, ob und wo wir sein »Kind« und den Weißen gesehen, dem es nachgelaufen, er müsse es zurückbringen, zu welchem Zwecke er den mit einer Donnerbüchse bewaffneten Vertreter der Behörde mitgenommen. Nachdem sie den gewünschten Bescheid erhalten, verließen uns die Verfolger raschen Schrittes. Einige Tage später, als ich bereits in Schoschong weilte, kam ein ältlicher Mann mit einem etwa vierzehnjährigen Jungen zu mir, mich freundlich und im vertraulichen Tone begrüßend. Pit kam meinem Gedächtnisse zu Hilfe. »Erkennst Du ihn nicht, Herr?« warf mein Griqua ein. »Es ist der Alte, der jene Nacht an uns vorbeirannte, um sein entflohenes Kind zu suchen. Das ist das Kind, er kommt es Dir zu zeigen.«
[Bamangwatoknabe.]