[Inneres einer Korannahütte.]

Die Bewohner, Männer sowohl als Frauen, entwickeln regen Arbeitssinn, während sich die ersteren im Taglohn oder zu anderen Arbeiten (Jobs) verdingen, steuern auch die Frauen (besonders die Kaffern- und Betschuanafrauen) durch ihren Verdienst als Wäscherinnen zu den Kosten der Haushaltung bei. Ihre Thätigkeit belebt die Scenerie am Flusse.

Ein flüchtiger Blick genügt, um die beiden Racen zu unterscheiden, und ohne Zaudern werden wir den Vertretern der Betschuanarace, den Batlapinen und Barolongen den Vorzug angenehmerer Gesichts- und Körperbildung einräumen. Von mattschwarzem bis dunkelbraunem Teint, sind ihre Gesichtszüge weder schön noch häßlich, während das gelblich-braune Gesicht des Koranna direct häßlich zu nennen ist. Die kleinen Augen liegen in tiefen Höhlen, das kurze und schmale Gesicht zeigt kaum einen deutlichen Nasenansatz, die unnatürlich vorgehenden Kinnbacken und wulstigen Lippen sind die Hauptmerkmale der vorderen, ein kleiner, länglicher Schädel jener der hinteren Kopfbildung. Der Körper der Frauen wird durch jene bekannte Sattelbildung der unteren Wirbelsäule, welche ihren Gang schwerfällig erscheinen läßt, nicht wenig verunstaltet. Viele Korannafrauen hatten Wange und Stirne mit rothem Ocker überschmiert, oder blau bemalt, und zwar mit vom Ohre zu den Augen, Nase, Mund und Kinn laufenden geraden oder nach oben zu concaven Linien. Häufig fand ich die Wangen und Stirne auch braun und schwarz bestrichen, was ihnen das Aussehen von gekleideten Affen verlieh.

[Kranken-Ordination in Klipdrift.]

Bei einem meiner Besuche im Eingebornenviertel trat ich in eine der Korannahütten. Es bot sich mir da ein eigentümliches Bild dar. In einer schüsselförmigen Vertiefung in der Mitte der Hütte lag in glühender Asche ein wolliger Gegenstand; bei näherer Besichtigung erkannte ich, daß es ein Lämmchen war, das gebraten wurde. Zwei Frauen, den Oberkörper vollkommen entblößt, beide gemüthlich rauchend, saßen auf Matten, während einige nackte Kinder, deren gelblich-graue, lichte Körperfarbe durch Unreinlichkeit schwarz übertüncht war, herumspielten. Das Familien-Oberhaupt, in abgetragene europäische Lappen gekleidet, saß unmittelbar am Heerde und verfolgte mit gespannter Aufmerksamkeit das Garwerden des Bratens, das ein lautes Schnalzen mit der Zunge anzukündigen schien. Dies betätigte mir auch die Entfernung des Stückchens Kautabak, das der Koranna nur während des Mahles weglegt. Es währte nicht lange, so war der Lammsbraten von der glühenden Asche befreit, der verkohlten Wolle entledigt, in Stücke geschnitten und zertheilt. Während die Kinder fest und gierig darauf losbissen, schnitten sich der Mann und die Frauen, indem sie das eine Ende eines Fleischstückes mit den Zähnen, das andere mit der Hand festhielten, jeden Bissen mit dem Messer unmittelbar an den Lippen ab. Außer Fleisch, wobei sie namentlich die Eingeweide und das Hirn der Thiere vorziehen, genießen die Koranna's häufig Mehlbrei, gekochte Kürbisse und Milch, nur Fische, Krebse, Muscheln und Aehnliches verabscheuen sie wie die meisten afrikanischen Völker im Innern des Erdtheils, während wir überall längs der Seeküste Spuren von Menschen finden, welche sich durch eine sehr lange Periode nur von Fischen genährt haben mußten.

In geringer Entfernung von dem Eingebornenviertel in Klipdrift liegen die in früheren Jahren bearbeiteten River-Diggings. Welcher Unterschied—wie unscheinbar gegen die Dry- (Central) Diggings. Eine Unzahl zwei bis acht Quadratmeter großer, bis zwei Meter tiefer, theilweise mit Gerölle, namentlich calcedonartigen Steinen und kopfgroßen Grünsteinblöcken gefüllter Gruben, einem durchstöberten Friedhof nicht unähnlich, war Alles, was von den einst von Tausenden emsiger und mit Fieberhast arbeitender Menschen belebten Diamanten-Fundstätten übrig geblieben, seit Dutoitspan entdeckt worden war. Obwohl die Gruben keine besondere Tiefe hatten, mußte trotzdem das Diamantensuchen in diesem steinigen Boden sehr beschwerlich gewesen sein; ich traf jetzt nur zwei Digger, welche im Schweiße ihres Angesichts nach den kleinen, glänzenden Kieseln und allem Anscheine nach mit wenig Erfolg fahndeten; ein Engländer, der mit zwei Batlapinen arbeitete, und eine abgemagerte, etwa dreißigjährige weiße Frau, in deren Zügen Krankheit und Noth nur zu deutlich zu lesen waren; in ihrer Gesellschaft ein kleines Kind, welches mit farbigen Steinen spielte. Ihre sorgenschweren Mienen flößten mir Mitleid ein und ich konnte die Frage nach dem Erfolge ihrer Bemühungen nicht unterdrücken; ihre Antwort entrollte mir eines jener traurigen Bilder, an denen das Diggerleben in den Diamantenfeldern trotz der kurzen Zeit, die seit ihrer Entdeckung verflossen, überreich ist. Vor mir stand eine junge Frau, welche ihrem diamantensuchenden Gemahle nachgereist war, um ihn in sterbendem Zustande wiederzufinden und nun selbst allen tückischen Wechselfällen des aufregenden und aufreibenden Diggerlebens preisgegeben zu sein.—Ich werde später noch Gelegenheit finden, die Geschichte manches Opfers der Diamantenfelder zu erzählen.