Auf der Hochebene, nach der wir unseren Weg nahmen, fielen mir trichterförmige, von Weitem schon durch dichten Baumwuchs auf den Grasebenen gekennzeichnete 25-60 Fuß tiefe Bodenvertiefungen auf. Ich fand später, daß solche Bodentrichter im Transvaal-Gebiete in manchen Strichen zwischen dem Hart-River und dem Molapo und zwischen dem unteren Molapo und dem Vaal-River, im Barolong- und Batlapinen-Gebiete und im Bereiche von Griqualand-West (im westlichen Theile der Division of Hay) ziemlich zahlreich verbreitet sind und ein Charakteristicum des Riesenbettes eines oberflächlich liegenden, seltener in dünnen Lagen aufliegenden, oft jedoch mächtig bis Hunderte von Fuß tief in die Erde eingreifenden, stellenweise von Sand und weißen, schäligem Kalksteinen, an anderen Punkten von Granitblöcken und Schieferlagen überdeckten Kalksteins bilden. Sie sind die weiten Oeffnungen von mehreren sich vereinigenden, den Felsen in der Tiefe spaltenden Rissen. Dieses Riesenbett des Kalksteins, welches deutliche, oft prachtvolle, wellenartige Lagerung und Schichtung besitzt, zeigt meist von außen den Einfluß der Einwirkung des Wassers und ist in seiner Hunderte von Meilen Fläche bedeckenden Masse geborsten und gesprengt, doch mußte das Gestein ob seiner Härte und Massen-Ausdehnung den Erdrevolutionen einen großen Widerstand entgegengesetzt haben, so daß 90 Percent der geborstenen Theile, mit Ausnahme der entstandenen Klüftungen und der daraus erfolgten verhältnißmäßig geringen Verschiebungen, keine nennenswerten Umwälzungen erlitten haben.

Diese unterirdischen Risse und meilenlangen Spalten dienen unterirdischen Gewässern zum Abfluß, welche sich dann in kleinen Spalten an den Abhängen tiefer, steiler Thäler, wie am oberen Molapo, nach außen Bahn brechen. Ein Theil des Moi-Rivers fließt in dieser Weise unter der Erde fort, ja er verschwindet theilweise an manchen Stellen ganz und kommt weiter thalabwärts wieder zum Vorschein. Diese Spalten vereinigen sich und an diesen Vereinigungsstellen finden sich dann jene auch schon erwähnten (in tieferen und höheren Partien des Hochplateaus liegenden) nach oben trichterförmig sich erweiternden Oeffnungen, welche an ihrer oberen Mündung einen Umfang von 24-180, selbst bis zu 240 Meter erreichen. Sie erscheinen rundlich, weil die Wand oft mit Geröll und Erde bedeckt ist, doch bei näherer Untersuchung zeigen sie sich viereckig, die Mehrzahl jedoch dreieckig. Manche dieser Felsentrichter besitzen kahle Felsenwände, selten sind dieselben steil, häufiger mit Geröll überlagert oder durch Felsenblöcke gebildet; meist sind diese Blöcke mit Erde bedeckt, oder die Fugen und die Zwischenräume damit ausgefüllt, so daß diese von einer ziemlich üppigen Vegetation, namentlich aber Bäumen und Sträuchern überwuchert werden und da die höheren Bäume dann über diese Vertiefungen auf der begrasten, wenig oder gar nicht bebuschten Ebene hervorragen, weithin erkennbar sind.

[Felsentrichter.]

