[Batlapinenknaben den Kiri werfend.]

Von Gong-Gong schlugen wir eine nördliche Richtung nach dem Hart-River ein; einige weiße, aus der Ferne entgegenschimmernde Punkte an den zum Vaal sich steil herabsenkenden Felsenhügeln bezeichneten uns die Stellen, wo noch vor wenigen Jahren die blühenden River-Diggings New-Kierke-Rush u.a. lagen. Die Strecke von Gong-Gong bis Delportshope (dieses nicht ganz eine Meile von der Hart-Rivermündung entfernt) gehört gewiß zu den unbequemsten, die ich je mit einem Wagen passirte. Ich konnte es nicht fassen, wie zur Zeit der Blüthe der River-Diggings auf solchen Verkehrspfaden die Bedürfnisse von Tausenden von Menschen mittelst der Achse herbeigeschafft wurden. Auf der ganzen zurückzulegenden Strecke glich der als Fahrweg benützte Erdstreifen einem von Wasserfluthen ausgewaschenen Geröllboden. Die Fahrt über diese Chaussee war, wie leicht denkbar, eine martervolle; kaum war das eine Hinterrad aus einem der zahllosen wassergefüllten Löcher durch die vereinten Anstrengungen der Thiere und die virtuose Handhabung der riesigen Peitsche von Seite des Korannatreibers herausgefördert, als schon wieder eines der Vorderräder über einen fast fußhohen Block hinaufgezerrt wurde. Um das Maß voll zu machen, begannen die des Joches ungewohnten Zugthiere in störrischester Weise ihre Dienste zu versagen.

Kein Wunder, wenn diese Fahrt die dreifache Zeit in Anspruch nahm. Ein Blick auf die zu beiden Seiten des Weges zerstreut umherliegenden Wagentrümmer gewährte uns einen, wenn auch schwachen Trost; wir waren nicht die einzigen, die unter diesen Qualen zu leiden hatten. Leider waren dieser Fahrt alle meine Thermo- und Barometer zum Opfer gefallen. Die Begegnung mit einem Batlapinen, der an einem Kiri, einer bei den Zulu und Betschuana beliebten Waffe, ein Häschen trug, nahm mein ganzes Interesse in Anspruch. Die Waffe ist aus Holz (bei den nördlichen Bamanquato auch aus dem Horne des Rhinoceros) gearbeitet, 20-90 Centimeter lang und läuft an einem Ende in eine hühnerei- bis faustgroße, einfache oder geschnitzte Kugel aus. Im Handgemenge ist der Kiri eine sehr wirksame Waffe, auch findet er auf der Jagd Verwendung und einige Stämme werfen ihn mit wahrhafter Virtuosität. Bei den Matabele ist der Kiri jene furchtbare Waffe, mit welcher diese Zulu's die Schädel der männlichen, erwachsenen Bevölkerung der rebellirenden Makalakadörfer einschlugen.

[Batlapine.]

Nebst dem Hasen trug der Mann auch ein Paar aus gegerbtem Leder gearbeitete, mit Thiersehnen sauber zusammengenähte Unaussprechliche, welche ich ihm sammt der Jagdbeute und der Waffe abkaufen wollte. »Nein,« antwortete er, im gebrochenen Holländisch, »det brüke« (die Betschuana's haben in ihrer Sechuana[[1]] keine Benennung für viele der von den Europäern eingeführten Artikel, darum nehmen sie das dafür im Holländischen oder Englischen gebräuchliche Wort, es natürlich verunstaltend, oder sie umschreiben es durch mehrere ihrer eigenen Sprache), »bring' ich zu meinem »Bas« (Herrn) nach Klipdrift,« den Hasen, meinte er, könne er selbst gut brauchen und den Kiri könne er uns schon gar nicht überlassen, da er seiner zum Schutze gegen die Phyci (Hyäne) bedürfe. Wie der in der Colonie wohnende Kaffer auf seinen Wanderungen stets seine beiden, in der Regel aus Eisen oder Assagaiholz gearbeiteten Stöcke mit sich führt, so nimmt auch der Betschuana und Zulu seinen Kiri mit. Hat er auf der Weide oder im hohen Grase eine Zwergtrappe bemerkt, so sucht er sich so nah' als möglich anzuschleichen, erhebt sich dann plötzlich, um den Vogel zum Auffliegen zu bringen und in diesem Momente saust sein kleiner, am Ende verdickter Stock durch die Lüfte. Er thut dies ebenso geschickt, wie er sich als Schütze ungeschickt benimmt. Das Wild auf den unabsehbaren Ebenen zwischen dem mittleren Hart-River und dem oberen Molapolaufe ist durch diese Ungeschicklichkeit äußerst scheu geworden.

[1] Die Sprache der Betschuana's.