[Kimberley.]
Früher wurde die diamantenhaltige Erde mit Hilfe verschiedener Siebe von den gröbsten Bestandtheilen befreit, dann der feinere Rückstand auf einen flachen Tisch ausgeschüttet und mit Hilfe eines Eisenblechstückes oder eines kleinen Holzbrettchens sortirt. Bei einem solchen Verfahren konnte man aber viele, namentlich kleine Steine übersehen, so daß der früher schon durchsuchte Boden um die Kimberley-Kopje als diamantenhaltig verkauft wurde und als solcher die Mühe des Käufers reichlich lohnte. Man bedient sich (unbemittelte Diamantengräber durch Handarbeit in Bewegung gesetzter, wohlhabendere mit Pferdekraft getriebener, von den bedeutenderen Claimbesitzern auch mit Dampfkraft bewegter) complicirter Waschmaschinen, in denen die diamantenhaltige Erde von ihren lehmigen Bestandtheilen befreit, blos die körnerartigen Steinchen zurückläßt, welcher Rückstand, nochmals in Wasserfässer geworfen, die letzten ihm noch anhaftenden erdigen Bestandtheile verliert, gewöhnlich allabendlich mit Sieben herausgeschöpft, etwas durchgeschüttelt und dem Aufseher oder Claimbesitzer zur Ansicht auf eine Tafel vorgelegt wird. Finden sich Diamanten in der Lage, so sinken sie bekanntlich unter dem körnigen kleinen Gestein der diamantenhaltigen Erde als die schwereren Körper bis an das dichte Drahtnetz des Siebes, so daß sie beim Umstürzen des Inhaltes des letzteren obenauf zu liegen kommen, und gleich in's Auge fallen.
Im selben Maße aber als das Betriebsverfahren und die hierbei verwendeten Maschinen verbessert wurden, stiegen auch die Kosten desselben. Zur Zeit erfordert das Diamantengraben schon eine ziemlich ansehnliche Capitalsanlage, dadurch ist auch der Betrieb ein ruhiger und geschäftsmäßiger, das Heer der Glücksjäger bedeutend gelichtet worden, auch die Gesetze, welche das Diamantengraben behandeln und die Rechte der Digger sowie jene der Diamantenhändler schützen, sind geregelter geworden.
Unter der Bevölkerung der Diamantenfelder sind namentlich die Diamantengräber, die Diamantenkäufer, »The Diamond-buyers oder merchants« und die Kaufleute im allgemeinen stark, die Kanteenkeeper (Besitzer von Localen, in denen blos Spirituosen verkauft werden) zahlreich vertreten. Bei der großen Menge der schwarzen Diener und dem Werthe des gesuchten Artikels ist es leicht erklärlich, daß Veruntreuungen, namentlich von Seite der Eingebornen häufig vorkommen und in raffinirtester Weise ausgeführt werden, zur Steuer derselben wurden sowohl gegen die Verkäufer als auch Käufer verheimlichter und veruntreuter Steine drakonische Gesetze erlassen. Nebstdem wurde ein eigenes Detectiv-Korps errichtet, welches zur Säuberung der Diamanten-Districte von den diese Gesetze noch umgehenden Elementen beitragen soll. Die dagegen Handelnden werden mit Gefängnißstrafe (verbunden mit hard labour, d.h. schwerer Arbeit auf öffentlichen Orten) mit Geldstrafen bis zu 300 und 500 £ St. und in manchen Fällen mit körperlichen Strafen (der neunschwänzigen Katze) belegt.
