[Buysport, Felsenthor im Bushveldt.]

Abends erreichten wir den erwähnten Buysport (Paß) und überschritten ihn am folgenden Tage (15. März). Der Buyspaß gehört zu den anziehendsten Partien des Marico-Höhennetzes. Ein Spruit, der in kleinen, tiefen Lachen das ganze Jahr hindurch Wasser in seinem felsigen Bette birgt, muß einigemal gekreuzt werden, und wenn auch das Fortkommen dadurch sehr erschwert wird und die größte Vorsicht erheischt, so bietet sich dem Auge in dem bald von bewaldeten, bald schroff abfallenden oder stufenförmigen Felsenblöcken eingeengten Flußthale ein so pittoreskes und schönes Bild dar, daß man die Mühen der Reise durch den Paß nicht scheut, und dies um so mehr, als der Naturfreund sich reichlich belohnt findet.

[Baharutse Wasser schöpfend.]

Buschböcke, Roibock-Gazellen, Klippspringer, Paviane und Meerkatzen gehören nebst kleineren katzenartigen Raubthieren und dem Hyrax zu den gewöhnlicheren Erscheinungen unter den größeren Vierfüßlern, doch trifft man auch zuweilen Leoparden, Luchse und Kudu's. Der Reichthum an Vögeln, Schlangen, Insecten und Pflanzen ist überraschend. Nebst dem schon hie und da erwähnten Wildgeflügel—mit Ausnahme der Trappen und der trappenähnlichen Otis—fand ich Wachteln, zwei mir neue Drosselarten, einen Wendehals, zwei Mandelkrähen-Arten etc.

Das Hochplateau, das wir nach Passirung des Passes betraten, war ein herrliches Wiesenland und von zahlreichen bebauten Flächen bedeckt, nach Westen und Osten senkt es sich zu den Notuany- und Zeerust-Höhen herab. Diese Höhen einige Meilen in südwestlicher Richtung herabfahrend, kamen wir in das Thal des obern Notuany, das von dem unmittelbar vor uns einmündenden Matebethal durch einen Höhenzug theilweise getrennt und zur Hälfte seiner Ausdehnung bebaut war. Diese Felder bildeten das Wahrzeichen Linokana's, einer Baharutsestadt, von deren blühendem Ackerbau ich schon in Moschaneng, Molopolole und an anderen Orten vernommen hatte. Der Notuany, den wir einige Meilen oberhalb seiner Quellen überschritten, floß in einem grabenförmigen Bette und war mit einigen Holzstämmen neu nothdürftig überbrückt, über welchen höchst primitiven und gefährlichen Bau wir den Wagen übersetzen mußten. Wir fuhren in das Thal des Matebeflüßchens und kamen bald in den Thalkessel von Linokana, in dessen Mitte, sowie an dessen nördlichem und östlichem Rande der Höhen die gleichnamige Eingebornenstadt erbaut ist.

In den zahlreichen Schilfrohrdickichten am Matebeflüßchen macht sich eine reiche Thierwelt bemerklich. Der Abend und der Morgen sind die Zeiten, an denen wir ihrem Treiben lauschen, die graue Wildkatze im Beschleichen der Schnepfen und der langschwänzigen Capfinken, den Wasserleguan und seltener auch den Caracal beobachten können, den letzteren doch nur dann, wenn es ihm in seinem Felsengeklüfte an Nahrung gebricht und er sich gezwungen sieht, in das Thal herabzusteigen, wo ihm dann die Schilfrohrdickichte reiche Beute und einen sicheren Schlupfwinkel bieten.

Gleich beim Betreten des östlichen Thalkessels fällt uns neben den wohlbebauten Feldern eine dichte Baumgruppe am nördlichen Ende der Stadt auf, aus welcher Baumgruppe sich namentlich einige schlanke und weithin sichtbare Eucalyptus-Bäume[[1]] bemerkbar machen. Sie beschatten mehrere im europäischen Style erbaute Häuschen, die einem freundlichen und zuvorkommenden Manne als Wohnstätte dienten, der mit seinem Beispiele so wohlthätig auf die Baharutse eingewirkt hat, daß diese jetzt unter den Transvaal-Betschuana's die bedeutenden Ackerbauer und wohl auch die wohlhabendsten sind. Thomas Jensen ist der Name dieses Missionärs, ein Mitglied der Hermannsburger Missionsgesellschaft; er nahm uns freundlich auf, führte mich zum Häuptling Moilo (oder Moiloa) und zu den anderen an den Bergen wohnenden Häuptlingen, Tschukuru etc. Moiloa war eine hohe Greisengestalt, freundlich, obgleich mit harten Gesichtszügen, er war ein treuer Unterthan der Transvaal-Republik, besorgt um das Wohl seiner Unterthanen und überragte in mehrfacher Hinsicht die Herrscher der Nachbarreiche. Er stellte mir seine Söhne vor, von denen er keinen der Nachfolge auf den Thron fähig bezeichnete, übrigens war der in Moschaneng lebende Sohn eines verstorbenen Verwandten, als Ursprosse des alten Königshauses aller Betschuana's, der Baharutse in Linokana, der rechtmäßige zukünftige Häuptling.