Sekhomo's direkte Einnahmen betrugen nach einer Mittheilung Rev. Mackenzie's 3000 £ St. und bestanden in Rindern, Elfenbein, Straußenfedern, Häuten und Carossen. Staatsausgaben waren unbekannt. Den freien Bamangwato's blieb der Ertrag ihrer Viehheerden, die minderwerthigen Straußenfedern, Thierfelle, sowie je ein Elfenbeinzahn von jenen Thieren, die sie selbst oder ihre Vasallen für sie erlegten.

Am 22. kamen zwei Boerwägen vom Marico-District an, welche verschiedene Victualien zum Verkaufe brachten. An den folgenden Tagen besuchte ich die Höhen, an denen ich einen Matabeleschädel fand und machte Ausflüge im Schoschonthal aufwärts, besuchte den am jenseitigen Ufer des Schoschon-Flüßchens sich erhebenden pittoresken Monkey-Felsen, den nächtlichen Sammelort der Paviane und bestieg einige der anliegenden Höhen. Da wo sich das Thal über dem Monkey-Felsen erweitert, lagen zwei Dörfer der hier als Flüchtlinge lebenden Makalaka's und eines der verlassenen Missionsgebäude des Hermannsburger Predigers Herrn Schukenberg. Ueber dem östlichen Dorf erhob sich ein isolirter Tafelberg, auf dessen Kuppe die Pferde während der Herbstpneumonie-Zeit mit gutem Erfolge gehalten wurden.

Unser Wagen war trotz des mit geringen Unterbrechungen herabströmenden Regens während der ganzen Dauer unseres Aufenthaltes stets von Besuchern und Arbeitern umlagert, es entwickelte sich ein reger Verkehr, der nur einmal durch einen kleinen Zwischenfall, den meine Zugthiere verschuldet hatten, unterbrochen wurde. Die allgemeine Friedensstimmung und gemächliche Ruhe der Bevölkerung wurde eines Tages plötzlich in unerwarteter Weise durch die Nachricht gestört, daß feindliche Matabele im Anzuge seien. Eine mir unerklärliche Panik ergriff nun die Bevölkerung; der König eilte zu mir und lieh sich eines meiner Gewehre aus—ich hatte die größte Mühe, es später wieder zu erlangen—er zeigte mir sein Palladium, ein aus einer Löwenklaue verfertigtes Amulet, das ihn kugelfest machen sollte, und ordnete die Flucht der Bamangwato's auf die Schoschong beherrschenden Höhen an. Die geringen Habseligkeiten eiligst zusammenraffend, die widerspenstigen Rinder- und Schafheerden vor sich hertreibend, floh Jung und Alt den Höhen zu. Die Bestürzung und Verwirrung erreichte den höchsten Grad, als einige Männer auf eine vor der Stadt aufgescheuchte Hyäne einige Schüsse abfeuerten, man wähnte die Matabele schon an den Fersen zu haben.

Tags darauf traf ein Boer-Jäger aus dem westlichen Matabelelande, ein Sohn des berühmten Elephantenjägers Pit Jacobs, der am Tatiflusse residirt, in Schoschong ein, der die Bevölkerung über die völlige Grundlosigkeit ihrer Aufregung aufklärte. Die Beschwichtigungen des Jägers fanden indeß keinen Glauben und selbst die Weißen (Händler) trafen Anstalten zu ihrem Schutze. Rev. Mackenzie rieth mir, baldigst abzureisen, da mir, wenn nicht persönlich, so doch meiner Habe Gefahr drohen konnte.

Als Sekhomo hörte, daß ich abreisen wollte, klagte er über den Schmerz, den ihm mein Entschluß bereite, nannte uns seine Freunde und bat uns, ihn in dieser Bedrängniß nicht zu verlassen. Ich gab ihm für eine seiner sieben Frauen ein blaues Wollkleid als Abschiedsgeschenk, das er mit einem Büschel grauer Straußenfedern erwiderte.

