In der Nähe der Salzpfanne, welche wohl das beste Kochsalz in dem Bloemhofer District liefert, und deshalb neben dem Graslande als Weide durch den Salzgewinn einen Erwerb in cash (in Baarem) abwarf, war eine Farm, ein besonders hervorstechender Punkt in »the disputed territory« (streitigem Gebiete). Außer dem aus rohem Thonboden verfertigten und nothdürftig mit Gras gedeckten Häuschen, das von der erwähnten Frau, entweder um ihr Vieh an der Pfanne weiden oder das Salz durch ihre Diener gewinnen zu lassen, bewohnt wurde, standen noch am Nordrande der Salzpfanne einige Korannahütten. Zwei etwa 12 Fuß tief in die Erde gegrabene Löcher lieferten einen kleinen Wasserstrahl, der durch einen Graben in eine Bucht geleitet, die Bewohner mit Wasser versah. An diesem äußerst schmutzigen Tümpel tummelten sich zahlreiche rothfüßige und einige Sporen-Kibitze, während im Wasser zahlreiche Wasserschildkröten und Frösche ihr genügsames Dasein fristeten.[[1]]

[1] Siehe [Anhang 9].

Die vorgehende Zeichnung der Hallwaterfarm habe ich im Jahre 1875 (zwei Jahre später) auf meiner dritten Reise aufgenommen. Wir sehen ein aus Thon aufgeführtes Häuschen und einige Hütten, in denen Koranna's hausten. Die Weißen hatten die Stelle bald nach meinem Abgange verlassen. Die Koranna's gewannen nun selbst das Salz, von dem sie 25 Pfund für eine halbe Krone verkauften. Einem Reisenden, der nach dem Innern Afrika's seine Schritte lenken will, würde ich es anrathen, sich hier mit einer genügenden Menge Salz zu versorgen, da er beim Einsalzen des Wildfleisches und Präpariren der Haut großer Säugethiere viel davon brauchen, allein nicht leicht wieder ein ähnlich gutes auf seiner weiteren Reise finden wird. Die hier lebenden Koranna's ernähren sich von Viehzucht, halten meist Rinder und Ziegen und besitzen einige schadhafte Wägen, in denen sie das Salz nach Bloemhof, Potschefstroom und den Diamantenfeldern zum Kaufe bringen und daselbst für 1 £ St. per mule (d.i. 200 Pfund) feilbieten. Oberhalb der Stelle, wo die trockenen Bäche einmünden, könnte die nächste Umgebung der Pfanne mit einem niedrigen Damm versehen, und von dem so gebildeten Weiher hinreichendes Wasser zur Bewässerung von Feldern gewonnen werden. Doch es gehört mehr als Koranna-Energie dazu, um einen solchen Versuch zu wagen; vielleicht wird es doch möglich werden, wenn hier, wie in Griqualand-West, die Eingebornen nicht mehr Gelegenheit haben, ihre Gedanken und Kräfte im Brandygenusse verkümmern zu lassen.

Während unseres ersten Aufenthaltes an der Hallwater Salzpfanne hatten wir auch Gelegenheit, das Batlapinengericht, »die Wanderheuschrecken«, zu verkosten. In der Asche gebraten wurden sie von einigen durchreisenden Batlapinen genossen, die Einen aßen sie mit »Haut und Haaren«, Einer riß die Füße und Flügel, der Klügste von Allen auch den Darmkanal aus; in der letzteren Verfassung versuchten wir dieses Gericht. Ich benützte die Gelegenheit, dieses noble Betschuana-Gericht allen Gourmands, wenn sie so weit gediehen sind, daß sie nichts mehr zu essen haben, oder daß ihnen nichts mehr pikant genug erscheint, als ein billiges und doch ungewöhnliches Ultimatum zu empfehlen. Wenn ich mich jedoch zu diesem freundschaftlichen Rath erkühne, ist es auch nöthig, des »Geschmacks« dieser Wildgattung Süd-Afrika's mit einigen Worten gedenken zu wollen. Derselbe ist jenem getrockneter, etwas ausgelaugter italienischer Sardellen ähnlich. Benützt wird nur die eigentliche südafrikanische Heuschrecke. Ich für meinen Theil fand das Thier als Köder zum Angeln ausgezeichnet, besser als Regenwürmer etc.; bei ihrem Schwärmen fallen Hunderte in die Flüsse den Fischen zur willkommenen Beute, sowie sie in den Lüften sowohl von dem kleinen Vogel, der sie mit beiden Fängen halten muß und stückweise verzehrt, bevor er mit ihnen fertig wird, als auch vom Adler und Kranich als besondere Leckerbissen angesehen und jeder anderen Nahrung vorgezogen werden.

