Aus den Wänden des Trichters hervorragende Felsenblöcke ermöglichten es uns, den Boden der sich nach unten bis zu einer schmalen Spalte nach Nordnordwest verengenden und in schräger Richtung nach abwärts gegen (und untere) das Flußbett fortsetzenden Felsenöffnung zu gewinnen. Wir drangen in das Spaltengewirre ein; anfänglich waren es enge, niedrige Gänge, kaum so hoch, daß wir Einer nach dem Andern auf allen Vieren durchkriechen konnten, später verbreiterten sich dieselben bis zu 4 und 8 Fuß und erreichten dabei bis zu 10 Fuß Höhe. Beinahe alle verengten sich nach oben zu dünnen Spalten, aus denen das Wasser herabrieselnd und sickernd Stalaktiten erzeugte, ohne daß sich diese durch auffallende oder große Formen ausgezeichnet hätten. Leider hatten frühere Besucher schon die meisten abgeschlagen oder beschädigt, deren Bruchstücke bedeckten den Boden. An jenen Stellen—und deren gab es viele, denn die unterirdischen Felsenspalten, in denen wir uns bewegten, zeigten die Felsenmasse nach allen Richtungen gesprengt—wo sich zwei kreuzend begegneten, erhob sich über dem Beschauer eine Art Kuppe, etwas höher als die Zerklüftungen, doch auch nichts Bemerkenswertes bietend. Die Wände waren dunkelgrau, meist kahl und ziemlich glatt. Die Hälfte unserer unterirdischen Wanderung legten wir barfuß zurück, denn das von Osten nach Westen durch die Grotten strömende und plätschernde Bächlein floß in der Gesammtbreite des Ganges und wir konnten sein Murmeln schon beim Eintritte in die unterirdischen Spalten vernehmen. Je weiter wir nach Westen und Norden vordrangen, um so tiefer wurde das Wasser und gerade von jenen Gängen her schimmerten schöne, unbeschädigte Stalaktiten herüber, doch wir mußten das weitere Vordringen, der Weigerung unserer Führer wegen, aufgeben.
Ohne allzugroße Mühe, könnte man die engen Stellen zwischen den breiteren Zerklüftungen und dem Eingange, die schräg nach abwärts führende Partie des unterirdischen Ganges erweitern und ein kleines, kurzes Boot einführen und auf diese Art möglicher Weise das Ende der Gänge oder vielleicht größere Höhlenräume erreichen. Mir schien es, als ob auf der vom Flusse abgewandten Seite weniger gangbare und meist nur dünne, spaltenförmig sich fortsetzende Gänge liegen, die breiteren dagegen nach dem Flusse zu führen würden, so daß hier das eingeströmte Wasser die an und für sich engen Spalten vielleicht weiter und breiter ausgewaschen haben mußte.
[Grotte von Wonderfontein.]
Trotz unseres kurzen Aufenthaltes hatten wir in den Höhlen so manchen Begleiter gefunden, denn als wir sie verließen, da gaben uns diese in Unzahl bis zum Felsenausgang hinauf ihr treues Geleite und als Andenken sowohl an die Wonderfonteiner Höhlen, wie um meine Sammlung der Mamalia zu mehren, nahm ich zwei derselben zum nicht geringen Staunen unserer Führer mit, welche die flatternden Fledermäuse (Vespertiliones) nicht anzurühren wagten.
Wonderfontein ist einer jener Orte in Süd-Afrika, an welchen der Forscher getrost längere Zeit verweilen kann; seine Mühe wird hier reichlich belohnt. Thiere, Pflanzen wie Mineralien sind hier des Sammelns werth. Leider war mein Aufenthalt wegen der schon erwähnten Gründe nur auf drei Tage beschränkt und so konnte ich nur einen Einblick in die Natur der nächsten Umgebung gewinnen. Große wilde Vierfüßler gab es hier nicht mehr, sie waren seit etwa 15 Jahren ausgerottet, doch fanden sich noch Caloblepas Gorgon, Antilope albifrons und Euchore in Menge auf den nördlich sich erstreckenden Ebenen, während im hohen Ufergras, in seinen Binsen und den beschilften, doch trocken liegenden Partien einzeln oder paarweise, die schön gelblichbraune, mit ihren nach vorwärts gerichteten, kurzen, etwas hakenförmig gebogenen Hörnern versehene Rietbockgazelle ziemlich häufig anzutreffen war.