In keiner anderen der auf dieser Reise berührten Eingebornenstädte war es mir vergönnt, eine ähnliche Menge der mannigfachsten ethnographischen Objecte zu gewinnen, als eben hier; was ich noch an Gütern im Wagen hatte, tauschte ich leider zum sichtlichen Mißbehagen der hier ansässigen Händler für Arbeiten der Eingebornen aus. Ich erstand zahlreiche Assagaie, Schlachtbeile und einige Dolche und Messer, Kiri's und Stöcke, hölzerne Kopfpolster, Töpfe und Pfannen, hölzerne Löffel, aus verschiedenem Material gearbeitete Würfel (Zauber- und Doctorwerkzeuge), die verschiedenartigsten Schnupftabaksdosen, Kürbißgefäße, Toiletteartikel und Carosse-Verzierungen, Schürzen und Mützen, Puppen und aus Thon gearbeitete Spielsachen. Zu den wichtigsten von mir erworbenen Gegenständen gehörten Sekhomo's Regen- und Kriegstrommel, ein aus Elfenbein gearbeiteter kleiner Fetisch, Kiri's aus Rhinoceros-Horn etc., auch fehlten Pfeifen nicht. Ich tauschte viele Pallah- (Antilopen-) Leoparden-, Luchs-, Caracal-Felle etc. aus und ließ mir daraus gegen Bezahlung Carossen verfertigen. Bis auf kleine Unterscheidungs-Merkmale gleichen die Arbeiten der Bamangwato's denen aller übrigen Betschuanastämme. Die Bauart der Hütten gleicht der bei den Barolongen üblichen, die Hütten selbst sind nur kleiner und leichter gebaut, hingegen traf ich in ihrer Größe unübertroffene Korngefäße aus ungebranntem Thon. Nicht minder zahlreich als meine ethnographischen Acquisitionen waren die naturhistorischen.[[1]]

[1] Unter den Eidechsen zeichnet sich eine schöne, metallisch in Braun, Dunkelgrün und Blau glänzende, leicht gestreifte, mitunter auch streifenlose Art durch ihre Häufigkeit und Zutraulichkeit aus.

Bevor ich auf die Schilderung meiner Rückreise nach den Diamantenfeldern eingehe, will ich die im vorigen Kapitel begonnenen Mittheilungen über Sitten und Gebräuche der Betschuana's zu Ende führen. Der gewöhnliche heidnische Betschuana besitzt in der Regel eine Frau, die wohlhabenderen zuweilen zwei, Unterhäuptlinge drei bis sechs, die Könige noch mehr, doch nicht so viele, als es im Marutse-Reiche Gebrauch ist. Der wohlhabende Mann macht der neu erworbenen Frau ein Geschenk von mehreren kleinen oder großen Hausthieren.

Beim Betreten einer Stadt hebt der Ankömmling die auf seinem Pfade liegenden Steine auf und wirft sie in einen dichten Busch oder legt sie in die Astgabelungen der Bäume, indem er den Wunsch ausspricht, er möge den Zweck seiner Reise erreichen. Das Fell, Horn und Fleisch eines geweihten Thieres—die Deukergazelle bei den Bamangwato's, das Krokodil bei den Bakwena's etc.—darf nicht berührt werden; eine auf der Hütte sitzende Eule wird als Unglücksbote angesehen und die Hilfe des Linjaka in Anspruch genommen, um die vom Vogel berührte Stelle zu reinigen.

Außerdem werden Thiere, welche zuweilen etwas nach Betschuana-Begriffen Ungewöhnliches begehen, als gefährlich und verderbenbringend angesehen und müssen getödtet oder durch einen Linjaka gereinigt werden. So wird z.B. eine auf das Dach springende Ziege mit dem Assagai durchbohrt. Peitscht ein Thier, eine Kuh, in einem Viehkraal längere Zeit hindurch mit dem Schweife den Boden, so ist sie keine gewöhnliche Kuh mehr, sie ist »Tiba«, eine Unheilbringende, welche dem Eigenthümer Schaden, Krankheit, sogar den Tod bringen kann. Ein Reicher tödtet ein solches Thier sofort, ein Armer bietet sie dem Weißen oder einem Nachbarstamme zum Kaufe an, es ist dies der einzige Fall, in welchem der Betschuana seine Milchkühe verkauft. Keinem Weib ist es gestattet, die Milchkühe und überhaupt das Rind zu berühren, dies ist Sache der Männer, der Knaben wie des Mannes und Greises, so auch das Hüten derselben, während es bei der Hottentottenfamilie gestattet ist, daß diese Hausthiere auch von den Frauen gehütet werden.