Schoschong, früher der Sitz eines Hermannsburger Missionärs, ist gegenwärtig eine Station der London Missionary Society. Zur Zeit meines ersten Besuches (1874) standen derselben Rev. J. Mackenzie (der Autor des Werkes »Ten Years north of the Orange-River«) und Hephrun vor. Ihre Amtsbrüder in Molopolole hatten mir die Post für Schoschong mit auf den Weg gegeben, und mich damit an Rev. Mackenzie gewiesen. Seine freundliche Aufnahme, sein höchst freundliches und anspruchsloses Betragen während meines ersten Aufenthaltes in Schoschong, seine freundschaftliche Zuvorkommenheit während meines zweiten Besuches und seine wahrhaft brüderliche Sorgfalt, die er mir angedeihen ließ, als ich mittellos und krank von der dritten Reise zurückkehrte, haben mich oft alle Müh- und Drangsale meiner Laufbahn vergessen lassen, mich mit innerstem Danke gegen diesen wahren Apostel des Friedens erfüllt und mich seinen anhänglichsten und wärmsten Freund werden lassen. Ich erfülle eine der angenehmsten Pflichten, indem ich auch an dieser Stelle meinem Dankgefühle Ausdruck gebe.
Rev. John Mackenzie, ein Ehrenmann im vollsten Sinne des Wortes, bekleidete als Missionär in Schoschong angesichts der steten Kämpfe in der königlichen Familie der östlichen Bamangwato eine der schwierigsten Stellen in Süd-Afrika, doch wie geschaffen für den Posten wirkte er mit der größten Umsicht als Vermittler zwischen den einzelnen Parteien; mit seltener Klugheit und tiefem Mitgefühl für das Edle und Gute begabt, wußte er jeden Conflict zwischen den einzelnen Stämmen in Güte zu schlichten und den Sinn für Gerechtigkeit und Menschlichkeit zu wecken. Wenn heute Khama, der Sohn Sekhomo's, als der beste Herrscher unter den Eingebogen Süd-Afrika's anerkannt wird, so ist dies das Werk Rev. Mackenzie's. Ich verdanke ihm vielfache Aufklärungen und Mittheilungen über die Geschichte und die Gebräuche der Betschuana's, deren Treue ich in mehrfacher Hinsicht durch eigene, spätere Forschungen bestätigt fand.
Ich lagerte mit meinem Wagen am Südostende der Stadt und war bald von einem Haufen Neugieriger umringt. Da es Herr Mackenzie für angezeigt hielt, baldigst Sekhomo's, des Königs, Bekanntschaft zu machen, so begab er sich mit mir zu ihm und bald saßen wir dem alten Manne auf kleinen Stühlen in der Kotla gegenüber. Von seiner bettelhaften Zudringlichkeit abgesehen, konnte ich mich während meines kurzen Aufenthaltes in Schoschong über Sekhomo's Betragen nicht beklagen. Mehr als von Mittelgröße, etwas beleibt, unterschied er sich durch nichts von den Umsitzenden, sein Auftreten ließ den Beherrscher eines so großen Gebietes kaum vermuthen. Ein kleiner Lederlappen war um seine Lenden geschlungen, ein Ledermäntelchen hing um die Schultern. Dieses ist in der Regel bei den östlichen Bamangwato's aus Hartebeest-Fell gearbeitet, bis auf fünf Stellen (siehe die Illustration) glattgar gegerbt, mit einem aus dem Felle der Säbelantilope geschnittenen schwarzen Ringe (oder zuweilen ohne denselben) nahe an der unteren Ecke verziert und oben am Halsrande mit aus Glasperlen etc. gearbeiteten Verzierungen behangen. Nach einigen gewechselten und durch Herrn Mackenzie verdolmetschten Phrasen schied ich aus der Kotla, um meinen Besuch nächsten Tages zu wiederholen.
Ich will nun, bevor ich zu meinem persönlichen Verkehr mit Sekhomo und seinen Bamangwato's übergehe, einige wichtige Episoden aus der Geschichte des Bamangwato-Reiches anführen.
Nach den von meinem Freunde Mackenzie gesammelten Traditionen stammen die Bamangwato von den Banquaketse ab. Wie schon erwähnt, theilten sich die Baharutse in mehrere Unterabtheilungen und wanderten von den gemeinsamen Stammsitzen aus; eine dieser Unterabtheilungen theilte sich später wieder in zwei Stämme, die Banquaketse und die Bakwena, von welchem ersteren endlich die Bamangwato's sich als der schwächere Theil loslösten und die Gebiete nördlich der Bakwena's bis an den Zambesi und Tschobe besetzten. Zur Zeit Matipis, des Urgroßvaters Sekhomo's, fand eine neuerliche Theilung der Bamangwato's statt, welcher die beiden Bamangwato-Reiche (das westliche am Ngami-See und das östliche zu Schoschong) ihre Existenz verdanken.
