[Kotla in Schoschong.]
An der steilen Berglehne zur Linken (unbedeutend hoch über dem Flußbette) sieht man Ruinen eines europäischen Häuschens, es sind die Ueberreste der Hermannsburger Missionskirche, die nach dem Scheiden der Hermannsburger Mission von Schoschong, wo sie der Londoner Missions-Gesellschaft Raum machte, verfiel, bis sie in einem der Kämpfe als ein Bollwerk benützt, und bis auf die lehmigen Mauern zerstört wurde.
Das Missionsgebäude an der rechten Felsenwand ist wohnlicher und stellt ein großes Gehöfte dar, in dem sich auch die Schule und die Wohnungen für die verheirateten, schwarzen Seminaristen und die Kirche befinden. Zur Zeit meines ersten Besuches in Schoschong wohnte hier als Prediger einer der edelsten Männer, die ich in Afrika kennen gelernt, Rev. Mackenzie, der seit 1876 mit dem Seminar nach Kuruman übersiedelte. Seine Stelle wurde nicht ersetzt, in dem anderen Hause wohnt bis heute noch Rev. Hephrun.
[Bamangwatohaus.]
Von dem Herrn des Hauses freundlichst aufgenommen, wurden wir von seiner Frau Gemahlin mit einer Tasse Thee und einer Brotschnitte bewirthet und brachen sodann in seiner Begleitung wieder nach der Stadt auf, um den König, der schon in der Kotla Platz genommen, zu begrüßen. Aus dem engen Felsenthore, unter der vorerwähnten Affenburg strömt ein förmlicher Zug von Frauen, manche wieder lenken in die Schlucht ein—andere kommen von den im mittleren Drittel der Schlucht entspringenden Quellen, um Wasser zu holen oder eilen zu ihnen hin. Sie haben die rauhgar gegerbten Felle, Carossen (mit den Haaren nach innen) toga-artig um den Leib geschlungen; die Rechte hängt heraus oder hält das am Kopfe getragene Thongefäß. Sie verstehen sich darauf, diese irdenen, wenn auch noch so schweren Töpfe über den sehr steinigen Weg hin, sehr gut zu balanciren. Die Carossen sind reichlich mit einfachen aus Glasperlen und Riemchen verfertigten Zierraten geschmückt, die Waden mit Wadenringen (Glasperlen und Messingdraht) bedeckt, die Unterschenkelbildung vollkommen verunstaltend und verhüllend.
Auf unserem Wege nach des Königs Hütten, welche um die Kotla, d.h. den Berathungsplatz der conservativen Betschuana's, erbaut sind, haben wir Gelegenheit zu beobachten, wie freundlich unser Begleiter von Alt und Jung von den Vorübergehenden mit »Rumela« oder einem Hutlüften gegrüßt wird. Die Kotla ist ein kreisförmiger, von 10 bis 30 Centimeter im Durchmesser starken Baumstämmen umfriedeter, ebener Raum, welcher nach Süden einen Ausgang in eine kleinere Umfriedung und nach Norden einen Eingang hat. Die zweite Einfriedung ist des Königs Rindviehkraal, d.h. eine Umzäunung, in welcher die Milchkühe oder Schlachtthiere zur Nachtzeit untergebracht werden, während die Pferde in der Kotla übernachten können. Der Eingang zu diesen beiden Räumen wird in der Nacht mit Holzpfählen geschlossen. Zur Kriegszeit wird Nachts in der Kotla ein hellloderndes Feuer unterhalten.