Im Jahre 1870 hatte einer der Schoschonger Händler zwei Wägen unter der Oberaufsicht von drei Colonial-Halbcastmännern und eines ihnen untergeordneten Bamangwato-Dieners nach Zeerust gesendet. Eine ihrer Raststellen war an der Furth des Notuany-Flusses. Da es die Wagenführer für gut fanden, in der Tageshitze nicht zu reisen, so betrug die Rast mehrere Stunden, welche Zeit sich einer der Halbcast mit einem Ausflug verkürzen wollte und zu diesem Zwecke von einer Meute Hunde gefolgt auf die Jagd zog. Längs des Ufers vordringend, sah er sich bald von seinen vierfüßigen Freunden verlassen, die eine Wildspur aufgenommen zu haben und ihr nun kläffend zu folgen schienen. Er achtete anfangs nicht darauf, als es ihm jedoch däuchte, daß sie mit vereinten Kräften auf eine bestimmte Stelle anschlugen, nahm er diese Richtung auf und näherte sich vorsichtig derselben. Dichtes Gebüsch, hie und da ein Baum und hochbegraste Lichtungen bildeten die Scenerie seiner nächsten Umgebung.
[Löwe von Hunden umringt.]
Je deutlicher das Gebell ihm entgegendrang, um so rüstiger schritt er darauf los und sah sich nach einer Viertelstunde einem seltsamen Schauspiele gegenüber. Von der kläffenden Meute umringt, saß einige Schritte vor ihm ein ausgewachsener, dunkel bemähnter Löwe, der seinen mächtigen Schädel bald nach dieser, bald nach jener Seite wendete und dem das heisere Kriegsgeschrei der Hunde kein besonderes Vergnügen zu bereiten schien. Der Jäger schlich sich gedeckt durch einen Busch, bis auf 50 Schritte heran und konnte nun das Zähnefletschen des Löwen sehen und sein dumpfes Brummen vernehmen. Der Mann legte an, doch in dem Augenblicke als er losdrücken will, springt der größte der Hunde, der in Schoschong als ein Hyänenwürger bekannt war, vorwärts, um den König des Waldes zu fassen. Das arme Thier büßte seinen Muth mit dem Tode, ein blitzschneller Hieb mit der Pratze schlug ihn nieder. Seine Brust und der Unterleib zeigten eine klaffende Wunde, aus der die Eingeweide hingen. Nach allen Seiten stoben daraufhin die Hunde auseinander, auch des Schützen Hand zitterte fühlbar und er mußte niederknieen, und mit aller Kraft das Gewehr an die Schulter und Wange pressen, um einen sicheren Schuß zu erzielen. Der Löwe war aufgestanden und beschnupperte sein zuckendes Opfer—da traf ihn die Kugel, wie eingegossen saß sie unter dem Blatte in der Brust und der königliche Räuber fiel auf derselben Stelle, an der er seinen verwegenen Angreifer getödtet hatte.
Am 24., als wir uns der Marico-Mündung näherten und einige der hier zahlreichen den Weg kreuzenden, nach dem Limpopo zu führenden engen Regenschluchten passirten, brach die in Schoschong gezimmerte Achse, doch gelang es dieselbe noch so weit herzustellen, daß sie bis zur nächsten Transvaal-Farm Dienste leistete. Am folgenden Tage hatte ich Gelegenheit, zwei Heerden der schönen, im Buschlande in den Wäldern nördlich vom Molapo bis in's centrale Afrika wohnenden, hier an Häufigkeit den südlichen Bläßbock der Grasebenen vertretenden Pallah's zu treffen. Unsere Weiterfahrt war durch anhaltende Regen gehindert und da wir noch immer in der Niederung des Limpopo und später jener des Maricothales aufwärts zogen und es in den letzten Wochen hier ebenso stark wie in Schoschong geregnet haben mußte, so reisten wir fast die Hälfte der Strecke hindurch durch Wasserlachen und Sumpfland, ohne selbst zu unserem Nachtlager eine trockene Stelle ausfindig machen zu können.
Auf einer großen Wiesenfläche zu unserer Linken (am linken Maricoufer) wurden wir auf der Morgenfahrt des 26. von einem seltenen Anblick überrascht. Mehr denn die Hälfte der Au, einige hundert Schritte im Gevierte messend, glich einem einzigen feuerrothen Teppich, ringsum von dem üppigen Grün der Wiesenflur und dem dunklen Grün der Mimosen-Büsche und Bäume umrahmt. Dieses herrliche Bild war durch blühende Aloën hervorgerufen, welche aus dem Kranze ihrer fleischigen und bedornten Blätter, die bis drei und vier Fuß hohen, oben armleuchterförmig verästelten Aehrenblüthen tragenden Stengel emporhoben. In den dichteren Büschen beobachtete ich manche derselben mit einer schön schwefelgelbblüthigen Schlingpflanze überladen.
Die Anstrengungen der Reise, die Fieberluft der durchzogenen Gegenden und die feuchten Nachtlager der letzten Tage blieben nicht ohne Folgen für meine Gesundheit, am 28. hatte sich mein Zustand derart verschlimmert, daß wir die Reise unterbrechen mußten. Die allgemeine Abspannung hatte in einem solchen Grade zugenommen, daß ich nicht im Stande war, vom Wagen herabzuklimmen, sondern von den Gefährten heruntergehoben werden mußte. Nach 1½ Stunden trat heftiges Erbrechen ein, der Kopf schien mir centnerschwer, und ich war unfähig, auf die Fragen der mich bestürmenden Freunde zu antworten. Allmälig schwand die Kraft der Sinne und ich verfiel in ein zweistündiges Delirium, aus dem ich auf einen Moment—Dank der Hilfe meiner Gefährten—erwachte. Die drei Männer knieten an meiner Seite und frottirten mich mit kühlem Wasser. Freund E. schluchzte laut und F. lief wie sinnlos umher. Nur nach der aufopfernden Pflege des um mich besorgten Freundes Eberwald, und nachdem ich mir, des heftigen Blutandranges zum Kopfe halber, mit Noth zur Ader gelassen hatte, trat eine merkliche Besserung ein. Die rührende Sorgfalt und Theilnahme Eberwalds zeigte sich mir bei dieser Gelegenheit im schönsten Lichte und machte mir den Freund um so werther. Das eiserne Gebot der Notwendigkeit, die afrikanische Natur, hatten indeß den besten Einfluß auf meine Genesung, am dritten Tage war ich wieder so weit hergestellt, daß wir die Reise fortsetzen konnten.
Am 3. verließen wir das eigentliche Thal des Marico[[1]] überschritten den Sattel und kamen in einen nur nach dem Marico zu offenen Kessel, der von dem Betschuanaspruit durchkreuzt, im Süden von der interessanten Gruppe der Berthahöhen gebildet wird. An ihren südwestlichen Ausläufern liegt Tschune-Tschune (engl. Tshwene-Tshwene), die Stadt der unter dem Häuptling Matlapin stehenden Batloka, die auf dem Gebiete Seschele's liegt, das von der Sirorume-Mündung bis an die Dwarsberge reicht. In dem Niederwald im Kessel, namentlich gegen Tschune-Tschune, fand ich den Morula-Baum mit reifen Früchten.
[1] Ich beobachtete am Marico-Ufer Granit- und Gneisfelsen mit aufsteigenden mächtigen Quarzadern, die von großen Goldglimmerplättchen durchzogen waren.