Unser Farmer bewies sich die Zeit unseres Aufenthaltes hindurch äußerst freundlich und lud uns mehrmals ein, seine auf die Jagd gehenden Söhne zu begleiten. Auf den Ebenen zur Rechten und Linken zeigten nicht selten frisch »eingefahrene« Löcher die Gegenwart der Schabrakenschakale, des Proteles und der gestreiften Hyäne, häufig waren Stachelschweine, Springhasen und kurzschwänzige Schuppenthiere zu finden. Zwischen dem Gestein bemerkte ich Genetta's und eine schwarz gestreifte Wieselart. Auf einem meiner mit Freund E. am jenseitigen Ufer unternommenen Ausflüge, als wir beide unsere Gewehre abgelegt, dem Treiben einiger großer Finkenarten im Röhricht unsere Aufmerksamkeit schenkten, hörte ich einige Schritte vor mir, dort wo eine Oeffnung im Schilfe den Blick auf eine Flußstelle freigab, ein Plätschern in dem klaren, murmelnden Gewässer. Es rührte von vier sich rasch stromaufwärts bewegenden, neben und hintereinander schwimmenden Fischottern her. Bevor wir unsere etwas hinter uns an einem Felsen angelehnten Gewehre ergreifen und benützen konnten, waren die Thiere im dichten Schilfe vor uns verschwunden. Die braunen Fischottern der südafrikanischen Flüsse sind gedrungener und kürzer als die europäische Art, haben ein weniger werthvolles Fell und halten sich an allen beschilften, fließenden Gewässern oder auch in den Tümpeln der Spruits auf. An den zahlreichen Stromschnellen, sowie in den tiefen Lachen, welche nach der Austrocknung der Flüßchen in ihrem Bette zurückbleiben und sehr zahlreiche Fische bergen, ist ihnen Gelegenheit geboten, feist zu werden, indem ihnen fast nie nachgestellt wird, außer wenn sie zufällig am Flusse angetroffen oder durch das Geschrei der Hähne zu einem Besuche menschlicher Wohnungen angelockt, von den Hunden angegriffen und getödtet werden, letzteres jedoch ein seltener Fall. Nur wo Eingeborne etwas dichter das Flußufer bewohnen, scheinen sie seltener zu sein, da ihnen diese, sowie deren Hunde (letztere des Fraßes halber) eifrig nachstellen. In den Flüssen des südlichen mittleren, westlichen und nördlichen Transvaal, wo selbst die Thäler der Flüsse marschig, und von ausgedehntem Röhricht bedeckt sind, finden die Thiere ihre besten Schlupfwinkel. Selten beobachtete ich sie in stabilen Wohnplätzen, meist jagen sie über größere Strecken, wobei ihre Jagd in den seichten Sümpfen nach Fischen und Crustaceen, auf dem hochbegrasten Ufer nach Mäusen und Ratten und in den mit Schilf dicht bestandenen tieferen Morast- und Flußpartien nach Vögeln äußerst lohnend sein muß.
In den Schilfdickichten beobachteten wir hängende Nester von Rohrfängern, von zinnoberrothen, schwarz gefleckten Feuer- und von dem schönen langschwänzigen Königsfinken (Vidua capensis). Diese schöne und wohl eine der größten Finkenarten besitzt ein bräunliches Winterkleid und ein schön sammtschwarzes Sommergewand. Die Schultern tragen je einen orangefarbenen Fleck, der sich namentlich auf dem dunkelfärbigen glänzenden Sommergewande prachtvoll ausnimmt. Doch außer dieser Auszeichnung, mit der die Natur den schmucken Vogel für die Periode des üppigen Lebens in der südlichen Hemisphäre bedacht, hat sie ihm noch eine andere zukommen lassen. Während im Winter der Schwanz des Vogels von normaler Länge ist, wächst er mit der zunehmenden Schwärze des Federgewandes im Sommer zu einem Busche von bis zu 18 Zoll langen Federn, welche den Vogel im Fluge hindern, ihm namentlich beim windigen Wetter den Flug so erschweren, daß er sich windabwärts tragen lassen muß. Dieser schöne Finke ist wie alle die im Röhricht lebenden Finkenarten ein sehr munterer Vogel, oft sieht man ihn sich im oberen Drittel der Schilfstengel wiegen und ausäugeln oder über den Morästen flattern; sowie er sich unbeachtet wähnt, läßt er sich in die unteren Schilfpartien herab, aus denen sein Gezwitscher ertönt. Wird er durch etwas in Aufregung versetzt, ist es ein anderer Finke, der sich an sein Nest wagt, oder eine plötzlich vor ihm sich aufrichtende Schlange, oder wird er als Gefangener von den Menschen geneckt, so bläst er seinen Hals auf, faucht, richtet die schönen, melirten Halsfedern zu einer Krause auf und trachtet mit seinem scharfen Schnabel Hiebe auszutheilen. Unstreitig gehört er zu den interessantesten Erscheinungen der südafrikanischen Vogelwelt.
Langohrige Eulen—echte Sumpfeulen fliegen auf, um sich nach kurzem Fluge am Rande des Sumpfes niederzulassen. Am meisten sind jedoch Wasservögel, Schwimm- wie Stelzenvögel, vertreten. Wir finden mehrere Arten der Strandläufer, Rohrdommel, kleine Silber- und gewöhnliche graue, doch auch Purpurreiher, eine Species Kampfhähne, ferner Blaßhühner, mehrere Wildentenarten und Taucher. Während der Forscher im Kahne nach Nestern und Eiern dieser Thiere fahnden kann, ist es den ihm längs der Ufer Folgenden möglich, die auffliegenden Thiere zu beobachten, oder die von ihm bezeichneten zu erlegen. Der reiche Blumenflor an den feuchteren Thalpartien begünstigt auch die Entwickelung einer vielartigen Insectenwelt und so sind denn die kleine Insecten wie Körner fressenden Vögel, Kolibris, Bienensauger und Schwalben zahlreich vertreten, die hier über den schönblüthigen Blumen, dort im Gebüsche, in den Gärten und bewaldeten Partien sich herumtummeln.