In die vier südlichen Betschuana-Königreiche führen drei Wege: vom West-Griaqualande, vom Oranje-Freistaate und dem Transvaalstaate; diese vereinigen sich nach Norden zu in der Stadt Schoschong und von hier verzweigt sich wieder die Route nach Norden zum Zambesi, nach Nordosten zu dem Matabele- und Maschona-Lande, und nach dem Gebiete der westlichen (Ngami-See) Bamangwato und endlich zum Damaralande nach Nordwesten, so daß ein Besuch dieser Länder oder des nördlichen Theiles Süd-Afrika's, sowie das Vordringen nach Central-Afrika vom Süden her, von der Aufnahme der Weißen von Seite des Königs Khama, des Sohnes Sekhomo's, abhängt.
Das erwähnte Hauptthal in dem Hochlande der Bamangwato ist 4-6 englische Meilen breit, mit Gras und Büschen bewachsen, ein Theil ist cultivirt und an der Vereinigung mit der Schoschong-Schlucht erblickt das Auge des Reisenden einige hundert dunkelgraue, kegelförmige Strohdächer, welche die niedrigen cylindrischen, etwa 2 Meter hohen und 3-3½ Meter im Durchmesser enthaltenden Hütten bedecken. Hie und da ist eines von den rauhen, dunkelgrünen Blättern der Kalebaß-Kürbisse überrankt.
Bevor wir jedoch aus Süden kommend die Stadt betreten, finden wir etwa 600 Schritte vor derselben das aus drei Gehöften und fünf einzeln stehenden, theils im Style der Bamangwatohütten, doch größtentheils im europäischen Style aus gebrannten Ziegelsteinen erbauten und mit Giebeldächern versehenen Häusern bestehende, »weiße oder Händler-Viertel«, in dem englische Händler einen Theil des Jahres wohnen, um mit den Eingebornen zu verkehren, und auch, wie es früher der Fall war, um den in das Innere ziehenden Jägern die nöthigen Bedürfnisse vorzustrecken, welche Darlehen von den Jägern nach ihrer Rückkehr mit Elfenbein und Straußenfedern zurückerstattet wurden. Das wichtigste Handels-Etablissement war das der Herren Francis und Clark, welche jedoch wie alle Binnenhändler in den letzten Jahren große Verluste erlitten. Bisher verwehrte es der König den Weißen, sich an Ort und Stelle ein Grundstück käuflich zu erwerben, er überließ ihnen jedoch während der Zeit ihres Aufenthaltes dasselbe unentgeltlich. Nachdem wir die zerstreuten Gehöfte der Weißen passirt, um zu dem Labyrinthe der Betschuanahütten zu gelangen, betraten wir die Stadt, in der mir zahllose verlassene Gehöfte auffielen. An einigen wurden Verbesserungen vorgenommen. Hier sahen wir Frauen mit Hilfe der bloßen Hand die in den Boden etwa einen Fuß tief eingerammten, armdicken, knorrigen und mit Grasstricken aneinander befestigten, eine cylindrische, fünf bis sechs Fuß hohe Wand bildenden Pfähle überschmieren. Das Material hiezu bereiten einige Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren, welche bis auf eine etwa handbreite, aus Glasperlen oder Sternchenschnüren gearbeitete Schürze jeder Bekleidung entbehrend, in einer mäßigen Vertiefung den rothen Lehmboden unter einem monotonen Gesange stampfen, was ihnen ebenso Freude bereitet, wie es den Müttern das notwendige Baumaterial verschafft. Eine alte Frau, die mit ihren dünnen Gliedern und der vertrockneten, pergamentartigen Haut mehr einer wandelnden Mumie ähnelt und in ihrem Aussehen der Sorgfalt ihrer Kinder kein gutes Zeugniß gibt, sitzt nahe an der Grube und schüttet langsam aus den an sie herangestellten Töpfen dem Anwurfsmateriale Wasser zu. Dort klettern wieder einige Frauen auf den eben mit frischgetrockneten und in Bündelchen angelegten, grasbedeckten Dächern herum, um sie theilweise zu glätten, die widerspenstig hervorragenden Halme herauszuziehen, andere das Dach mit dünnen Grasschnüren der Länge und Breite nach zu überziehen. An den Pfaden, in den Höfchen, doch meistens am Zaune, haben sich neugierige Frauen postirt, die ihre Säuglinge auf dem Arm und überdies noch einen Haufen kleiner, nackter Kinder um sich geschaart, lachend den fremden Makoa (Weißen) anstaunen und ihre Meinungen über denselben austauschen. Der Hals ist mit zahllosen, dunkelblauen großen Glasperlen, die in Schnüren aneinander gereiht sind, bedeckt, die Brust entblößt—blos hie und da bedeckt ein Cattunröckchen und ein Wolltuch (meist roth und schwarz carrirt) den Körper, der Unterkörper ist meist mit einer bis an die Knie oder bis zu den Knöcheln reichenden Carosse verhüllt. Nach einer Stunde haben wir uns aus dem Labyrinthe herausgearbeitet und treten in die eigentliche Schlucht ein, die etwa 400 Schritte breit, sich nach 1000 Schritten allmälig zu einem Felsenthore einengt. Wenn wir gegen dasselbe hinblicken, so scheint es, als wenn hier die Schlucht ihren Abschluß finden möchte; dem ist aber nicht so, es ist nur die westliche steile Wand der Felsenenge, welche in ihrer Wendung nach Osten sich bis an die von zerrissenen Felsblöcken (der sogenannten Affenburg) gekrönte Ostwand vorschiebt; wie die Geschichte der Stadt es beweist, ist diese Felsenge für den Besitz derselben von der größten Wichtigkeit.
[Frauenschürzen der Bamangwato's.]
[Bamangwatohütten in Schoschong.]
Auf unserem Wege durch die Schlucht, nach den vor diesem Felsenthore je an einem Abhange erbauten steinernen Missionsgebäuden, sehen wir den zur Rechten durch drei Häusergruppen gebildeten mittleren Stadttheil, während der hintere eine halbe Stunde jenseits der Felsenenge in einem Felsenbecken erbaut ist.