[Tschukuru, Häuptling der Baharutse.]
Zeerust liegt am kleinen Marico, der sich nach Osten durch die Höhen Bahn bricht, um sich mit dem großen Marico zu vereinigen. Der Marico-District ist zum größten Theile ein von zahlreichen fließenden Bächlein und Flüßchen durchzogenes und äußerst fruchtbare Thäler besitzendes Höhenland, das auch verhältnißmäßig besser als die meisten übrigen Transvaal-Districte angebaut ist. Ein Theil ist mit einem Mimosen- und anderem Niederwald bedeckt und in seiner Gesammtheit ein gutes Weideland für Pferde und Rinder. Die Farmen stehen hier auch dichter und wir sehen die Gartencultur ziemlich schwunghaft betrieben, daß wir jedoch trotz Allem die Wohlhabenheit nur auf gewisse Farmen concentrirt fanden, rührt daher, daß sich die Besitzer der meisten derselben der Elephantenjagd ergeben hatten und dabei die Erträgnisse des fruchtbaren Bodens an dieses so beschwerdenreiche Vergnügen vergeudeten. Das von den Betschuana-Königen erlassene Jagdverbot wird diese Jäger zwingen, daheim bei ihren Pflügen zu bleiben, was ihre materielle Lage heben und in einigen Jahren dem Reisenden nur ein Bild allgemeiner Wohlhabenheit im Marico-District bieten wird.
Am 19. verließ ich Zeerust im Thale des kleinen Marico aufwärts nach Süden. Nachdem wir eine Anzahl von Farmen, die theils im Thale und in den Seitenthälern, theils an den Abhängen liegen und Quarifontein, Quaggafontein, Kafirkraal, Graffel und Deukfontein etc. heißen, passirt hatten, gelangten wir auf das Hooge-Veldt (Hohe Feld), eine der größten Grasebenen des südafrikanischen Hochplateaus. Im Osten waren die Zwart-Ruggens (schwarzen Höhenrücken) sichtbar. Die wildreiche Ebene ist der östliche Theil der zwischen dem Molapo- und dem Hart-River liegenden Wildebenen jenes Hochlandes, in dem der Hart-River, der Molapo und der Marico mit vielen ihrer Nebenflüsse entspringen und denen der bei Wonderfontein beschriebene und sonst oft erwähnte graue Transvaal-Kalkstein als Grundlage dient. Auf diesem Hochplateau, dem östlichen Theil des Hooge-Veldt, stießen wir blos auf zwei Farmen, Pit- und Witfontein, welche in kleinen Vertiefungen lagen, die nach dem Hart-River zu führen schienen.
Auf einer der Farmen klagte mir der Eigenthümer über die Dreistigkeit der Hyänen. Eine solche war einige Wochen zuvor Abends, als der Eigenthümer in der Stube saß, in dieselbe eingedrungen. Der Mann, der eben eine holländische Zeitung las, dachte, es sei ein Hund, als ihn sein unter dem Tische liegender Hund, der auf den frechen Eindringling lossprang, eines Anderen belehrte. Auf Pitfontein fanden wir Löwenspuren und die Söhne des Farmers erzählten uns, daß eine der in dem umzäunten Felde arbeitenden Barolong-Dienerinnen zwei Tage zuvor, Früh am Morgen einen Löwen gesehen hätte. Auch war am selben Tage eines ihrer Kälber im »veldt« (auf der Ebene) von einem Löwen getödtet gefunden worden. Nach diesen Mittheilungen zu schließen, mußten es Löwen vom Maretsane- und Konanaspruit gewesen sein, welche vom Westen her ähnliche Besuche diesen Farmen und den wildreichen Ebenen abzustatten pflegten.
Auf Witfontein klagte man über die Unverschämtheit eines Mannes, der in Potschefstroom wohne und zeitweilig das Land bereise, um unter dem Vorwande, neue Quellen aufzufinden, den Bauern schweres Geld ablocke. Nach der Beschreibung der Leute hatten wir dem Mann begegnet, als wir eben das Hochplateau betraten. Es war ein verschmitzt aussehender Alter, das Prototyp eines echten Transvaal-Raubritters, mit einem hoffnungsvollen Sprossen und einem Betschuana, der den zweirädrigen von zwei Ochsen gezogenen Karren lenkte.
