[Bamangwatomädchen zur Boguera bekleidet.]
Der Hauptzweck dieser Ceremonie ist die Abhärtung der Jugend. Denselben Zweck verfolgt auch der dieser Ceremonie folgende und sich auch im nächsten Jahre wiederholende Jagdzug. Die zu einem Regiment Vereinigten theilen sich, von erfahrenen Jägern angeführt, in mehrere Haufen, um Antilopen, Gazellen etc., im folgenden Jahre Büffel, Elephanten etc. zu tödten. Auf dieser Jagd werden der Jugend alle möglichen Strapazen aufgelegt, ihr jede Erleichterung versagt, lange Märsche in wasserlosen Gegenden unternommen, der Zutritt zu dem Feuer in der oft bitterkalten Jahreszeit nur ausnahmsweise gestattet und sie überdies mit den Qualen des Hungers bekannt gemacht.
Der gemeine Betschuana bestimmt sein Alter nach der Boguera, d.h. er sagt, daß er zu dem oder jenem (bestimmt benannten) Regimente gehöre, oder er nennt eines oder zwei der wichtigsten Mitglieder desselben, z.B. des Oberbefehlshabers, die als »weise« angesehen, den Fragesteller vielleicht mit einer anderen Antwort befriedigen können.
In die Kategorie des eben betriebenen Gebrauches gehört auch nach Mackenzie die Tschwaragana moschwang, das Bündniß zwischen zwei Häuptlingen, das Gelübde der Treue, Freundschaft und des Vertrauens zwischen ihnen, z.B. dem Herrscher eines Landes und einem bei ihm als Gast oder Schützling weilenden Häuptling. Das Bündniß wird auf folgende Weise ceremoniell gefeiert. Ein Hausthier wird geschlachtet und der Magen aufgeschnitten, und nun tauchen beide Häuptlinge ihre Hände in seinen Inhalt und schütteln sich dann dieselben.
Zu diesen Gebräuchen gehört auch die Reinigung jener, die aus einem Kriege oder von einem Raubzuge heimkehren, die Reinigung ihrer Waffen und der Gefangenen wie der übrigen Beute, die sie aus dem Kriege mitbringen, die Reinigung aller Personen, die eine Leiche berühren oder berühren müssen, jene der Frauen nach Geburten, die ein bis drei Monate, je nach der Wohlhabenheit ihres Mannes (je wohlhabender desto länger) abgesondert leben müssen, ferner die Isolirung und Abschließung der Schwererkrankten. Die Reinigungen, die meist gegen Bezahlung von Seite der Linjaka's ausgeführt und von ihnen auch oft angeordnet werden, sind äußerst mannigfach. Dazu gehört z.B. das Abschaben der Wollhaare am Kopfe mit einem scharfen, kleinen Horn, Messer etc.
Am 16. Februar brachen wir endlich von Schoschong nach dem Maricodistrict auf. Jupiter grollte uns noch immer und sorgte für die ausgiebigste Erschwerung des Fortkommens auf dem völlig durchweichten, schlammigen Boden. An manchen Stellen stand das Wasser zwei Fuß hoch und auch an ein Ausweichen war bei dem dichten Baumwuchs auf der Strecke nicht zu denken. Die Gesammtstrecke von Schoschong bis zu dem Punkte, an welchem der Reisende den Limpopo auf seinem Zuge nach Südosten trifft, ist ein einziger Wald. Manche Stellen zeigten salzhaltigen Grund und auch Salzseen waren nicht selten. Der südlichere Theil an den Ufern des Sirorume ist etwas hügelig und hier ist der Wald tiefsandig. Zur Winterszeit hat diese drei Tagereisen beanspruchende Strecke nur an zwei Stellen Süßwasser.
Während der Fahrt am 17. beobachtete ich zum ersten Male ein hühnerartiges Federwild, welches in Süd-Afrika allgemein »det fasant« genannt wird. Ich hörte ein lautes, schrilles Gackern in einem dichten Niederbusch und bald darauf erschien der Schreier, ein bräunlicher Vogel, (Francolinus nudicollis) auf einem Baumstumpf. Er gehört zu den rebhuhnartigen Vögeln und ist über einen großen Theil der bewaldeten und bebuschten, wasserreichen Thalpartien der von mir besuchten Gegenden Süd-Afrika's verbreitet, auch in Süd-Central-Afrika sehr häufig. Paarweise oder in kleinen Ketten lebend, wacht der Hahn treu über das Wohl der Seinen, schreit bei jeder Gelegenheit, während des Scharrens, wenn er sich umsehen will, sich ein Feind nähert, oder wenn er Abends die Lagerstätte im gewohnten Busch oder Baum aufsucht. Durch sein Geschrei und weil er sich, wenn auch nur für wenige Momente, auf hervorragende Gegenstände setzt, wird er oft des Jägers Beute.
