Vor uns in ziemlich geringer Entfernung wand sich das Thal des Sirorume, darüber hinaus nach Westen und Süden lag unabsehbar ein dichter Niederwald. Bald darauf stiegen wir zum zweiten Male in das Thal des Sirorume, von den Engländern the Brack reeds genannt, herab. Das Bett des Flusses ist hier meilenweit auf- und abwärts flach und ein einziges mit bohem Schilf bewachsenes Moor. Dreimal passirte ich diese Strecke und jedesmal fand ich die Gegend überraschend reich an der bekannten Buffadder. Alle unsere Mühe Trinkwasser zu finden war vergebens und so zwang mich die Wassernoth und der herabgeschmolzene Mehlvorrath weiterzureisen.
[Khama's Salzsee.]
Am 21. endlich stießen wir auf der Höhe des bewaldeten Plateau's auf eine jener unverhofft anzutreffenden Regenlachen, deren Vorkommen ich bereits bei der Schilderung meiner ersten Reise erwähnt habe.
Auf unserer Weiterfahrt am 18. hatten wir Gelegenheit, zwei Buffaddern, Puffotter (Vipera arietans), einen Meter lange, armdicke Exemplare mit herzförmigem Kopf und zwei sehr langen und stark gekrümmten Giftzähnen zu erlegen. Das Schuppenkleid dieser Schlangen variirt in der Farbe zwischen gelblich- bis dunkelbraun und ist schräg nach abwärts, abwechselnd hell und dunkel gebändert. Vom Meere bis zum Zambesi verbreitet, bewohnt sie unstreitig gewisse Striche häufiger als andere. So fand ich namentlich dicht bebuschte, besonders mit Dornbüschen bewachsene Partien dichter von dieser Schlange bevölkert. Eben diese Partien werden auch seltener von den Schlangenadlern aufgesucht. Die meisten Exemplare lagen träge am Rande von Gebüschen und Pfaden tellerförmig zusammengerollt. Ihre Trägheit und Unbeholfenheit ist merkwürdig—denn ich sah sie in Wasserlöchern liegen, aus denen sie sich nicht mehr emporwinden konnte. Ihrer stark nach rückwärts gekrümmten Giftzähne halber, kann die Buffadder nicht gleich den gewöhnlichen Species verwunden, sie muß vielmehr um dies zu thun, ihren Vorderkörper nach rückwärts krümmen, den Kopf senken und sich mit dem halben oder ganzen Körper auf ihr Opfer werfen. Dies vermag sie auf mehrere Fuß Entfernung hin und mir sind namentlich Beispiele dieses Angriffs aus der Cap-Colonie und Natal bekannt. Außer dieser finden wir noch eine zweite Eigenthümlichkeit, die mehrmals schon, und dies namentlich in der westlichen Cap-Colonie, beobachtet wurde und welche ich mir in folgender Weise zu erklären suche. Zufällig trifft hier ein Landmann, dort ein Jäger oder ein Hirt auf eine dieser Schlangen. Nicht ihr Anblick, sondern ein eigenthümlicher Ton, der zwischen Fauchen und Aechzen die Mitte hält, wird die Aufmerksamkeit desselben erregen. Diesem fauchenden Aechzen nachforschend, findet der Beobachter eine Buffadder vor sich, welche sich hin- und herwindet, hin- und herschlägt und sich wiederholt krümmt. Bei näherem Herantreten sieht er, daß der Leib des Thieres durchlöchert ist und aus diesen Oeffnungen sich die kleine Brut einen Weg nach Außen zu bahnen sucht. Jene, welche dies beobachtet, waren und sind der Ansicht, daß die »Brut« auf diese Weise zur Welt gebracht wurde, d.h. daß sie sich selbst aus dem Mutterleibe herausfresse; ich konnte dieser Ansicht nicht beipflichten und wurde darin später durch den Bericht eines gebildeten Augenzeugen bestärkt. Unter den Schlangen, die ich in Süd-Afrika kennen gelernt, ist die Buffadder durch die Anhänglichkeit an ihre Brut wohlbekannt. Bei Gefahr, die sie außerhalb ihres Schlupfwinkels überrascht, bläst sie sich auf und droht dem Feinde mit weit aufgesperrtem Rachen. Dabei geschieht es nun—doch bleibt es mir ein Räthsel, ob das Thier dies absichtlich thut oder nicht—daß ein Theil der herumschlängelnden über und unter der Mutter hingleitenden, sich an sie schmiegenden Brut in dem weiten Rachen verschwindet. Die Mutter bläst sich noch mehr auf, wobei die Jungen bald darauf sich gewaltsam einen Ausweg nach außen bahnen, nachdem ihnen zum Theile oder insgesammt vielleicht durch das Schließen der Kinnladen der Mutter der natürliche Ausweg benommen wurde.
