[Die Kimberley-Kopje im Jahre 1871.]
Die Jahre 1870 und 1871 waren die Glanzperiode der Diamanten-Diggings, waren jene Zeit, wo es vorgekommen ist, daß sich zuweilen ein übermüthiger Digger mit einer Fünfpfund-Note seine kurze thönerne Tabakspfeife anzündete, und wo es einem ärztlichen Gehilfen möglich war, 1100 £ in sieben Monaten zu verdienen. Man kann nicht sagen, daß die Ausbeute gegenwärtig geringer sei, allein die Steine sind seit 1871 stetig im Werthe gesunken, und so werden die Einnahmen die gleichen geblieben sein; dagegen haben sich die Auslagen mehr denn verzehnfacht und trotz des Sinkens der Preise hat sich der Werth der Gruben bedeutend erhöht. Bei der Entdeckung der Kimberley-Kopje konnte man für 10 £ einen Voll-Claim von 900 Quadrat-Fuß Fläche erlangen, freilich hatte man die bloße Oberfläche der Kopje vor sich, gegenwärtig ist man bis 200 Fuß tief gegangen und der Werth mancher der reicheren Gruben ist 12- bis 15.000 £ Sterling. Diese Thatsache beweist zur Genüge, daß sich die Verhältnisse in den Diamantenfeldern nicht so verschlechtert haben, als man es vielleicht erwartet hätte, weil, wie an ähnlichen stabilen Goldgruben, das zügellose, gierige Rennen und Jagen nach plötzlichem Reichthum einem besonnenen und erfolgreichen Streben nach Erwerb Raum gemacht hat.
Man erkennt dies an Allem und überall. Die Regierungsorgane handhaben mit Strenge und Unparteilichkeit die Gesetze, die socialen Verhältnisse haben sich gebessert. Ein flüchtiger Blick auf die Wohnhäuser belehrt uns darüber. An Stelle der windschiefen, jeden Augenblick dem Zusammensturz nahen Bretterbuden und Hartebeest-Häuschen, nothdürftig aus einigen mit Schilfrohr belegten, mit rother Thonerde und eisenhaltigem Sand angeworfenen Pfählen bestehend, finden wir jetzt solide Eisen- und Ziegelhäuser erbaut, deren innere Einrichtung den verfeinerten Bedürfnissen ihrer Bewohner entspricht, während die früheren Hausgeräthe des Diamantengräbers von ehemals sich kaum noch in einer Rumpelkammer vorfinden oder höchstens als Curiosität auf den »Morning Market« erscheinen dürften; die Zelte, die häufigste Behausung des Diggers in früheren Jahren, werden jetzt zu 95 Percent nur noch von den schwarzen, gemietheten Grubenarbeitern bewohnt.
Wie ich schon erwähnt, haben sich die Verhältnisse im Allgemeinen, sowohl jene für die Sicherheit der Person und des Eigenthums, als auch die gesellschaftlichen und endlich die Beziehungen zu anderen Staaten bedeutend und wesentlich zum Vortheile der Colonisten gebessert. Es besteht jetzt dort, wo früher ziemliche Willkür herrschte, wo man sich nicht viel um behördliche Verfügungen und Anordnungen gekümmert und die wenigen bestehenden respectirt hatte, eine feste, zielbewußte Regierung. Ihre Aufgabe ist keine leichte; denn auf der kleinen Fläche, welche die Central-Diggings bedecken, sind die verschiedensten Elemente, Vertreter aller Eingebornenstämme Süd-Afrika's zusammengewürfelt. Die gesellschaftlichen Verhältnisse gleichen jenen in einem civilisirten Staate, trotzdem daß hier die Eingebornenfrage Schwierigkeiten bereitet, die ein europäischer Staat nicht kennt und alle Industrie-Erzeugnisse, deren sich die Civilisation nicht entschlagen kann, hunderte von Meilen weit hergeschafft werden müssen.
Im Laufe der Jahre nahm der Betrieb des Diamantensuchens immer complicirtere Formen an; in den Jahren 1870 und 1871 schafften die Digger die Erde aus den in Parzellen getheilten Gruben mit Hilfe der als Arbeiter verwendeten Eingebornen, meist Kaffern, Hottentotten und Betschuanen heraus, ein oben am Rande der Grube in die Erde eingelassener Pfahl, an welchen eine Holz- oder Eisenrolle befestigt war, womit der diamantenhaltige Grund in Eimern mit den Händen herausgezogen wurde, war der ganze Apparat und galt für Gruben mit senkrechter Wand; da, wo sie mehr oder weniger geneigt, oder wo man etwa 100 Schritte weit her, über andere Arbeitende hin den Grund herausheben mußte, schlug man unten in der Grube einen, oben drei Pfähle ein, zwischen zweien bewegte sich ein Holzcylinder von 2-3 Fuß Durchmesser oder ein großes Rad; ein oder zwei Eingeborne setzten dieses auf beiden Seiten mit Drehkurbeln in Bewegung, so daß sich an demselben das Seil »ab-« und von demselben »aufrollte«, und die mit Grund gefüllten oder leer nach abwärts laufenden Eimer befördert wurden. Von dem dritten Pfahle lief ein Hanfstrick, ein starker Eisendraht oder ein schwaches Drahtseil zu dem in der Grube eingeschlagenen Pfahle und an diesem bewegten sich zwei eiserne mit einer Rinne versehene Stäbchen, welche ein mit einem Haken zur Aufnahme des Eimers versehenes Eisengestell trugen. Später als die Gruben etwas tiefer wurden und namentlich die Digger ihren Besitz auf mehrere Claims erweiternd, größere Mengen der diamantenhaltigen Erde, und weil sie mit größeren Kosten arbeiteten, auch in kürzerer Zeit herausholen wollten, wandte man zur Erleichterung dieser Arbeit hölzerne Fördermaschinen an, welche mittelst Pferdekraft in Bewegung gesetzt wurden. Von diesen sind gegenwärtig noch viele gang und gäbe, allein die reichen Grubenbesitzer, sowie die in neuerer Zeit gebildeten Gesellschaften haben bereits zu Dampfmaschinen ihre Zuflucht genommen.
[Fördermaschinen in den Diamantengruben.]
Am besten konnte man dies an der Kopje zu Kimberley bemerken. Da diese den kleinsten Rauminhalt hat, allein, weil die reichste, die meisten Diamantengräber zählt, war es diesen nicht möglich, ihre in der ersten Zeit mit Handarbeit betriebenen Aufzüge nebeneinander aufzustellen. Deshalb wurden riesige Gestelle aus schwedischen Fichtendielen errichtet, diese in drei Stockwerke getheilt, und so drei Aufzüge übereinander auf einer Fläche von etwa 2 Quadrat-Meter errichtet. Diese Gestelle standen in Gruppen, von welchen jede 18-30 Diggern das Heraufholen der Diamantenerde ermöglichte. Gegenwärtig ist der dammartige Rand der Grube von großen durch Pferdekraft betriebenen Fördermaschinen und aus England eingeführten Dampfmaschinen bedeckt; auch ist es jetzt nicht mehr gestattet, den diamantenhaltigen Grund nahe an der Ausholungsstelle zu sortiren, wie es früher geschah, und viele Unannehmlichkeiten zur Folge hatte. Der Besitzer muß ihn auf seinen Grund und Boden oder auf eine dazu außerhalb der Stadt gemietete Stelle verführen, um ihn zu durchsuchen. Die letztere Prozedur ist gegenwärtig auch viel schwierigerer Natur.