Am 18. passirten wir einen einige hundert Schritte langen, ellyptisch geformten, flachen, kaum zwei Fuß tiefen Salzsee, der mit einer stark salzhaltigen, milchigen Flüssigkeit gefüllt war. Nur an seinem nördlichen Ende ist in trockenen Jahren in Felsenlöchern Trinkwasser zu finden. Still lag die milchig-graue Fluth des todten See's von einem breiten, hellgrünen Rasenbande umsäumt in einer mäßigen Vertiefung des Waldes vor uns. Kein grüner Binsenhalm, kein Blatt der Seerose schaukelte sich darin. Hier waren es Bäume, die das sich sanft erhebende Ufer bekränzten, dort undurchdringliches Gebüsch, wo nur gebeugt und mühselig zwischen den Stämmchen die flüchtige Deukergazelle wandeln mochte—in den übrigen Uferpartien neigten sich von dem Niederwalde die kurzen schattigen, einer gemeinschaftlichen Wurzel mehrfach entsprossenen Akazienbäumchen herab und Blumen wucherten überall—daß der todte See in der Vertiefung einer duftenden bebuschten und bewaldeten Au begraben zu sein schien. Später nannte ich den Salzsee dem jetzigen, edlen Bamangwato-Könige zu Ehren »Khama's Salzsee« (Khama's Saltpan). Am Rande des See's fand ich Grünsteinstücke und Chalcedone, sowie an der nahen, dicht mit Dornbäumen bebuschten Bodenerhebung Quarzit und weiterhin Kalkfelsen vor. Zahlreiche Spuren deuteten auf die Anwesenheit kleinerer Gazellen, Gnu's, Zebra's und Giraffen, welche in den westlich und östlich nach dem Limpopo sich ausbreitenden bewaldeten Ebenen reichliche Weide finden.
Unter den Bäumen fiel mir namentlich einer auf, dessen vortreffliches Holz ich noch später kennen lernen sollte; es ist dies eine den Boers als Knopidorn bekannte und bis zu 50 Fuß Höhe meist gerade wachsende, selten gabelig verästelte Mimose. Die grau bis gelblichgraue Rinde ist mit ein bis zwei Zoll langen Auswüchsen versehen, welche an ihrer meist stumpfen Spitze hakenförmig gekrümmte, kleine und scharfe Dornen tragen. Ihr Holz wird als Bauholz, namentlich aber zu Wagnerarbeiten verwendet.
Nachmittags gelangte ich zu einigen Salzlachen, in denen ich zu meinem Erstaunen Fische—eine mir bekannte Species—äußerst verkümmert vorfand. Bei der Lage der Tümpel auf der Höhe des Hochplateau's läßt sich ihr hiesiges Vorkommen nicht anders erklären, als daß sie durch Vögel hieher übertragen worden waren. Der Abend überraschte uns in dem Thale des oberen Sirorume, dort, wo er sich über einige interessante Sandsteinbänke in ein offenes Thal Bahn bricht, um dann eine südliche, später eine Ostsüdost-Richtung nach dem Limpopo zu verfolgen. Als wir am nächsten Tage den tiefsandigen Wald, in dem inneren Bogen des Sirorume durchzogen, wurden wir vom Wagen aus auf eine Spur aufmerksam, welche durch das Gras führte; das hohe Gras schien wie mit einer zwei Meter breiten Walze niedergedrückt worden zu sein—die Stelle näher untersuchend fanden wir Elephantenspuren. Zwei nach dem Transvaal-Gebiete ziehende Bamangwato berichteten uns, daß diese Spuren von einer kleinen Heerde der großen, kleinzähnigen Elephanten herrührten, welche hier an der Grenze von Sekhomo's und Seschele's Gebiet »wechsle«. Es mußte jene Heerde sein, von der ich schon vernommen und die sich auch hier noch zwei Jahre aufhielt, bis sie von den Damara-Emigranten vernichtet wurde.