Nächsten Mittag spannten wir im Schatten einiger schöner Cameeldornbäume unfern der Furth des Maqwasi-River aus. Der vor wenigen Wochen hoch angeschwollene Fluß war nunmehr wieder zu einem dünnen in der Ebene sich hinschlängelnden Wasserfaden herabgesunken. Am jenseitigen Ufer standen einige Wägen ausgespannt. Sie waren sämmtlich mit Wein- und Branntweinfässern geladen, welche nach den Goldfeldern gebracht werden sollten. In einem nahen Ziegelhäuschen ging es sehr lärmend zu, man credenzte auch hier den Feuertrank, und vor dem Häuschen lagen auf der Erde im betrunkenen Zustande einige der zu den Wägen gehörenden schwarzen Diener, während zwei andere—auch unter demselben Einflusse—schreiend ihre Fertigkeit im Boxen an sich versuchen wollten. Der eine hatte seine schmutzige Jacke abgeworfen und schlug die Hemdärmel zurück, um sich für den Zweikampf »klar« zu machen, während sein Gefährte mit in der Hose steckenden Händen und mit ausgespreizten Beinen ihm die ärgsten Schmähworte zuschleuderte. »Du bist kein Hottentot nicht, nur ein elendige Boschman,« warf dieser ein. Das war zu viel für das erhitze Gemüth des braun-gelblichen Stammesbruders. »Ik ke Hottentott ni, so wahr ich eine Mutter habe (dies der gewöhnliche Schwur der Koranna) bin ich einer—nimm das—dafür Du drunken lap Du.« Und die eine der an die Brust gezogenen Fäuste traf den sich kaum im Gleichgewicht haltenden Gegner so dreist und wuchtig auf die Nasenwurzel, daß er mit einem »Allmachtag« nach rückwärts fiel und hoch mit den Beinen aufschlug.

Auf unserer Weiterfahrt nach Bloemhof begegneten wir zwei Fußgängern (Weißen), die nach monatelangem, erfolglosem »Diggen« in den Diamantenfeldern ihr Heil in den Leydenburger Goldfeldern zu finden gedachten. Der eine der Männer trug zusammengerollte Decken, der zweite in einem Ledersack Brod etc., sowie eine Theekanne und einen Becher. In dieser Verfassung dachten sie die Gesammtstrecke von über 115 geographischen Meilen Länge zurückzulegen. »Nachts schlafen wir unter einem Busche, polstern uns die Stelle weich mit Gras aus und überrascht uns ein Regen, so bleiben wir—wenn wir gerade nicht nahe an einem Farmhause sind, um Schutz in dem Wagenschuppen zu suchen—ruhig liegen, ist's ja nur Wasser, und reines Wasser, das da vom Himmel auf uns kommt.« Das war ein Paar jener Wettergebräunten, die man oft in den Diamantenfeldern begegnet und die von dem Glanze der Diamanten und des Goldes angezogen, die rauhesten Seiten des menschlichen Daseins kennen, ertragen und verachten gelernt hatten; und haben sie sich an dieses rauhe Leben, an dieses mit den größten Mühen und großen Kosten verbundene, selten oder fast nie zu befriedigende Jagen nach Reichthum gewöhnt, so sind sie den gesellschaftlichen Formen des Lebens entfremdet; außer daß sie—was ihnen jedoch in Süd-Afrika nicht leicht möglich ist—die eleganten Säle der Spielhöhlen besuchen.

Spät am Abend langten wir am Bamboesspruit an und übernachteten am diesseitigen Ufer, um die Furth nicht in der Nacht passiren zu müssen. Wir blieben bis gegen Mitternacht um das lodernde Feuer geschaart und besprachen die Gladiatorscene am Maqwasi-River, der wir ohne Eintrittskarten gelöst zu haben, beigewohnt hatten.

Am nächsten Tage legten wir die Tour durch die schon vorher erwähnten Grasebenen zurück, berührten die beiden an Salzpfannen liegenden Farmen Rietfontein und Coetzee's Farm und erreichten den folgenden Tag Bloemhof.

[Hallwater Farm.]

Nach kurzem Aufenthalte brachen wir noch am selben Tage nach der Hallwater Saltpan auf, um auf diesem kürzeren Wege nach Christiana zu gelangen. Diese Salzpfanne war im Jahre 1872 dadurch in Süd-Afrika berühmt geworden, daß man daselbst die Ruinen von Monopotapa (Monomotapa, Motapa, Mosogra etc.), einer in einem Reiche desselben Namens (das vor 200 Jahren noch existirte) liegenden Stadt, gefunden zu haben glaubte. Aus alten Chroniken ersehen wir, daß das ganze Centrum Süd- und des südlichen Central-Afrika von diesem Reiche eingenommen wurde, daß mit seinen Bewohnern—meist durch die an der Küste wohnenden Eingebornen als Zwischenträger—von Seite der portugiesischen und holländischen Händler ein lebhafter Handel getrieben wurde und man glaubte auch, daß bereits portugiesische Missionäre von Osten her bei den Bewohnern Monopotapa's gewirkt hätten. Den Chroniken entnehmen wir auch, daß die Städte meist in der Nähe von Goldminen erbaut und in unmittelbarer Nähe der Stadt Monopotapa selbst an 3000 bearbeitete Erdlöcher (Minen) zu finden waren. Man hatte nun in der Nähe der Hallwater Salzpfanne Steine vorgefunden, welche menschliche Arbeit und zwar meist Bruchstücke von Säulen, ferner Gesimsstücke—jedoch nur diese beiden Formen—darzustellen schienen, und da die Entfernung dieses Fundortes von Kapstadt mit der, in den Büchern als Entfernung zwischen der Stadt Monopotapa und Kapstadt angegebenen ziemlich übereinstimmt, glaubte man Monopotapa gefunden zu haben. Ich hielt deshalb die Stelle eines Besuches werth, um so mehr, als sie nicht weit, nur einige Meilen nordwärts von meinem Wege liegen sollte.

Am selben Tage, nachdem ich Bloemhof verlassen, traf ich bei der bezeichneten Salzpfanne ein. Obgleich nahe am Vaalflusse gelegen und zum Gebiete der Transvaal-Republik gerechnet, und obschon hier eine weiße Frau mit ihren Töchtern in einem Moodhouse wohnte, die uns sogar einlud, uns in ihrem Palaste niederzusetzen, fand ich, daß die Koranna's von Mamusa die eigentliche Herrschaft führten und diese auch bis zu Beginn des Jahres 1879 aufrecht zu halten wußten.

Die Stelle bildete die Südspitze eines Dreieckes mit der Basis gegen Mamusa und dem Hart-River zu, welches von Gassibone und Mankuruan (damals beide unabhängig), den Batlapinenchefs, Old-David Maschon, dem Korannakönig von Mamusa und den Holländern beansprucht wurde; bei dieser Sachlage waren nur die hier angesiedelten Farmer zu bedauern, denn auf sie fiel die Last aller Quälereien, sie waren der Sündenbock in allen Streitigkeiten.