Die mit üppiger, durch einige tropische Species charakterisirte Vegetation bewachsenen, kleinen Bergthäler, sowie einige morastige Wiesen in der Nähe des Flusses, hauptsächlich aber seine dichtbebuschten und belaubten Ufer und sein bald felsiges, bald schlammiges Bett, beherbergen als vorzüglich geeignete Schlupfwinkel, eine artenreiche Thierwelt. Ich bedauere, daß ich Klipdrift und seine nächste Umgebung stets nur flüchtig, meist auf dem Durchmarsche berühren konnte; bei längerem Aufenthalte winkt hier dem naturwissenschaftlichen Sammler reichliche Ernte, wie denn überhaupt der Ort wie eine Oase aus der eintönigen Oede des südafrikanischen Hochlandes hervorsticht. Doch selbst während meines kurzen Aufenthaltes fand ich von Falken und Sperbern manche interessante Art, graue Uhu's, Berg-, Baum-, Sumpf-, sowie auch Zwergeulen ziemlich vertreten; mehrere Krähenarten und namentlich in den Buschdickdichten der Ufer, sowie in der Nähe der Gehöfte fünf Staararten, von denen ich den kleinen, und den schönen großen, langschwänzigen Glanzstaar besonders hervorheben will. Zahlreich sind die Würger, doch noch zahlreicher die körnerfressenden Singvögel vertreten, von den letzteren fielen mir mehrere langschwänzige Finkenarten auf, doch fehlen auch Drosseln und andere Insecten fressende Singvögel nicht, namentlich Bachstelzen, Schnapper, Rohrfänger etc. Von spechtartigen Vögeln traf ich nur zwei, dagegen mehrere Arten Colibri's und eine Art des Bienenfängers, sowie zwei Eisvögel- und Kukuksarten an. Auch der schon erwähnte langschwänzige kleine Mäusevogel, mehrere Schwalben und eine Ziegenmelker-Species gehören zu den häufigeren Erscheinungen, in entsprechendem Verhältnisse sind auch die übrigen die Fauna Süd-Afrika's charakterisirenden Vogelarten vertreten, vor Allem aber Tauben, Zwergtrappenarten, Stelzenvögel, Enten und Taucher. Unter den Reptilien waren namentlich drei Species von Landschildkröten, neben einer im Wasser lebenden, häufig zwischen den Felsenblöcken an den Höhen anzutreffen. Die gewöhnliche Schildkröte, die gemeine südafrikanische Landschildkröte, und eine flache Art mit viereckigen grünlichen Zeichnungen in den Centren der oberen Schilder. Von Fischen beobachtete ich fünf Species, von welchen ich eine nordwärts bis über den Zambesi hinaus in allen Gewässern sowohl im Süßwasser, als auch in den Salzpfannen und Salzflüssen vorfand. Es ist der südafrikanische Wels mit schildförmigem Kopfe.
Erst hier, in der unmittelbaren Nähe von Klipdrift, gelang es mir, meine vier Pferde gegen die tauglicheren Zugochsen einzutauschen; obgleich ich dabei in pecuniärer Beziehung Einbuße erlitt, ging ich hocherfreut auf den Tausch ein, denn schon war in der Umgegend die alljährlich grassirende Pferdekrankheit ausgebrochen und in unserer Nähe sonnten sich bereits mehrere Pferdecadaver. Mein Gespann bestand nun aus sechs Zugochsen, von welchen leider zwei äußerst störrisch und unlenksam waren, während der Verkäufer mir alle als äußerst zahm, gefügig und Thiere par excellence anpries. Hätte nicht die grassirende Pferdekrankheit bereits so deutliche Beweise ihres mörderischen Auftretens in unserer Nähe gegeben, so wäre ich beim Tausche wohl besser weggekommen; so aber schien der Mann nur zögernd das Geschäft abschließen zu wollen. Mit der Vermehrung meines Gespanns erwuchs mir auch die Sorge, wenigstens zwei farbige Diener zu miethen; einen als »Leader«, um das vorderste Paar der hintereinander gespannten Zugthiere zu leiten und einen »Driver«, der das Gespann mit der Peitsche anzujagen hatte. Auch dieser Bedarf war bald gedeckt; bei einem Besuche des Korannadörfchens hatte Freund F. einen hier lebenden Deutschen angetroffen, den ich nun ersuchen ließ, uns unter seinen Nachbarn zwei rüstige, junge Männer auszusuchen und auf einige Wochen als Diener zu miethen. Noch am selben Tage brachte uns dieser einen echten Korannajüngling von ungefähr 16 Jahren und einen Korannabastard mit Namen Gert, welche sich beide geneigt zeigten, gegen einen wöchentlichen Lohn von 8 Shillingen und 6 Pence in meine Dienste zu treten.
