Als wir ausgespannt hatten, fanden sich nicht weniger als 17 Köpfe an meinem Wagen ein. Zuerst wurde um Tabak gebettelt, leider willfahrte ich ihrem Ansuchen und so kam dann rasch Zucker, Kaffee, Thee, Blei, Schießpulver etc. an die Reihe. Bevor wir noch abzogen, wurden wir noch daran gemahnt, daß für das Tränken unserer Thiere am Teiche ein Shilling zu bezahlen sei. Kaum war dies geschehen, da kam der ganze Troß zum zweiten Male wieder und zwar um sich ärztlichen Rath von mir einzuholen, nachdem sie zuvor im Laufe des Gesprächs erfahren hatten, daß ich ein Arzt sei. Da hatte einer kranke Augen, jenem that der Kopf weh u.s.w. Ich hörte sie an, ertheilte den ärztlichen Rath während wir einspannten, und pries den Augenblick glücklich, als Gert, der »Wagentriber«, ohne sich um die uns Umlagernden zu kümmern, mit einem lauten »Fatt mer« (fasset nun, ziehet an) das Gespann in Bewegung setzte.

Vom Mattheusspruit gegen den Estherspruit war der Zustand des Fahrweges ein wahrhaft erbärmlicher. Theils führte er über felsigen Grund, theils durch derart aufgeweichten Boden, daß wir alle Augenblicke stecken blieben. Am 29. März erreichten wir den Estherspruit, ruhten hier in der Nähe einer gastlichen Farm etwas aus und erreichten am Abend desselben Tages den Jagdspruit. Die landschaftliche Szenerie vom Mattheusspruit (auch Matjesspruit genannt) bis hieher glich anfangs jener vom Maqwasi-River bis zu diesem Spruit, rechts und links von uns meilenweite Grasebenen, im Norden von den Maqwasihöhen, im Süden vom Vaalflusse begrenzt, von dem wir uns jedoch nach und nach so weit entfernt hatten, daß wir sein eigentliches Thal nicht mehr wahrnehmen konnten. Gegen den Jagd- (der Holländer spricht »Jach-«) Spruit zu änderte sich die Scenerie insofern, als die Höhen zur Linken näher Herantraten, sich sogar zwischen diesem Spruit und Klerksdorp (Klerksdorf) quer über den Weg nach dem Vaal-River ziehen und bei Klerksdorp einige interessante Höhengruppen bilden.

Der folgende Morgen war schön und warm. Die aufgehende Sonne beleuchtete die Ostabhänge der felsigen Klerksdorper Höhen, welche theilweise kahl, theilweise mit Büschen überwachsen, die einen kegel- oder brodlaibförmig am Ufer des Schoenspruit isolirt, die anderen zu Hügelketten mit scharfen Felsenkämmen gruppirt sind. Zwischen uns und diesen Höhen breitete sich eine mäßige Niederung, ein etwa zwei Meilen breites offenes Thal aus, welches einige Meilen nach abwärts in das enge Thal des Schoenspruit einzumünden schien. Jenseits einer quer über den Weg sich hinziehenden Felsenkette sollte Klerksdorp, die älteste Niederlassung in der Transvaal-Provinz, liegen. Der angenehme schöne Morgen lud mich zu einem Spaziergange auf der Ebene ein, wobei mich unwillkürlich die artenreichen Kinder Flora's zum Botanisiren aufforderten.

Schon am Wege fand ich mehrere sammelnswerth, unter diesen eine in Unmasse, förmlich als Unkraut wachsende Cinna mit dunkelziegelrothen oder rosafarbigen Blüthen; sie bildet dichte, doch kleine, 12-40 Zentimeter hohe, meist zwei- doch auch hie und da mehrblüthige Stöcke.

In einem nahen Gebüsche zur Linken fand ich reichliche Ausbeute an kleinen Prachtkäfern (Buprestidae), Blattkäfern (Chrysomelidae) und mittelgroßen Bockkäfern (Capricornia), auch an zahlreichen großen, gelb- und schwarzgescheckten Spinnen, welche große, unseren Kreuzspinnen ähnliche Gewebe zwischen den Bäumchen und Büschen ausgespannt hatten. Zwei Deukergazellen sprangen durch den Eindringling erschreckt auf, und verschwanden ebenso rasch in dem Dickicht.