Nachdem wir die kürzere Wegrichtung nach Christiana erfahren hatten, nahm ich mir vor, um die Gegend kennen zu lernen, meinen Weg nach Westen fortzusetzen, und erst unterhalb Christiana gegen Hebron auf die Route einzulenken, so daß ich auf diese Weise den südlichen Theil von Gassibone's Gebiet von Ostnordost nach Westsüdwest durchzog. In der Richtung, die wir einschlugen, gab es keinen fahrbaren Weg, wir mußten uns durch Gebüsche und über begraste Ebenen unseren Weg bahnen. Mir war es hauptsächlich darum zu thun, einen Ueberblick über die Gegend zu gewinnen, leider war mir dies nicht gestattet und ich entschloß mich, wegen der Beschwerden, die uns diese Reise bereitete, lieber die kürzeste Strecke nach dem Vaal einzuschlagen. Im selben Verhältnisse als die jede Aussicht benehmenden Büsche abnahmen, traten nun leider wieder die Kameeldornbäume in größeren Beständen auf.

Zahlreiche fahle Zwergtrappenpärchen, Deuker- und Steinbockgazellen wurden sichtbar, die ersteren Gazellen ruhig grasend, die letzteren nur wenn aus dem Gebüsch aufgescheucht, bemerkbar. Wir fanden auch Spuren von Hartebeest-Antilopen und solche, die den des Gnu ähnlich, doch wahrscheinlich jene des gestreiften Gnu's (Catoplepas Taurina, Gorgon) sind. Diese Spuren und die Hoffnung, das Wild selbst beobachten zu können, ließ uns den Wald willkommen heißen, allein um uns nicht zu sehr der Freude über den Wechsel im Charakter der Gegend und den damit in Aussicht gestellten Eroberungen genießen zu lassen, wurde unsere allgemeine Zufriedenheit schon während der ersten Stunden dieser, zwischen den wenn auch wenig dicht stehenden Bäumen unbequemen Fahrt durch den Umstand getrübt, daß wir kein Wasser aufzufinden vermochten.

[Koranna.]

Gegen Mittag stießen wir auf einen, den Fußspuren nach zu schließen, ziemlich betretenen Pfad und hielten in Mitte einer Lichtung Rast. Schon seit einigen Tagen war mir ein penetranter Fäulnißgeruch aufgefallen, welcher einer Kiste entströmte, in der ich die erbeuteten und präparirten Felle untergebracht hatte; es waren im Ganzen zwei schwarze Gnu-, drei Bläßbock- und zwei Springbockfelle, ferner solche von Schakalen, Proteles, Springhasen, Scharrthieren, Erdeichhörnchen und Klippschliefern. Da in der Kiste auch die Hörner der erlegten Thiere obenauf lagen, so schrieb ich diesen den fatalen Geruch zu; um mich aber darüber zu beruhigen, machte ich mich daran, die Kiste zu öffnen. Meine schlimmsten Befürchtungen waren noch weit überholt, alle Mühe und Plage war verloren, meine Wunden an den Händen schmerzten mich bei dem Anblicke der aller Haare entblößten, vom Regen aufgeweichten und in Folge dessen in Fäulniß vergangenen Felle doppelt heftig. Es blieb mir nichts übrig als die Felle zu opfern und mich mit den Hörnern zu begnügen, die ich von den Kopfskeletten herabsägen mußte. Während dieser Arbeit wurden wir durch Gäste überrascht, Batlapinen, die durch den Rauch des Lagerfeuers angelockt, nicht wenig erstaunt waren, im Walde Weiße mit einem Wagen zu finden.