Am 4. trafen wir im Weichbilde der Stadt ein. Die Stadt selbst war ziemlich reinlich gehalten. Die Gehöfte und Hütten waren größer und geräumiger als jene der meisten Betschuana's und hie und da von Gärtchen umgeben. Auf den Feldern stand nur noch hie und da etwas Korn, Mais und Kafirzuckerrohr. Ich hielt vor der Stadt, da mir von Batloka's bedeutet wurde, daß der Morena betrunken sei und es in der Stadt lustig hergehe. Von dem Hochplateau, aus dem sich der letztgenannte Höhencomplex erhebt, herabsteigend, fanden wir an dem Abfall desselben in dem harten grauen Kalksteinfelsen mehrere tiefe Löcher, welche kühles Quellwasser enthielten. Von diesen Quellen bot sich uns ein überraschender Anblick. Vor uns lag ein mehrere Meilen breites, leicht bewaldetes Thal, das sich gegen Osten nach dem Marico zog und im Süden von einem langen bebuschten und bewaldeten, zahllose Kuppen aufweisenden Höhenzuge, den Dwarsbergen, begrenzt war. Jenseits derselben lag bereits das Gebiet der Transvaal-Republik. Den Paß, über den ich die Dwarsberge am 6. überschritt, nannte ich Schweinfurths-, den nächsten westlichen Rohlfs-Paß. Von der Sattelhöhe desselben erblickten wir auf einer namentlich nach Osten gegen den Marico sich ausbreitenden Ebene die erste Farm. Am jenseitigen Fuße der Höhen begegneten wir einem nach dem Damaralande auswandernden Boer.

Auf der Farm Brackfontein angelangt, entdeckte ich zu meiner freudigsten Ueberraschung, daß der Eigenthümer ein Schmied war, und ich nun die Schäden an meinem Wagen ausbessern lassen konnte. Der Einladung seiner beiden Söhne, sie auf die Jagd zu begleiten, konnte ich mit Rücksicht auf meine Reconvalescenz nicht folgen, obwohl der Reichthum der Gegend an Wild verlockend war. In den dichter bebuschten Partien an den Dwarsbergen gab es Gazellen und Kudu-Antilopen, in den leicht bewaldeten Partien an ihrem Fuße und auf den Grasebenen nach Osten und Süden Heerden der beiden Gnu-Arten, Zebras, Springböcke und zuweilen wurden auch Säbel-Antilopen und Strauße sichtbar. Fourier, der Farmer, erwähnte auch, daß Löwen zur Winterszeit die Gegend beunruhigen und erzählte mir mehrere Jagdabenteuer, von welchen ich eines hier anführen will, das er und seine benachbarten Farmer im Maschonalande erlebten.

[Elephant und Boer.]

Auf einem gemeinschaftlich unternommenen Jagdausfluge im Gebiete der Tsetsefliege hatten dieselben eine Elephantenheerde aufgespürt; da sich die Spuren plötzlich theilten, folgte Fourier mit seinen Matabele-Dienern den zahlreicheren, während sein Freund die riesige eines männlichen Thieres aufnahm. Er war auch der erste, der seiner Beute nach einem halbstündigem Marsche ansichtig wurde. Fourier hörte auch dessen Schuß und kehrte, nachdem sein Bemühen, die Heerde aufzufinden, erfolglos war, zu seinem Freunde zurück, er fand ihn, doch nur als Leiche, wieder. Auf den Boden gestreckt, sein Gesicht mit Blut befleckt, das aus Mund, Nase und den Ohren floß. Vor ihm lag sein Gewehr[[1]] mit geborstenem Kolben und etwa 30 Schritte in gleicher Richtung unter einem Baume der Cadaver eines großen männlichen Elephanten. Während der Erzählung des Farmers hatte ich eines der riesigen, unbeholfenen und schweren, stark verrosteten Vierpfünder in die Hand genommen, die Innenfläche (Backenfläche) war mit Schafwolle ausgefüttert und mit einer weichen Haut überzogen.

[1] Das Gewehr, von ¼pfündigem Kaliber, wird, da vier Kugeln auf ein Pfund gehen, von den Boers Vierpfünder genannt.

Von Brackfontein wandte ich mich am 12. nach Süden, um—das sogenannte »Bushveldt« (Buschfeld) durchkreuzend—die in dem eigentlichen Marico-Höhennetze liegende Eingebornenstadt Linokana aufzusuchen.

Ohne vorläufig auf eine nähere Beschreibung des Bushveldts einzugehen, will ich hier nur erwähnen, daß es von einem bewaldeten Hügelland gebildet wird, das zahlreiche mit den Dwarsbergen zusammenhängende, niedere Kämme, sandige Bodenerhebungen, isolirte Hügel und zahlreiche Thäler aufweist und dessen Boden mit üppigem Grase bewachsen ist. Bevor ich es durch den Buyspaß (Buysport) verließ, berührte ich die Farmen Markfontein, Sandfontein, Witfontein. Der Eigenthühmer der erstgenannten, Zwart, hatte die ziemlich umfangreiche, große Farm um 300 £ St. erstanden. Auch Zwart war ein alter Elephantenjäger und hatte das Damaraland und die Zambesi-Fälle auf seinen Streifzügen besucht. In Sandfontein wohnte in einem Hartebeest-Häuschen ein Holländer, der für Herrn Taylor, den Kaufmann bei Seschele, die Verfrachtung der Waaren besorgte. Wir wurden von ihm und seiner freundlichen, alten Mutter, trotzdem daß er hier nur mit den Seinen periodisch einige Tage im Monat wohnte, auf das Beste bewirthet.