Von den Buffadder-Höhen am Unterlaufe des Sirorume herabfahrend, kamen wir in das Thal des Limpopo (auch Ouri und Krokodil-River genannt); die hügelige Gegend am linken Ufer desselben geht nach Westen in ein bewaldetes Hochplateau über, während das rechte und flache theils bewaldete, theils prairienartige Ebenen besäumt. Das Bett des 12-30 Meter breiten Flusses ist sandig, das Ufer steil geböscht und mit undurchdringlichem Gebüsch oder mit hohem Gras bewachsen. Am Ufer fand ich häufig Krokodil-, sowie einige Flußpferdspuren, an den freieren und lehmigen Uferstellen Löwen- und Leopardenspuren und in dem anliegenden Walde konnten wir folgende Wildarten theils beobachten, theils deren Anwesenheit an den frischen Spuren erkennen: Kudu's, Roenantilopen, Wasserböcke, Buschböcke, Hartebeeste, Gnu's, Giraffen und Zebra's.
Wir waren noch nicht weit das Limpopothal nach aufwärts gefahren, als wir erstaunt ein Gefährte vor uns erblickten. Es war ein mit Mehl schwer beladener Wagen, Eigenthum eines Baharutse in Linokana, der den Ertrag seiner Felder nach Schoschong bringen wollte, um ihn da an die Händler oder an die Bamangwato's zu verkaufen. Ein auf südafrikanischen Wegen häufiger Unfall, ein Achsenbruch, nöthigte dem armen Manne an dieser Stelle einen unfreiwilligen, dreiwöchentlichen Aufenthalt auf, denn so lange währte es, bis seine Diener aus Linokana Ersatz herbeischaffen konnten.
Am 22. langten wir an der Mündung des Notuany, eines im westlichen Maricodistrict des Transvaal-Gebietes entspringenden, nur nach heftigem Regen und selbst dann nur stellenweise fließenden etwa 150 engl. Meilen langen Flusses an. Sein Bett ist tief, grubenförmig, und an seinen bewaldeten Ufern finden sich hie und da große, stets wasserhaltende Lachen, welche zahlreiche Fische und oft auch Krokodile beherbergen. Zur Zeit unseres Besuches floß der aus Westen zahlreiche Sand-River aufnehmende Notuany, und da seine Mündung stark verschilft war, dachten wir, daß die Saurier nicht über Land in den Fluß gelangen könnten und gönnten uns an der ziemlich tiefen Furth die Wohlthat eines Bades.
In dem südlichen Winkel der Notuany-Mündung finden wir, wie an mehreren anderen Stellen im Limpopothale, ein »Dornfeld«, d.h. eine umfangreiche ebene und humusreiche Strecke, die mit bis sechs Fuß hohen Acacia horrida-Gebüschen bewachsen ist. Es sind dies Strecken, deren Bodengattung das Herz eines europäischen Landwirthes erfreuen müßten, die hier aber lange Jahre noch brach liegen werden. Auf meinen Ausflügen während des zweitägigen Aufenthaltes am Notuany schoß ich einen grauen Uhu und einen Aasgeier. Thier- und Pflanzenleben boten mir reichlichen Stoff zu den interessantesten Studien.