[Junger Boer.]

[Jagd auf Zibethyänen am Klipspruit.]

Auf der Höhe des Bergsattels befindet sich eine kleine, weniger tiefe Wasserlache, welche, obgleich seicht, wegen der steinigen Unterlage, bedeutend länger als tiefere Lachen in der Ebene und in manchen der Spruits ihr Wasser hält. Diese kleinen Höhenlachen sind zuweilen ein nennenswerthes Charakteristicum vieler Höhen, besonders der Sattel und Kämme des centralen südafrikanischen Hochplateaus, der Reisende begrüßt sie mit freudigem Herzen und den Neuling überraschen sie nicht selten da, wo er sie am wenigsten erwartet. Nachdem er oft lange, ebene Strecken durchreist, vergebens da, wo das Land eine Neige zeigte, nach Wasser geforscht, fruchtlos einem trockenen Flußbett stundenlang gefolgt und sich mühevoll—nur um seinen und den peinlichen Durst der am Wagen harrenden Gefährten zu stillen—durch Schilfbrüche Bahn gebrochen, ohne das begehrte Element zu finden, endlich zu dem Wagen zurückkehrt, die Reise fortsetzt, um noch die vor ihm liegende Höhe oder die sich quer über seine eingeschlagene Route ziehende Bodenerhebung oder Hügelkette zu erreichen und von den höheren Punkten Rundschau zu halten, findet er unerwartet oben auf der Höhe eine, wenn auch oft trübe, so doch volle Wasserlache. Welch' eine beseligende Ueberraschung für den Neuling, ein Schatz für den Veteran, der, ohne nach rechts oder links abzubiegen, ohne sich durch noch so viel trocken scheinende Schluchten oder Flußdickichte täuschen zu lassen, gerade auf die ihm schon bekannten oder Wasser versprechenden Bodenerhebungen lossteuert. Zur heißen Tageszeit wird leider das Wasser in diesen seichten Becken bedeutend erwärmt, doch in der Abendkühle ist es bedeutend kälter als jenes in den Morästen oder Spruitlachen und wenn es nicht durch häufig hier zur Tränke kommende Viehheerden verunreinigt wird, bedeutend reiner und namentlich frei von faulenden Substanzen.

Während ich auf der Reise vaalaufwärts meine Zeit meist zur Croquirung der Strecke verwendete, konnte ich mich nunmehr meinen Sammlungen und der Jagd widmen. Ich ging mit meinem treuen und bereits gute Dienste als Hühnerhund leistenden Niger in der Grasebene auf der einen, F. mit seinem Karabiner auf der anderen Seite, 2-400 Schritte vom Wagen entfernt, demselben als Eclaireurs voran. Die grauen und schwarzen Zwergtrappen (die großen Trappen Eupodotis caffra und Kori waren zu scheu), Rebhühner, Steppenhühner, rothfüßige Kibitze (in den Flügeln schwarzweiß gescheckt) und an den Flügeln bespornte Hoplopteri (an den feuchteren Stellen) bildeten meist unsere Beute. Niger (ein bei der während meines Aufenthaltes in den Diamantenfeldern unternommenen und bereits geschilderten Pavianjagd erworbener Hund) that sein Möglichstes.

