Die Diamantenfelder Süd-Afrika's liegen zum überwiegenden Theile in der englischen Provinz Griqualand-West,[[1]] ein Landstrich, der mit der Entdeckung seiner unterirdischen Schätze zum Zankapfel aller eingebornen Fürsten wurde. Der Griquakönig Waterboer, die Batlapinenhäuptlinge Jantje und Gassibone, sie alle stritten sieh um den Alleinbesitz, obschon jeder von ihnen nur einen Theil des Gebietes sein Eigen nannte; Waterboer besaß die Hauptmasse des Landes, zu beiden Seiten des unteren Vaal- und Modder-Rivers, Jantje den nördlichen Theil an der Hart-Rivermündung, Gassibone den nordöstlichen zwischen dem Vaal- und Hart-River und die Koranna das Thal des Vaalflusses von Fourteen stream bis zur Einmündung des Hart-Rivers.
[1] Die gegenwärtige Provinz Griqualand-West ist in drei Districte getheilt; einen nördlichen, am mittleren Vaal und am unteren Hart-River, das frühere Gebiet der westlichen Koranna's und jenes des Batlapinenfürsten Jantje in sich begreifend und »the Division of Barkly« (zu Ehren des früheren Gouverneurs der Cap-Colonie Sir Henry Barkly) genannt, einen mittleren District am linken Vaalufer zwischen dem südwestlichen und dem obengenannten gelegen, »the Division of Kimberley« (zu Ehren des gewesenen englischen Colonial-Ministers) genannt und einen südwestlichen an der Vereinigung des Vaal- und Oranje-Rivers gelegen »the Division of Hay« (zu Ehren des Generals gleichen Namens). Dieser war Waterboer's Stammland. Sein Hauptort, in welchen die Hauptmacht der westlichen Griqua's concentrirt ist, hieß früher Griqua-Town, nun Hay; in der mittleren Provinz ist Kimberley (früher New-Rush genannt) und im nördlichen Districte ist Barkly, früher Klipdrift, am rechten Vaalufer, der Berliner Missionsstation Pniel gegenüberliegend, der Hauptort. Im Süden bildet der Oranjefluß die Grenze gegen die Cap-Colonie, im Osten verläuft die Grenze zwischen der Provinz und dem Oranje-Freistaat nach einer von Colonel Warren und einer Freistaat-Commission bestimmten Linie, welche in ihrer nördlichen Fortsetzung die Provinz von der Transvaalprovinz (dem früheren Gebiete Gassibone's) trennt, nach Westen ist die Grenze noch nicht festgestellt—tief in's Kalahari-Bushveldt greifend—und nach Norden zu wurde die früher gezogene Scheidelinie durch den Krieg mit den Botlaros bis zu den südlichsten Viehposten der westlichen Barolongen vorgeschoben. Früher wurde dieser Landstrich von der Cap-Colonie aus verwaltet, seit den letzten sieben Jahren hat die Provinz ihre eigene Regierung, einen Gouverneur, dem ein »executive Council« zur Seite steht.
[Platz in Dutoitspan.]
Die Auffindung der ersten »Kieselsteine«, wie die Diamanten anfänglich von den Boers spöttisch genannt wurden, erregte in ihnen allen die Ländergier und als später die Annexion der Diamantenfelder durch die Engländer eine erbitterte Streitfrage zwischen diesen und der Regierung des Oranje-Freistaates hervorrief, hielten sich beide Theile als die allein berechtigten Besitzer kraft der ihnen von den vorerwähnten Eingebornenfürsten eingeräumten Concessionen.
Wie überall mußte auch hier nach kurzem Besitze der schwächere Theil, der Oranje-Freistaat, aus dem Felde weichen; er erklärte sich dennoch für den allein rechtmäßigen Besitzer, und alle Versuche Englands, zwischen der neuen Provinz und der Republik, die, civilisirten Grenzstaaten zum gemeinschaftlichen Wohle gereichenden Gesetze anerkannt zu sehen, blieben fruchtlos, bis das mächtige England, ob als »großmüthiger« Nachbar oder dem »Gerechtigkeitsgefühl« folgend, jedweden Anspruch des Freistaates auf den Landstrich Griqualand-West mit 90.000 £ St. ablöste, und sich nebenbei verpflichtete, weitere 15.000 £ St. zum Ausbau einer Bahn beizusteuern, welche den Anschluß des Freistaates an eine der Eisenbahnen in der östlichen Cap-Colonie herstellen sollte.
Die gesammten Diamantenfelder, sowie die Diamanten-Fundorte im engeren Sinne des Wortes lassen sich in drei Districte eintheilen. Die ältesten sind die am Vaalflusse, von dem Transvaal-Städtchen Bloemhof bis zur Vereinigung des Hart- und Vaalflusses sich erstreckenden »River (Fluß) Diggings«; ihnen folgen die in der Division Kimberley im engsten Umkreise um diese Stadt gelegenen »Dry-Diggings« (so genannt, weil man früher hier die Diamanten ohne die Erde zu waschen durch Sieben und Sortiren der diamanthaltigen Erde auf trockenem Wege gewann) und endlich die außerhalb der englischen Colonie Griqualand-West im Oranje-Freistaate gelegenen Fundorte bei Sagers- und Coffeefontein als dritten District.
Die Niederlassungen der »River-Diggings« wuchsen—wie es leicht begreiflich und wie wir es ähnlich in Californien beobachten können—wie aus der Erde empor. Das der Missionsstation Pniel gegenüberliegende Klipdrift, welches sich ungemein rasch entwickelte, wurde der Hauptort dieser Diamanten-Fundorte, ja zu ihrem Centralpunkte; seit den letzten neun Jahren hat Kimberley (das früher New-Rush hieß) ihm diesen Vorrang abgerungen.
Im Thale des Vaalflusses, wo vor der Entdeckung der »wasserhellen Steinchen« nur der eitle und müßige Koranna sein Dasein zu verträumen gewohnt war, reihten sich schon ein Jahr nach dem Bekanntwerden der Entdeckung ganze Colonnen von luftigen Zelten aneinander. Ganz Süd-Afrika schien wie vom Fieber befallen, Jung und Alt, Gesunde und Kranke, Lords und Diener, Landleute und Städter, entlaufene Matrosen und Soldaten, Boers mit ihren ganzen Familien wanderten nach dem gepriesenen und gelobten Lande. In überraschend kurzer Zeit verwandelten sich diese Zeltlager in Städte von drei- bis fünftausend Einwohnern, denn nach Bekanntwerden der aufregenden Nachrichten aus Süd-Afrika, namentlich seitdem der »Stern von Süd-Afrika«, ein 83½ Karat schwerer, wasserheller Diamant gefunden war, brachte jeder Dampfer aus Europa hunderte und wieder hunderte von Glücksjägern aus aller Herren Länder.