Der Sieg der Bamangwato's über die Makololo's blieb nicht lange vereinzelt, bald waren sie so erstarkt, daß sie auch den Matabele-Zulu's erfolgreich Widerstand leisten konnten, welche seit 30 Jahren jährlich nach den Betschuanaländern kamen, um zu morden, zu plündern und zu rauben. Ja es gelang ihnen sogar, den Matabele das geraubte Vieh abzujagen und viele derselben niederzumachen. Dieser Waffenerfolg der Bamangwato schüchterte den Matabele-König Moselikatse etwas ein und hatte zur Folge, daß die östlichen Bamangwato längere Zeit von den Belästigungen der Matabele verschont blieben. Ein späterer Versuch Moselikatse's einen Raubzug nach dem Lande der Bamangwato zu unternehmen, hatte ein klägliches Ende. Moselikatse sandte 40 Zulukrieger zu Sekhomo ab, um von ihm Tribut zu fordern. Sekhomo ließ die Seinen sich heimlich rüsten und die Abgesandten niedermetzeln. Seit diesem Vorfalle wagte es Moselikatse 20 Jahre hindurch nicht, die Bamangwato's zu beunruhigen, so daß diese sogar ihre Viehheerden bis gegen den Matliutse vorschoben. Im März 1862 jedoch erneuerte er, durch einen zu ihm geflüchteten Bamangwato-Unterhäuptling, Kirekilwe, dazu bewogen, den Angriff. Die am Matliutse und Serule Vieh hütenden Makalahari wurden getödtet, ein Dorf der Maschwapong in den östlichen Bamangwato-Höhen zerstört. Nur zwei Männer konnten als Ueberlebende des Dorfes die Nachricht nach Schoschong (der von Sekhomo gewählten Residenz) bringen. Seine Söhne Khama und Khamane brachen nun auf, um diesen Einfall zu rächen; sie griffen die Matabele an, schlugen zwei Haufen zurück, wurden jedoch von einem dritten, der auf einem Raubzuge begriffen, durch das Schießen angelockt wurde, im Rücken angegriffen und hatten Mühe, nachdem sie etwa 40 Matabele getödtet und dabei 20 der Ihrigen verloren, Schoschong wieder zu gewinnen.
Die Matabele kamen nur bis in das Franz Josef-Thal und näherten sich den die Schoschon-Schlucht und Schoschong beherrschenden und von den Bamangwato's vertheidigten Höhen bis auf Schußweite. Sie zerstörten die Felder und da sie aus guten Gründen das Eindringen in die Schlucht vermeiden wollten, machten sie mehrere, jedoch erfolglose, Versuche, die Bamangwato's zum Kampfe in der Ebene zu verleiten. Sie verließen endlich das Franz Josef-Thal und zogen heim, die geraubten Heerden mit sich führend, die ihnen Sekhomo indeß zwei Wochen später wieder abjagte.
Seit diesen Erfolgen mehrte sich das Ansehen der Bamangwato, da die Matabele als die tapfersten Krieger angesehen wurden; aus dem Matabelelande kamen Makalaka, Batalowta, Mapaleng, Maownatlala und Baharutse als Flüchtlinge und baten um die Erlaubniß, sich an den Bamangwato-Höhen niederlassen zu dürfen. Ich erwähnte, daß der Stiefbruder Sekhomo's, Matscheng, mit seiner Mutter zu den Bakwena's geflohen war. Hier wurde er von den auf einem Raubzuge befindlichen Matabele's gefangen, doch befreit, fiel aber bei dem nächsten Raubzuge denselben Matabele's wieder in die Hände und wurde von diesen als gemeiner Soldat »Le-chaga« aufgezogen.
Seschele, der schon längst seine angeblichen Anrechte auf die Bamangwato's (da sie von den Banquaketse's abstammten) geltend machen wollte, sich jedoch offen aufzutreten zu schwach fühlte, suchte im Geheimen die Bamangwato's für Matscheng, ihren rechtmäßigen Herrscher zu gewinnen, was ihm auch theilweise gelang. Durch Dr. Mossat's Einfluß wurde der Gefangene im Matabeleland freigelassen und von Seschele mit Pomp empfangen, was diesem in Schoschong zu solchem Ansehen verhalf, daß er als sich Tschukuru (nächst Sekhomo der erste Mann im Lande) für ihn erklärte, als König in Schoschong einziehen konnte. Seschele wurde für seine Hilfe mit Elfenbein und Straußenfedern bezahlt.
Sekhomo flüchtete nun zu Seschele, wo er mit offenen Armen aufgenommen wurde. Matscheng behauptete sich jedoch nicht lange in Schoschong; er war als Matabele-Krieger aufgezogen worden und wollte den Despotismus derselben unter den conservativen Bamangwato's einführen, die von ihm begangenen Uebergriffe und Grausamkeiten kosteten ihm bald den Thron. Tschukuru war der erste, der sich gegen ihn auflehnte und mit Seschele's Hilfe, Sekhomo wieder auf den Thron brachte. Der flüchtige Matscheng aber wurde wieder von Seschele auf das Freundlichste aufgenommen. Dies geschah im Jahre 1859, also vor dem letzterwähnten Angriffe der Matabele auf die Bamangwato.