Zwischen dem Baken- und Matschavisspruit hielt uns ein Vorfall, der zu den heiteren Zufällen dieser ersten Reise gerechnet werden muß, einige Stunden auf. Auf einer der Grasebenen zu unserer Linken erspähte Gert vom Bock aus, etwa zwei Meilen vom Wege entfernt, einen dunklen Gegenstand, der bald als ein einzelnes grasendes Thier erkannt war. Nach der Größe schien es ein Rind zu sein, doch war von einer Heerde oder einem Hirten nichts zu sehen, und so wurde der dunkle Gegenstand trotz den Einwendungen der beiden Diener, die uns Weißen nicht beistimmen wollten, für einen jener alten, von den Heerden wegen ihrer Reizbarkeit und Kampflust ausgestoßenen Gnu-Stiere angesehen, der allein, sein ferneres Dasein in der Verbannung fristen mußte. »Deinen Gefährten bist du nutzlos, desto eher kannst du in einem europäischen Museum paradiren, dachte ich und meine Freunde stimmten mit ein.« Die Vorsicht, mit der ich mich in die Nähe des vermeintlichen Wildes schlich, erwies sich jedoch bald überflüssig, denn schon auf 500 Schritte erkannte ich einen Bullen, der seinerseits nun mir eine größere Aufmerksamkeit zuwendete als mir lieb sein konnte und mit gesenkten Hörnern auf mich losging. Einige blinde Schüsse brachten ihn jedoch schließlich zum Nachgeben und verstimmt über diese Täuschung kehrte ich zum Wagen zurück. Das scharfe Korannagesicht hatte seine Ueberlegenheit über uns Europäer bewiesen.

Ohne Unfall passirten wir die Furth über den Schoenspruit und lagerten bald auf dem freien, zwischen dem Flusse und der nach Klerksdorp führenden Wasserleitung liegenden Rasenplatze. In unserer Nähe standen zwei einem Transvaaler Fuhrmann (Transportrider) gehörende Wägen. Der Eigentümer derselben kam an unseren Wagen und da wir eben Kaffee nahmen, wurde ihm ein »Becher« offerirt. Der Transportrider führte Güter, wie er glaubte, Kistchen mit französischen Weinen und Brandy, rothe Kistchen mit holländischem Gin, große Kisten mit englischem Bisquit, ferner solche mit eingelegten Früchten (Jam), sowie Picken, Schaufeln etc. im Ganzen 13.000 Pfund Gewicht auf den beiden Wägen, die ihm in den Diamantenfeldern aufgeladen wurden und die er nach den Goldfeldern zu schaffen hatte.

Nach der Berechnung unseres Gastes, der ziemlich geläufig englisch sprach, hoffte er nach Abzug aller Kosten 140 £ St. an diesem »Trip« (Fahrt) zu verdienen, so daß wir mit Zurechnung der Frachtauslagen von Port Elizabeth annehmen müssen, daß das Heraufschaffen der Güter von diesem Hafenorte bis Pilgrims-Rast (Leydenburger District) auf 300 £ St. zu stehen komme. Die Strecke von Port Elizabeth über Hope-Town, Kimberley (Diamantenfelder), Christiana, Klerksdorp, Potschefstroom, Pretoria, Middleburg und Leydenburg (Lydenburg) beträgt nahezu 1100 englische (etwas über 255 geographische) Meilen; für den Transport von 130 Centner war mithin die Fracht von 3450 fl. eine sehr hohe. Die meisten dieser sogenannten Transportrider (sprich »raider«) stehen sich gut, nur in trockenen Jahren und wenn sie Schneegestöber im Winter auf den Karoohochebenen ereilen, haben sie oft sehr viel zu leiden und können ihr gesammtes Zugvieh einbüßen. So weiß ich mich vor drei Jahren eines Falles zu erinnern, wo ein einziger Fuhrmann, der mit sechs Wägen nach der Cap-Kolonie fuhr, in einigen kalten Nächten 75 Stück Ochsen verlor. Die Weide war sehr schlecht, wenn er die Thiere auch drei Tage lang grasen ließ, hatten sie sich nicht genügend erholt und erfroren um so eher. Ich kenne auch Fälle, wo solche Fuhrleute beim Durchfahren größerer Flüsse, wie des Oranje-Rivers, im Flusse stecken blieben und bevor noch ausgiebige Hilfe ankam, war der Fluß gestiegen und der Fuhrmann verlor Wagen und Güter, die er ersetzen mußte, Vorfälle, die schon so manchen an den Bettelstab gebracht.