Der Anblick, der sich uns bietet, wenn wir eine der größeren Diamantengruben von dem Kamme der ringsherum aufgetürmten Thonwälle aus betrachten, ist ein so seltsamer, daß Worte kaum hinreichen, ihn naturgetreu zu beschreiben. Die Kopje läßt sich zutreffend mit einem großen Kraterkessel vergleichen, der vor der Abarbeitung bis zum Rande, an dem wir stehen, mit vulcanischen Auswurfstoffen, hier der grünen, aus zerfetztem Tuff begehenden, bröckligen, diamantenführenden Erde ausgefüllt war, nunmehr aber tief ausgehöhlt ist. Die zu ungleicher Tiefe abgebauten viereckigen Claims füllen nun diesen großen Kraterkessel mit einer chaotischen Menge von Erdmassen, die hier als Pfeiler, Thürme, Plateaus, dort als Schächte, Wälle, Gräben, Treppen erscheinen, und es bedarf keiner erregten Phantasie, um in diesem Labyrinth sich das Bild einer vor Jahrhunderten versunkenen, nunmehr aber an das sonnige Tageslicht hervorgezauberten Stadt zu vergegenwärtigen, namentlich aber in der Abenddämmerung oder gar wenn des Vollmonds fahles Licht die Tiefen durchfluthet.
Die Illusion wird jedoch zerstört, wenn unser Auge das lebhaft pulsirende Leben, die geräuschvollste, emsigste Thätigkeit am Grunde dieses tiefen, dunklen Kessels erblickt, und sich uns der Vergleich mit einem zerstörten Ameisenhaufen unwillkürlich aufdrängt. Die unabsehbare Menge von Drahtseilen, die den Raum über dem dunklen Grunde wie mit einem riesigen Spinngewebe überzieht, an denen, glänzenden Knoten gleich, die zahllosen Fördereimer auf- und abrollen, verwirren die Sinne, dazu vermag das Ohr des Fremden das Geräusch der zahlreichen knarrenden Winden, das Summen der Drahtseile, das Getöse fallender Massen, alles noch übertönt von dem Rufen, Singen und Schreien der Arbeiter und von dem Klappern der das Wasser aus den Gruben entfernenden Saugpumpen auf die Dauer nicht zu ertragen. Fast betäubt verlassen wir diese, ein neues Weltwunder bergende Stätte.
Bevor ich diese in allgemeinen Zügen gehaltene Skizze der Diamantenfelder beschließe, will ich noch einiger eigentümlicher Scenerien des Straßenlebens in den Städten der Diamantenfelder gedenken. Vor Allem sind es die täglich mit Ausnahme Sonntags auf dem Markte zu Dutoitspan und Kimberley abgehaltenen Morning-markets (öffentliche Auctionen). Ein von der Regierung angestellter Morning-master (Auctionär), der jedoch auch Privatauctionen abhalten kann, versieht dieses, wenn auch die Lunge über die Zuträglichkeit anstrengende, dafür aber sehr lucrative Amt. Dieser alltägliche Morgenmarkt bietet ein höchst interessantes Schauspiel. Der ganze, von eisernen und leinenen Häusern umgebene, ungepflasterte Marktplatz ist in den Morgenstunden von 6-8 Uhr mit einer fast unabsehbaren Masse der bekannten Ochsenwagen förmlich bedeckt, die Mehl, Früchte, Gemüse, Kartoffeln, Mais, Schlacht- und Federvieh aller Art, aber auch Brennholz, Fourage, Schilfrohr zur Bedachung u.s.w. zuführen. Der Verkauf geschieht ausschließlich durch Auction. Von dem Markterlös erhält der Staat 5 Percent, der Marktmeister 2 Percent. Die Preise der Waaren sind ungemein schwankend und hängen ganz von der Größe der Zufuhr ab, der Preis eines Sackes Kartoffeln schwankte auf dem Markte in Kimberley zwischen 15 Shillingen und 3 bis 4 £ St.
Außer diesen Morning-markets werden noch an allen Orten und Ecken mit Ausnahme der Feiertage, in dazu errichteten Hallen, sowie Abends in den Cantinen öffentliche Versteigerungen von Privatsachen sowie anderer sonst unverkäuflicher Geschäftsartikel abgehalten. Um die Kauflust anzufachen, wird auf riesigen Plakaten nebst den zur Veräußerung gelangenden Artikeln hervorgehoben, daß während der Versteigerung liquors gratis an das kauflustige Publicum abgegeben werden.