Sekhomo flüchtete sich zu den Manupi, im Lande der Banquaketse, dann zu den Makhosi, wurde jedoch von hier auf Seschele's Befehl ausgetrieben und floh zu Chatsitsive nach Kanja. Kaum fühlte sich jedoch Matscheng alleiniger Herrscher der östlichen Bamangwato, so verfiel er in seine alten Gelüste und benahm sich wie ein Zulu-Usurpator. Den Einfluß und die steigende Macht Khama's und seines Anhanges trachtete er bei dem Volke durch die Erklärung zu untergraben, daß die Kirche eine dem Staate feindliche Gewalt sei und versuchte das religiöse Pflichtgefühl der christlichen Gemeinde auf jede Art zu verletzen. Der offene Ungehorsam, der seinen diesbezüglichen Befehlen entgegengesetzt wurde, bestärkte Matscheng in seinem Streben, sich Khama's zu entledigen. Da dies mit Waffengewalt nicht gut möglich war, blieb kein anderer Ausweg übrig, als die Moloi's herbeizuziehen; doch all' ihre anstrengende Arbeit blieb wirkungslos, ebenso erfolglos war Matschengs Bestreben, zu diesem Zwecke von einem weißen Händler Gift zu erhalten.

Matschengs Herrlichkeit nahm ein schnelles Ende. Während eines Besuches bei Chatsitsive im Banquaketseland traf Khama den König Seschele, welcher ihm Hilfstruppen lieferte, um Matscheng aus Schoschong zu vertreiben. In einer im Franz Josef-Thale an der Mündung der Schoschonger Schlucht gelieferten Schlacht, welche auch in taktischer Hinsieht dadurch an Bedeutung gewann, daß die unter Kuruman, dem Sohne Moselikatse's, Führung stehenden Matabele's, die Verbündeten Matschengs, zu Pferde fochten, wurde dieser geschlagen. Khama, der diesen Angriff voraus sah, hatte seine in früheren Kämpfen erprobten Schützen als Tiralleurs vorrücken und hinter kleinen Büschen Posto fassen lassen und dadurch die berittenen Matabele zur zerstreuten Fechtart gezwungen, in welcher sie gegen die gedeckt stehenden Schützen nicht aufkommen konnten. Noch während der Schlacht fiel Kuruman von Matscheng ab und trat den Rückzug nach dem Rustenburger District an. Matscheng und seine Leute flohen in regelloser Flucht, nachdem sie das Haus des Händlers Drake geplündert hatten.

Seit jener Zeit ließ sich der nach den Landesgesetzen rechtmäßige, doch allgemein durch seine Handlungsweise verhaßte Herrscher der östlichen Bamangwato nicht mehr in Schoschong blicken und zog zunächst nach den Maschwapong-Höhen am mittleren Laufe des Limpopo (im östlichen Bamangwatolande) und von Khamane aus diesem Zufluchtsorte vertrieben später nach dem Mabolo-Gebirge. Nach der Vertreibung Matschengs wurde Khama der erklärte König der östlichen Bamangwato, und es schien, als ob nun nach so vielen Fehden und nachdem die beiden Haupt-Unruhestifter Matscheng und Sekhomo außer Land waren, Friede in demselben herrschen sollte. Doch das gute, kindliche Herz Khama's brachte es trotz aller bitteren Erfahrungen nicht über sich, Sekhomo in der Verbannung zu lassen; unter dem Versprechen Frieden zu halten, rief er ihn nach Schoschong zurück. Doch es währte nicht lange und Sekhomo begann neuerdings zu wühlen; zunächst versuchte er seine beiden Söhne Khama und Khamane zu entzweien, indem er das Matscheng abgenommene Vieh sowie ein Dorf der Manansa, die im Albertslande (dem Höhenlande südlich von den Victoriafällen) wohnten, Khamane zusprach. Leider ließ sich Khamane verleiten; in der Hoffnung, einst den Thron zu besteigen, blieb er gegen Khama's und die Vorstellungen meines Freundes Mackenzie taub, der eine Verständigung zwischen den beiden Brüdern und dauernden Frieden im Lande herbeiführen wollte.

[Flucht auf die Berge.]

Khama wanderte hierauf mit dem größten Theile der Schoschonger Bevölkerung aus, ließ sich im Gebiete der westlichen Bamangwato am Zuga-River nieder und erwarb sich hier unter den Batowana's große Achtung und Zuneigung. Doch seine Leute wurden durch die Fieber am Zuga-River decimirt und so blieb Khama nichts übrig, als an die Rückkehr zu denken. Dies war der Zustand der Dinge, als ich in Schoschong anlangte.

Meine nächste Sorge nach unserer Ankunft in Schoschong war die Ergänzung meines Proviants, der bereits bedenklich zur Neige ging; es ging dies schwerer als ich dachte, und nur durch die freundliche Vermittlung Rev. Mackenzie's gelang es mir, den dringenden Bedarf zu decken. Aus eben diesem Grunde mußte ich auf die Ausführung meines Wunsches verzichten, bis zum Zuga oder Botletle vorzudringen.

Schon am 9. stattete mir Sekhomo den ersten Gegenbesuch ab und ich hatte anfangs das Vergnügen, das sich bald in eine Plage umwandelte, den König mit seinen Linjaka's, die wir aus näher zu erläuternden Gründen den Aasvogel-Rath nannten, täglich ein bis zweimal bei uns zu sehen. Der König schüttelte mir stets die Hand, während unterdessen sein holländisch redendes Factotum diese oder jene Bettelei vorbrachte. Er stand in der Regel mit eingestemmten Armen vor mir, während der Rath in einem Halbkreise um ihn herumhockte und seine Geberden nachahmte. Lachte er, lachten die Aasvögel mit, eines Tages verbrannte er sich die Lippen an dem heißen Thee, den ich ihm anbot, auch diesmal beeilte sich der versammelte Rath, die Gesichter zu verziehen und ihrem Bedauern Ausdruck zu geben; gähnte seine Majestät, so blieben die alten Getreuen mit ihrer Beisteuer nicht zurück und macht er sich auf den Heimweg, so erhob sich einer nach dem andern, um dem König im Gänsemarsch zu folgen.

Am 11. wurde ich auf einen vorüberfahrenden holländischen Jäger, Namens Franz Vissasi, aufmerksam, der mit seiner Familie von der Jagd aus den Zuga- und Mababi-Gegenden heimkehrte. Während seiner sechsmonatlichen Abwesenheit hatte er in diesen 21 Elephanten und 15 Strauße erlegt und theilte mir zwei interessante Löwenabenteuer mit, bei welchen sich sein kleiner Sohn recht heldenmütig betragen haben sollte; er nahm noch am selben Tage meine Hilfe in Anspruch, da drei seiner Kinder an Febris intermittens darniederlagen.