So war ich denn zum dritten Male in Dutoitspan angelangt, gleich wie nach meiner ersten Ankunft in den trostlosesten pecuniären Verhältnissen. Gleich am Tage nach meiner Ankunft wurde mir von einem Attorney (Notar) das Good for zur Zahlung präsentirt, das ich vor der Abreise für den später entlaufenen M. gegeben und hatte bald darauf den weiteren Betrag von 117 £ St. zu bezahlen. So mußte ich denn die meisten Carossen und Straußenfedern sowie meinen Wagen und Gespann um jeden Preis losschlagen. Auch in anderer Hinsicht hatte ich mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen, umsomehr, als es länger denn einen Monat währte, bis ich mir wieder eine nennenswerthe Praxis verschafft hatte.
Ich miethete mir in einer der Nebenstraßen Dutoitspans ein aus Lehm aufgeführtes, aus einem Zimmer bestehendes, mit galvanisirtem Eisenblech gedecktes Häuschen, dem eine aus gleichem Material errichtete Bude angebaut war, zu welchem auch ein Hof mit einem Brunnen und ein nach zwei Seiten hin offener Pferdestall gehörte und bezahlte für diese weitläufigen Appartements 5 £ St. monatliche Miethe. Im Juni hatte ich mir wieder eine ansehnliche Praxis erworben und war genöthigt, mir ein Reitpferd, einen Monat später zwei Ponnies zu einem Cabriolet anzuschaffen. In den Wintermonaten des Jahres 1874 gab es eine böse Zeit für die Central-Diggings, die Masern waren ausgebrochen, 40 Visiten täglich waren mehrere Wochen hindurch an der Tagesordnung, manche Woche stieg die Zahl derselben auf 52.
Mit dem Aufblühen meiner Praxis begannen bei mir auch schon die Vorbereitungen zu meiner dritten und großen Reise. Ich schaffte mir einen neuen Wagen und zehn ausgesuchte, kräftige Zugthiere an; von allen Seiten trugen sich mir Begleiter an, doch diesmal hatte ich es mir vorgenommen, mit der größten Vorsicht meine Auswahl zu treffen.
Eine große Erleichterung während meines dritten Aufenthaltes in den Central-Diggings erfuhr ich durch meinen Cap'schen Halfcast-Diener mit Namen Jan van Stahl, der englisch und holländisch schreiben konnte, es auch bald begriff, mir die Medikamente bereiten zu helfen und überdies ein ausgezeichneter Eincassierer war. In einem der vielen Kaufläden lernte ich einen jungen Commis kennen, der mir seine Berufsgenossen an Bildung zu überragen schien und auch sonst ein einnehmendes Wesen hatte. Ich machte ihm daher, als ich mich seines Charakters versichert hielt, den Antrag, mit mir zu gehen, und einen Monat darauf kam er auch thatsächlich zu mir, da sein Brodherr das Geschäft aufgegeben hatte. Theunissen, so hieß mein neuer Gefährte, wurde bald mein Freund, und obwohl wir über ein Jahr bei einander wohnten und lebten, hatte ich mich nicht eher ernstlich über ihn zu beklagen, als am Zambesi, woselbst er mich im Stiche ließ, da er der ihm vom Fieber drohenden Gefahr entgehen wollte. In Dutoitspan hatte er sich bald in das Zubereiten der Medicamente gefunden und da er eine ziemlich gute Kenntniß der Landwirthschaft besaß, war mir oft sein Rath, namentlich was die Wahl der Zugthiere etc. betraf, von nicht unerheblichem Nutzen. Der Diener van Stahl hatte keine Lust mit in's Innere zu reisen—die Löwen waren ihm zu schreckliche Gestalten—dagegen entschloß sich der Hirte Pit Dreyer mitzugehen.
Vor und während der Zeit meines dritten Aufenthaltes hatten die Verhältnisse in den Diamantenfeldern einen großen Umschwung erfahren. Mehr denn ein Viertel der einstigen weißen Bevölkerung hatte sie verlassen, war nach der Colonie, nach dem Oranje-Freistaat (ihrer früheren Heimat), nach Europa etc. zurückgekehrt oder nach den Transvaaler Goldfeldern ausgewandert. Man begann namentlich in Kimberley größere Sorgfalt auf die eisernen und hölzernen Wohnungen zu verwenden. Doch zeigte sich ein guter Theil der Bevölkerung mit dem ersten Gouverneur der Provinz unzufrieden, welche Mißstimmung während meiner dritten Reise zu einer Revolte ausartete. Die Diamanten waren im Preise seit dem Jahre 1872 gesunken, da aber dies nicht mit den Claims der Fall war, verwendete man größere Capitalien und bessere Maschinerien, um der Edelsteine habhaft zu werden.
[Mein Wohnhaus in Dutoitspan.]
Vor dem Antritte meiner dritten Reise begab ich mich im November 1874 nach dem Vaal-River und schlug hier, Delportshope und der Hart-Rivermündung gegenüber, zu meiner Erholung für 14 Tage mein Lager auf. Kleine Jagdausflüge und das Sammeln naturhistorischer Objecte füllten diese Tage bald aus.