Zu meiner nicht geringen Ueberraschung erbat sich der deutsche Ansiedler als einzigen Gegendienst einen Besuch bei seiner kranken Frau. Gern folgte ich ihm und fand mich bald darauf in einem kleinen, halb in europäischem, halb im Style der Korannahütten ausgeführten kleinen Gebäude, wo der Mann in Gesellschaft einer Bastardfamilie wohnte. Auch seine Frau gehörte zu diesen Mischlingen. Sie war in elende, doch reinliche Lappen gekleidet und der erste Blick belehrte mich über die Natur ihrer Krankheit; die Aermste war in Folge drückendster Nahrungssorgen gänzlich entkräftet; ich fand leider erst später Gelegenheit, ihr stärkende Arzneien senden zu können. Während ich noch mit der Frau sprach, hatte sich uns ein kleines, etwa sechsjähriges Mädchen mit wahrhaft feinen und schönen Gesichtszügen und kurzgelocktem, dunkelblondem Haare genähert. Es trug keine Spuren des dunklen Teints seiner Mutter an sich. Ueber meine Frage: wie es der Mann über sich bringen konnte, sich hier unter den Farbigen niederzulassen, erhielt ich die Antwort: »Wohne nicht lange hier, habe über 300 £ St., die ich mir durch langjährige Arbeit in der Colonie erworben, in jenen verlassenen Diamantengruben dort drüben eingebüßt; nun muß ich Taglöhnerarbeit verrichten, und in allen diesen Mühen, Sorgen und Enttäuschungen fand ich an diesem farbigen Weibe ein so treues, aufopferndes und mitfühlendes Wesen, daß ich mich nicht leicht von ihr trennen könnte.«
Trotz häufiger Regenschauer, welche sich während unseres Aufenthaltes in Klipdrift eingestellt hatten, dachten wir nicht daran, unser bisher gewohntes Nachtlager unter dem Wagen aufzugeben; unser Erfindungsgeist fand bald eine entsprechende Abhilfe. Dem Nachtlager war aber auch nicht ein gewisser origineller und phantastischer Zug abzusprechen. Unsere Diener schienen nicht nur in der Mythologie Süd-Afrika's wohl bewandert zu sein, sondern auch unter den Göttern des Alterthums so manchen Gönner zu haben, vor Allem schien Bacchus ihr Schutzpatron und Morpheus ihr Liebling zu sein. Wenn wir sie nicht zur Arbeit angehalten hätten, wären sie im Stande gewesen, sechs Stunden des Tages dem Dienste des ersteren, und den Rest des Tages dem Letzteren zu widmen. Ja, Gert trieb es so weit, daß er oft während des Mahles einschlief.
Nachdem wir uns mit etwas Provision, namentlich Mehl, Thee und Zucker versorgt, verließen wir Klipdrift und brachen nach Norden zu, gegen die Vereinigung des Hart-River mit dem Vaal-River, in die von den westlichen Batlapinen bewohnten Landstriche auf, wobei ich noch einige der flußabwärts liegenden, verlassenen River-Diggings und zunächst das auf halbem Wege liegende Gong-Gong berühren wollte. Die durchreiste Gegend war ein mäßig hügeliges, nach Westen zu dem Vaalfluß' steil abfallendes, nur stellenweise dichter bebuschtes Hochplateau, auf welchem einige Niederlassungen der Koranna's und Batlapinen zerstreut lagen.