Am 22. März begannen wir allmälig herabzusteigen und betraten das Thal des Makoksspruit, an dem Makoks-(Eingebornen-)Kraal liegt. Im Thale fand ich eine Farm und in dem Farmer den Verwandten eines Mannes, den ich in den Diamantenfeldern behandelt. Obgleich sehr verarmt, bemühten sich die Leute uns zu bewirthen. Am folgenden Tage erreichten wir das Thal des oberen Schoenspruit, der reichlich floß und in dessem Thale sich eine Farm an die andere reihte. Zwischen dem Schoenspruit und Potschefstroom hatten wir mehrere flache Höhenrücken zu überschreiten, welche südwestliche Ausläufer des Hooge-Veldts sind und die Moi-River und Schoen-Zuflüsse begleiten.
Unter den in meinem Tagebuche verzeichneten Löwenjagden finde ich einige, welche sich auf dem Terrain zwischen Zeerust und Potschefstroom abspielten. Die interessanteste derselben, welche mir in dem Urwalde des östlichen Bamangwatolandes von dem im Jakobsdaler District ansässigen Elephantenjäger David Jakobs mitgetheilt wurde, will ich hier wiedererzählen.
Im Jahre 1863, während der in der Transvaal-Republik herrschenden Unruhen hatten sich auch die Bewohner des Marico-Districtes an denselben betheiligt und so war ein Haufen der Farmer zu Pferde nach Potschefstroom abgezogen. Unter diesen befanden sich die zwei berühmten Elephantenjäger J.W. van Viljoen und Pit Jakobs, dann der Erzähler und 17 andere Boers. Auf ihrem Wege dahin waren sie bis zu Makoks-Kraal gekommen, als unweit desselben die Reiter nahe am Wege eine ausgewachsene Löwin im hohen Grase liegen sahen. Viljoen, ein Löwenjäger à la Gordon leitete den sofortigen Angriff ein und die übrigen, seine Erfahrenheit in diesen Dingen wohl kennend, fügten sich willig. Er ließ absatteln, die Pferde mit den Zügeln aneinander binden und dann die Männer mit ihren Gewehren eine Stellung zwischen dem Raubthiere und den Pferden einnehmen, in dieser waren sie etwa 100 Schritte von demselben entfernt. Viljoen erlaubte sich bei solchen Gelegenheiten immer einen Spaß; so oft er mit Jemandem jagte und dabei zufällig einem Löwen begegnete, stellte er immer den Muth seines oder seiner Begleiter auf die Probe. Van Viljoen, der seitlich von seinen Begleitern stand, benützte den Moment, wo deren Augen auf die Pferde gerichtet waren, um sich nach der Löwin zu wenden, und um sie herauszufordern, eine Kugel über sie hinwegfliegen zu lassen. Seine Absicht gelang vollkommen. Die Löwin kam zähnefletschend bedächtig herangeschritten. Auf 40 Schritte Entfernung traf sie der Schuß eines der Jäger am Ohr und nun kam sie rascher heran. Als das Raubthier die Entfernung schon um 20 Meter verkürzt hatte, geriethen die Männer in's Schwanken—Viljoen stand ruhig etwa 18 Meter von dem Thiere entfernt und fixirte bald das Thier, bald die auf dasselbe gerichteten Mündungen der Gewehre seiner Genossen—da blitzte es auf, sechs Schüsse fielen und die Löwin that keinen Schritt näher—fünf Kugeln waren ihr in die Brust gedrungen.
»Nun, da haben sich Deine Freunde wacker gehalten,« sagte ich zu David Jakobs.
»Nun, es war nicht so arg mit ihnen, denn als die Löwin näher kam, kehrten sich einige von ihnen nach den Pferden um, d.h. sie wollten sich empfehlen, allein die Pferde, welche die Löwin gewittert, hatten sich ängstlich aneinander gepreßt und waren um volle 20 Schritte zurückgewichen, so mußten die Genossen bleiben, die Löwin hätte ihnen den Rückzug abgeschnitten.