Von Interesse ist es vielleicht zu hören, daß, obgleich Matscheng als Stiefbruder Sekhomo's, Khari's Sohn genannt wurde, er thatsächlich nicht dessen Sohn war. Seine Mutter war die erklärte Königin und deshalb war Matscheng, obwohl einige Jahre nach Khari's Tode geboren, legal, während Sekhomo, obwohl Khari's Sohn, aber von einem Weibe zweiten Ranges geboren, als illegal angesehen wurde.
Im Jahre 1864 vereitelte Sekhomo den bereits erwähnten Angriff Seschele's auf Schoschong. Als im Jahre 1865 die Boguera in Schoschong gefeiert wurde und Sekhomo seine beiden Söhne, Khama und Khamane, nicht unter den »gestellten« Knaben und Jünglingen gewahrte, wurde der König so wüthend, daß er dieselben ein volles Jahr durch Moloi's »bezaubern« ließ, allein mit keinem anderen Erfolge, als beiden die Sympathien der jungen Regimenter zuzuwenden.
Der Haß Sekhomo's mehrte sich noch, als Khama, ein Schwiegersohn Tschukuru's, sein ihm von dem Prediger angetrautes Weib der Boguera nicht unterwerfen wollte, was Sekhomo den alten Gebräuchen gemäß forderte, wenn sie von Rechtswegen Königin werden sollte. Sekhomo wollte heimlich Tschukuru tödten; unter den Bamangwato's wagte er es jedoch nicht, die Mörder zu suchen und auch von den Matabele-Flüchtlingen wollte keiner die That auf sich nehmen. Im Jahre darauf, nachdem Sekhomo durch alle möglichen Mittel, Ueberredungen und Abschreckungen seinen Söhnen viele Freunde abwendig gemacht zu haben glaubte, unternahm er während einer Nacht einen Angriff auf die Hütten der Beiden. Er ließ heimlich seine Getreuesten versammeln und hieß sie auf die Hütten seiner Söhne losfeuern. Da jedoch Keiner dem Befehle Folge leisten wollte, legte er selbst an, doch wurde ihm das Gewehr aus der Hand geschlagen. Vergeltung befürchtend floh er nun zu seiner Mutter, doch seine Söhne verziehen ihm nicht allein, sondern setzten ihn wieder unter der Bedingung als König ein, daß er gegen sie und die christliche Gemeinde kein neues Attentat versuchen dürfe. Sekhomo versprach es, doch sein Charakter war nicht darnach, einer neuen Versuchung, die Verhaßten verderben zu können, aus dem Wege zu gehen.
Schon kurze Zeit darauf sandte er zu Seschele, lud Matscheng zu sich, um sich mit diesem gegen seine Söhne zu verbinden. Im März desselben Jahres brachte Sekhomo einen zweiten Anschlag gegen seine Söhne zur Ausführung, diesmal gelang es ihm namentlich durch Versprechungen viele der Bamangwato's zu gewinnen, so daß Khama und Khamane mit ihrem Anhang sich auf die Berge flüchten mußten, nachdem sie eine Belagerung in der zerfallenen Kirche der Hermannsburger Mission ausgehalten hatten. Als nach vierwöchentlichem Kampfe Sekhomo noch immer kein Resultat sah, sandte er um Makalahari und die Makalaka erstürmten die Tafelfläche der Höhe und belagerten von hier aus die auf dem, von der Tafelfläche emporsteigenden isolirten Felsenhügel sich verteidigenden Söhne. Nach achttägiger Belagerung ergab sich Khama mit seinem Anhange aus Wassermangel auf Gnade und Ungnade, ohne jedoch persönlich zum Heidenthume zurückzukehren. Sekhomo schenkte wohl seinem Sohne das Leben, nicht aber seinen Getreuen, sie mußten alle fliehen, und viele, darunter auch Tschukuru, wurden getötet.
Schon im Monat Mai erschien Matscheng in Schoschong um abermals sein Recht zu fordern. Khama und Khamane erklärten sich offen gegen den Prätendenten, ohne jedoch zu den Waffen zu greifen. Sekhomo wurde jedoch zuerst seines »Stiefbruders« überdrüssig und sann auf neue List. Er berief eine öffentliche Versammlung ein, wozu Matscheng und seine Söhne geladen waren, er wollte diese zuerst in die Kotla eintreten und selbe dann umzingeln lassen, um sich so mit einem Schlage von allen seinen Gegnern zu befreien. Allein wie immer erfuhr Khama diesen Anschlag und warnte Matscheng; am Versammlungstage wußten es die Geladenen so einzurichten, daß sie die Letzten in die Kotla eintraten. Da sann Sekhomo einen neuen Plan, doch die Seinen ließen ihn wieder im Stiche und er mußte fliehen. Matscheng ward nun zum zweiten Male erklärter Herrscher der Bamangwato's.