Für den Jäger wie Naturforscher hat das Land zwischen dem unteren Hart- und Vaal-River insoferne besonderes Interesse, als man von Süden her hier zuerst das von den holländischen Farmern »blaues Wildebeest«, von den Betschuana's »Kokon« genannte, gestreifte graue Gnu (Catoblepas Gorgon) rudelweise antrifft. Es breitet sich von hier und von den nördlichen Gegenden des Oranje-Freistaates nach Norden zu bis über den Zambesi aus und ist größer als das schwarze oder gemeine Gnu, dabei auch minder wild. Seine Hörner unterscheiden sich auch wesentlich von jenen des gemeinen Gnu, sie sind nämlich nach vorne und innen gebogen und ähneln denen mancher unserer kurzhörnigen Rindviehracen.
Die Jäger unterscheiden beide Arten nach der Farbe der Schwanzhaare, indem das schwarze durch einen weißen, das auf bläulich-grauem Grunde, namentlich am Vorder- und Oberkörper schwarz gestreifte Gnu durch einen schwarzen Schwanz schon aus großer Ferne erkennbar ist. In den baumlosen Ebenen von den westlichen Theilen der Cap-Colonie bis zum 23. Grad nördlicher Breite ist es neben den Springbock- und den Bläßbockgazellen das häufigste Wild.
In später Nachmittagsstunde bogen wir in eine kleine Schlucht ein, an derem Ausgange im Vaalthale einige Segeltuchhäuschen und Zelte sichtbar wurden; es waren die Reste des einst so blühenden Gong-Gong, das anmuthig aus dem dunklen Grün üppiger Laubbäume hervorlugte. Auch fehlten einige Koranna- und Betschuanahütten nicht, die auf dem felsigen und niedrigen Abhange des Plateau's zwischen den Steinblöcken erbaut waren. Gegenüber von Gong-Gong liegt das noch ärmlicher aussehende Waldeks-Plant.
Wir schlugen im Dörfchen selbst auf einer einladenden Rasenstelle unser Lager auf. Ein Wagen war für Gong-Gong und Waldeks-Plant etwas nicht Alltägliches und so waren wir bald Gegenstand der allgemeinsten Aufmerksamkeit geworden.
Die Diamantengruben von Gong-Gong lagen auf dem Abhange; jene im Thale, unmittelbar am Flusse und im alten Flußbette waren schon seit Langem verlassen. Mehr Leben fand ich in Waldeks-Plant, welches sich auch durch den Fund zweier schönen Steine in einer und derselben Grube einen Namen errang. Es war ein gelblicher Stein, der 288¼ Karat wog und ein zweiter weißlicher, der in seiner Mitte einen schwärzlichen Fleck zeigte, einer Fliege nicht unähnlich und deshalb auch der »Fly-(Fliegen-)Diamond« genannt wurde. Ihr Finder wollte einst nach langer fruchtloser Arbeit seinen Claim verkaufen, doch Niemand fand sich, der auf seine Forderung eingegangen wäre; um nicht müßig zu sein, entschloß er sich allein, ohne Beihilfe schwarzer Diener, das Graben und Suchen fortzusetzen. Das bishin treulose Glück lächelte ihm nun zu und er fand zuerst den großen, kurze Zeit darauf den Fly-Diamond und ward über Nacht ein »gemachter Mann«. Der Werth des großen Steines wurde damals mit 10.000 £ St. angegeben und ich erinnere mich, daß er nach meiner Rückkehr von der ersten Reise in den Central-Diggings längere Zeit hindurch gegen 1 Shilling Entrée ausgestellt war.