Von diesem kleinen Morgenausfluge zurückgekehrt, machte mich Freund E. auf einen großen Vogel aufmerksam, der auf unseren Wagen loszulaufen schien. Es war eine große Trappe; ich legte an, ziele nach dem Halse, der Schuß kracht und der Vogel stürzt zur Erde. Es war ein prächtiges Thier, und zwar eines der größten seiner Art. Kaum 30 Fuß von der Rohrmündung entfernt, hatte sie den ganzen Schuß in die vordere Brusthöhle bekommen, so zwar, daß der Balg für meine Sammlung ganz unbrauchbar war, hingegen war das Fleisch eine werthvolle Acquisition für die Küche. Außer einem noch größeren Trappenpärchen derselben Art, welches ich auf der dritten Reise am linken Limpopo-Ufer beobachtete, sah ich nie wieder ein so großes Exemplar in Süd-Afrika.

Einen Gebirgssattel übersetzend kamen wir in das eigentliche Thal des Schoenspruit, den man füglich River nennen könnte, weil er in gewöhnlichen Jahren meist fortwährend fließt, nur in sehr trockenen den Charakter eines Spruit zeigt. Im Allgemeinen gehört dieses Flußthal zu den interessanteren Thälern des südafrikanischen Hochplateau's und auch zu einem der fruchtbarsten und bestbebauten. Im Thale des Schoenspruit reiht sich Farm an Farm; prachtvolle Weideplätze für das Hornvieh, längs den Höhen und den Abhängen zum Flusse, erhöhen noch den Werth des Landbesitzes am Schoenspruit und im Moi-Riverthale. Bei Entfaltung einiger Energie und einer rationellen Bearbeitung des Bodens könnte leicht das Zehnfache des gegenwärtigen Ertrages an Cerealien erzielt werden.

Klerksdorp oder Klerksdorf bestand im Jahre 1873 aus einer Hauptstraße, in der ich, wenn ich nicht irre, 25 Häuser zählte; seitdem hat es sich vergrößert und verspricht unstreitig neben Potschefstroom die bedeutendste Stadt des südwestlichen Transvaal-Gebietes zu werden. An jedem Hause fand ich einen Garten mit Obstbäumen, namentlich Pfirsichen, Orangen etc. und die Zäune aus Quitten und Granatbäumchen gebildet. Jener Theil des Schoen-Riverthales, in dem Klerksdorp erbaut ist, gehört überdies zu den günstigsten, namentlich in Bezug auf Wasserfülle des Flusses. Das Thal ist bei Klerksdorp von beiderseits aufzeigenden Höhen eingeengt, und durch einen isolirt stehenden Höhenzug flußaufwärts nach dieser Seite hin ziemlich geschützt.

Da wir mit dem Ueberschreiten des Schoenspruit eine andere Bodenformation betreten, welche sich bis Wonderfontein im centralen Transvaal-Gebiete verfolgen läßt, so will ich noch mit wenigen Worten der geologischen Struktur der Strecke vom Bamboesspruit bis zum Schoenspruit gedenken. Die Hauptmasse des sichtbaren Gesteins auf der Ebene bilden in Bezug auf Farbe, Consistenz und die schon in den Gegenden weiter vaalabwärts beobachteten mandelartigen Einschlüsse, verschiedene Varietäten des Grünsteins. An manchen Stellen finden wir ihn sehr hart und fest, riesige Platten bildend, an anderen ist er bröcklich und dann zeigt die Oberfläche viele quarz- (Milch- und Rosenquarz) und chalcedonartige Einschlüsse. Hie und da finden wir Thonschiefer, an andere eisenhaltige Schiefergeschiebe aufgelagert und manche der die Wildebene umsäumenden Höhen werden von Porphyr gebildet.

Ich durchstreifte die nächste Umgebung von Klerksdorp und war namentlich mit der Pflanzenausbeute zufrieden. In einigen der brach liegenden Gärten fand ich eine Malvacee, welche in veschiedenen Varietäten vorkommt, deren Verbreitungsbezirk von der südlichen Meeresküste bis über den Zambesi hinaus reicht und schöne, große, schwefelgelbe Blüthen besitzt.