So entstanden neben Klipdrift die Städte Hebron, River-Town, Gong-Gong, Blue-Jacket, New-Kierks-Rush, Delpoortshope, Waldecks-Plant und andere. Doch ihr Wachsthum, ihre Blüthezeit, war ebenso schnell verflossen, als es begonnen, denn kaum war die Nachricht von der Entdeckung der Diamanten auf der Ebene der Farm Dutoitspan unter den River-Diggers am Vaalflusse verbreitet, und die Fama ließ die Diamanten hier in Massen auf der Erdoberfläche zu Tage treten, als Alles diese Orte verließ und nach den viel reicheren Dry-Diggings eilte.

Groß war die Zahl derer, die, durch das Glück begünstigt, sich in kurzer Frist Vermögen erwarben, groß aber auch die Zahl jener, welche es ebenso schnell entschwinden sahen und weitaus die Mehrzahl verkamen hier, denn die Fundstätten waren sehr bald Lasterhöhlen jeglicher Art.

Im Vaalflusse werden die Diamanten in dem angeschwemmten Geröll (Partien im Flußbette wie im Thale oder im Geröll an den höheren Thalpartien) gefunden. Dieses Geröll besteht aus Grünsteinblöcken, welche schöne mandelartige Chalcedons und Achate, bald bis faustgroß und milchquarzartig, bald rosa- oder carminroth und zahlreich und klein, bald bläuliche und gelbliche, kleine und größere einschließen, und welches Gestein als »Vaalgestein« namentlich die Strecken von Bloemhof bis Hebron bedeckt, ferner aus Bruchstücken der die Gegend von Hebron bis zur Hart-River-Mündung, doch auch die meisten Höhen in der östlichen Cap-Colonie, dem Oranje-Freistaat und Griqualand-West charakterisirenden Trap-Dykes, aus ausgewaschenen mannigfarbigen größeren und kleineren Achatstücken, Milchquarz- und Thonschieferfragmenten, titaneisenhaltigem Sand und zahlreichen, früher für Rubin und Granaten gehaltenen Pyropen (letztere in kleinen, Hirse- bis Maiskorn großen Stückchen vorhanden), auch Bruchstücke des die Gegend zu beiden Seiten des Vaalflusses, doch nicht im unmittelbaren Thale, bedeckenden Kalkgesteins, in dem ich jedoch keine Fossilien nachweisen konnte.

Die Diamantengräber holten das diamantenhaltige Gerölle aus den ihnen von der Behörde oder nach Uebereinkunft abgesteckten Gruben »Claims«, fuhren bis zum Flusse herab, um es durch Sieben von den gröberen Steinstücken zu befreien, und dann in einfachen, 2-4 Fuß lange, 1-1½ Fuß breite Wiegen »Craddles« zu waschen, worauf dann im feinen und von dem Lehmgrund befreiten Rückstand nach den Brillanten gesucht wurde. Man fand kleine Steine, selten einen größeren, doch die meisten waren schöne, weiße und reine, sogenannte Glassteine, so daß man seither die schönsten und werthvollsten der in den beiden anderen Diamanten-Districten vorgefundenen Brillanten als »wahre River-(Fluß-)Stones« bezeichnet.

Von den genannten Städten und Städtchen der River-Diggings hat sich nur Klipdrift als der Sitz der Obrigkeit und kleine unbedeutende Handelsstation—das jedoch als solche Hoffnung hat, wieder zu gewinnen—als nennenswerth erhalten, mehrere massive, zur Zeit seiner Blüthe aufgeführte Gebäude weisen noch auf seine frühere Bedeutung hin.

Der zweite und bis jetzt der wichtigste Diamanten-District ist der von mir »The Central-Diggings« oder früher die Dry-Diggings benannte; es ist Kimberley mit seiner Umgebung aus vier Fundorten in zwei Gruppen bestehend, die nordwestliche Gruppe, die Kimberley und das damit an seiner Ostseite zusammenhängende Old de Beers, und die östliche, welche Dutoitspan und das sich südlich und westlich daran schließende Bultfontein in sich begreift. Die letztere Gruppe liegt von Kimberley zwei, von Old de Beers etwas über eine englische Meile, und Kimberley selbst circa 22 englische Meilen von dem oberwähnten Klipdrift in südöstlicher Richtung entfernt. Der wichtigste der vier genannten Diamanten-Fundorte ist Kimberley; hier werden die meisten Diamanten in allen Qualitäten, sowie reiner Krystallbildung gefunden, Dutoitspan ist durch seine zahlreichen großen, hell und bis in's weingelbe spielenden gelblichen und Bultfontein durch seine kleinen, aber schönen den Riverstones ebenbürtigen Brillanten bekannt.

Diese vier, die Central-Diggings bildenden Niederlassungen stellen aus Segelleinwand, aus Brettern, aus galvanisirtem Eisenblech, auch (in der Minderzahl) aus gebrannten und ungebrannten Backsteinen und einige wenige aus Trapdykes (Gebirgsformation) errichtete Städte dar, in deren Mitte sich Krater und muldenförmige Vertiefungen befinden—die jeweiligen Diamantengruben. Diese Niederlassungen liegen auf einer schon von Osten und Süden in einer Entfernung von etwa neun englischen Meilen von Höhenzügen begrenzten und durch eine unmerkliche Bodenerhöhung in zwei Abschnitte gesonderten Ebene. Diese steinige Erhebung »the rise« scheidet auch die beiden oberwähnten Gruppen von einander.

Die Diamantengruben haben 45-200 Fuß Tiefe, 200-760 Schritte im Durchmesser; sie heißen »Diggings« oder »Kopjes« und jede ist in eine Anzahl Quadrate oder Parallelogramme, 10 Fuß breit und 30 Fuß lang, oder 30 Fuß lang und 30 Fuß breit (dies war die ursprüngliche übliche Größe derselben) in »Claims« eingeteilt. Ein Digger (Gräber) kann einen oder mehr, bis zu 20 solcher Claims besitzen, allein er muß sie bearbeiten und monatlich eine gewisse, in der Regel 20 fl. übersteigende Grund- und Wassersteuer (für das Herauspumpen des Wassers) an die Regierung und den Mining-Board (ein Ausschuß von Diamantengräbern, der über die Interessen derselben wacht) entrichten; in Dutoitspan und Bultfontein gesellt sich hierzu noch die Abgabe an den Proprietär, d.h. die Eigenthümer der Farmen, während in der anderen Gruppe Kimberley und Old de Beers die Regierung dieses Eigenthumsrecht von der Firma Ebden & Co. erstanden hat.

Ich halte diese Gruben für Oeffnungen von Schlammkratern, glaube aber nicht, daß diese vier Diggings sich von einem gemeinschaftlichen Kraterkanale abzweigen, nur die in Old de Beers und Kimberley zu Tage geförderten Steine zeigen eine gewisse Aehnlichkeit und geben der Vermuthung Raum, daß diese beiden Diggings unterirdisch communicirende Kraterbecken sind. Was die River-Diggings anbetrifft, so glaube ich, daß irgendwo in der Nähe des Flußbettes oder vielleicht an seinem Rande, doch oberhalb Bloemhof, sich eine oder mehrere Kratermündungen befanden.