Der Stifter des ersteren war Towane, der jüngere der beiden Söhne Matipi's, Khama blieb in den Bamangwato-Höhen. Towane behandelte den mit ihm ziehenden greisen Vater so schlecht, daß dieser wieder zu Khama seine Zuflucht nahm. Khama ließ ihn zwar im Lande, verbot ihm aber die Stadt zu betreten; über diesen schnöden Undank seiner beiden Söhne brach dem alten Manne das Herz und er nahm sich das Leben. Seine Grabstelle wird noch bis jetzt von den Bamangwato's in hohen Ehren gehalten.
Der Gerechtere unter den sieben Bamangwato-Herrschern, deren Namen uns die Tradition nennt, war Khari, von ihm heißt es, daß er muthig und kriegerisch war, klug, wenn er in der Kotla sprach, und milde mit den Makalahari, den Madenassana und Masarwa's, den Unterjochten im Reiche. Er war auch von den Nachbarvölkern so geachtet, daß viele, wie die Makalaka's und einige weiter östlich wohnende Maschona's an ihn freiwillig Tribut zahlten. Leider wird auch hier an den Betschuana-Fürsten der Historiker eine ihm so wohlbekannte Erscheinung zu beobachten haben. Der Mächtige, im eigenen Lande Hochgeehrte, bei den Nachbarn Geachtete und von seinen Feinden Gefürchtete wollte noch höher steigen. Dieser Versuch führte aber seinen Fall herbei. Einen der südlicheren kleineren Maschona-Häuptlinge angreifend, fiel er mit dem Kerne seiner Truppen in einen Hinterhalt, in dem er mit seinem Unterhäuptling den Tod fand, während die Bamangwato-Armee beinahe vollkommen aufgerieben wurde und in Folge dieser Niederlage im Lande allgemeine Anarchie einriß. Die Maschona's, welche die Kampfweise der Bamangwato kennen gelernt hatten, theilten ihre Armee in zwei Theile. Die jüngeren Regimenter (die jungen Soldaten) mußten den anrückenden Feinden entgegengehen und ihn angreifen, dann zurückweichen, die Flucht fingiren, während inzwischen die alten Regimenter die feindliche Armee nach Zulu-Art zu umzingeln hatten. Der Plan gelang vollständig. Die angreifenden Maschona's nahmen Reißaus, kehrten sich jedoch gegen ihre Verfolger und stachen sie nieder, während die Hauptmacht der Ersteren Khari und sein Gefolge, die sorglos der scheinbar siegenden Vorhut folgten, angriff und niedermetzelte. Die in der Hauptstadt des Landes und hie und da im Lande zurückgebliebenen Häuptlinge hoben nun die Söhne des Khari auf den Schild; bevor es indeß noch zum Bürgerkriege kam, wurde das Land von dem aus den Oranje-River-Gegenden ausgewanderten und von Sebituane angeführten Basutostamme der »Makololo« besetzt, während die Hinterbliebenen des Königs als Gefangene nach Norden mitgeschleppt wurden, wohin die Makololo's zogen, um sich am Tschobe eine neue Heimat zu gründen. Im südlichen Theile des Mababifeldes gelang es den Gefangenen zu entfliehen und Sekhomo, der älteste Sohn Khari's, obwohl nach dem Gesetze von der Thronfolge ausgeschlossen, da er nicht ein Kind des ersten Weibes seines Vaters war, durcheilte das Land, um die Zerstreuten zu sammeln und sich Vasallen zu sichern. In einem der folgenden Kämpfe mit den Makololo's gelang es ihm nicht nur den Angriff derselben erfolgreich abzuwehren, sondern auch ein Reservecorps der Makololo's in einem Engpasse der Bamangwato-Höhen (Unicornpaß) vollkommen aufzureiben. Dieser Sieg gewann ihm die Unterstützung der meisten Häuptlinge des Landes. Der eigentliche Thronerbe und Stiefbruder ward auf sein Anstiften von den Letzteren getödtet. Sein Bruder Matscheng wurde von der Königin (seiner Mutter) durch Flucht vor einem ähnlichen Schicksale bewahrt.
[Sekhomo und sein Rath.]