Da wo die am Boden solcher Felsentrichter sich vereinigenden oder von hier austrahlenden Risse entsprechend breit sind, kann man einige Fuß, bei manchen tief senkrecht hinabsteigen und dann oft Hunderte von Metern weit, die Risse als niedrige, mehr oder minder hohe und geräumige Spalten verfolgen. Manche der trichterförmigen Oeffnungen sind mit krystallklarem Wasser gefüllt und ich konnte nicht umhin, eine derselben, welche eine Wassertiefe von über 140 Fuß zeigte und die ich auf der Rückkehr von meiner dritten Reise am linken Ufer des Molapo untersuchte, einen Miniatur-Felsensee zu nennen.—Ohne sie gesehen zu haben, glaube ich, daß Herrn Hübner's Klipdachs-Schlucht in die Kategorie dieser eigentümlichen Bodenbildungen gehört. So fand ich, daß viele Flüßchen im Gebiete des Vaal, Hart-River, Molapo und Marico (wohl auch des oberen Limpopo) ihren Ursprung in solchen engen Felsenlöchern nehmen, also da, wo das unterirdische Wasser nicht abfließen konnte und sich durch eine der trichterförmigen Oeffnungen nach oben Bahn brach. Wenn wir zu Farmen kommen, in deren Nähe sich solche Quellbächlein befinden, so wird unsere Aufmerksamkeit darauf gelenkt, daß diese Bächlein oft meilenweit, oft aber nur einige hundert Schritte weiter aufwärts, an einer marschigen Stelle entspringen und sich in deren Mitte neben anderen aufsprudelnden Quellen ein umschriebenes, 50 und mehr Fuß tiefes Loch wie im Felsen eingebohrt befindet. An allen diesen Stellen, selbst an solchen, welche blos unterirdischen Abfluß hatten, fand ich stets dieselben Fischspecies vor. Auf den wildreichen Ebenen zwischen dem Hart-River und dem Molapo lernte ich einen beschilften Sumpf kennen, der nach keiner Seite hin Abfluß zeigte und äußerst fisch- und vogelreich war; nach der beinahe die Mitte desselben einnehmenden größte Tiefe desselben zu schließen, hielt ich auch diesen für eine ähnliche Felsenöffnung. Der diese Felsenformation bedingende Kalkstein zeigt außer Quarzadern und anderen quarzhaltigen Mineralien Einschüsse von Blei, Kupfer, Eisen und Silber.

Am dritten Tage nach unserem Aufbruche von Potschefstroom erreichten wir Wonderfontein, mit welchem Namen die Boers die »wonderlichen« Grotten und Höhlen in den Felsen bezeichnen. Es ist nicht, wie in der Regel, der Name einer Farm, sondern der Sammelname für eine Anzahl solcher, welche nahe aneinander in ausgezeichneten Weidetriften im Thale des Moi-Rivers liegen. Es sind meist steinerne, ebenerdige, doch hohe, luftige Wohngebäude mit einem angebauten Wagenschuppen und in der Regel einer oder zwei meist aus Schilfrohr verfertigten zum Trocknen des hier eifrig cultivirten Tabaks gebrauchten Hütten. Von diesen Farmen wird jene, auf die wir zusteuerten, d.h. in deren Nähe sich der Eingang zu den Höhlen befindet, das eigentliche Wonderfontein genannt.

Die Ufer des Moi-Rivers, der hier einen breiten Bach darstellt und dem von beiden Seiten zahlreiche Quellen zuströmen, sind stellenweise sehr sumpfig und von Schilfrohrdickicht umsäumt, die für den Ornithologen ein förmlich unerschöpfliches Arbeitsfeld abgeben. Ein tausendstimmiges Pfeifen und Singen, Gezwitscher und Gackern tönt an unsere Ohren und versetzt uns in Verlegenheit, wohin zuerst unsere Schritte lenken.

Mit der Erlaubniß des Farmers schlugen wir unseren Lagerplatz unter hohen und schattigen seinen Pfirsichgarten umsäumenden Trauerweiden auf. Als wir jedoch nach dem Eingange der Höhle fragten, gab man uns zu verstehen, daß der Eingang wohl zu finden sei, daß man sich aber leicht in den Höhlen verirren könnte und es darum gerathen sei, den Besuch der Höhlen nur mit einem Führer zu unternehmen, wozu sich uns die Söhne des Farmers gegen ein Honorar von 1 £ St. per Person anboten. Da ich ja hauptsächlich der Höhlen halber nach Wonderfontein gekommen war, ließen wir uns diese Erpressung gefallen und nachdem sich auch einige bei dem Farmer zu Besuche weilende Verwandte desselben uns angeschlossen, machten wir uns auf den Weg.

Zwei Söhne des Farmers, die sich mit einem Bündelchen von Talglichtern versehen hatten, waren unsere Wegweiser. Wir überschritten das Flüßchen an seiner breiten, sehr seichten Furth, und hatten das rechte, felsige und bewaldete Ufer zu erklimmen. Nach einer Viertelstunde kamen wir zu einem uns entgegen gähnenden, senkrecht nach abwärts führenden Felsenloche, eine der engeren, doch tieferen trichterförmigen, vorher beschriebenen Felsenklüfte. Obgleich mir der Eintritt in die unterirdischen Höhlen theilweise die Berstungen im Felsen deutlich vor Augen führte, muß ich doch gestehen, daß ich mich schon durch diesen Eingang zur Höhle sehr enttäuscht fühlte. Ich dachte eine jener Höhlen zu finden, in welcher ich Knochenablagerungen von Thieren, der letzten geologischen Periode finden und so diese Lücke in der Geologie Süd-Afrika's ausfüllen hätte können.