Dem Rathe der Batlapinen nachkommend, verfolgten wir den Fußpfad und es währte nicht lange, so waren wir aus dem Walde heraus auf eine begraste, stellenweise dicht, doch niedrig bebuschte Ebene gekommen, welche ich für eine der an Kleinwild reichsten Stellen in Gassibone's Lande halte. Unter dem Kleinwild war die schmucke, kleine Steinbockgazelle vorherrschend, doch sahen wir auch drei Springböcke, die sich bald empfahlen, ohne uns auf Schußweite nahekommen zu lassen, sowie auch zwei gravitätisch neben einander einherschreitende Sekretäre, welche die weniger dicht und hochbegrasten Partien aufsuchend, eine Razzia auf Schlangen und Eidechsen hielten. Unter dem Federwild waren Rebhühner (meist paarweise) das häufigste Wild. Wir hielten einige 20 Minuten an der Batlapinen-»Post«, die Frauen waren mit der Herstellung einer neuen Umzäunung beschäftigt, die sie für ihre Ziegen aus Dornbüschen bereits halb aufgebaut hatten. Die Männer hatten zwei Hartebeestfelle, die rauhgar gegerbt waren, mit feuchter Erde überschüttet, um sie noch weicher und nachgiebiger zu machen und dann daraus eine Carosse verfertigen zu können.
Da ich in der Folge rasch reisen und mich nirgends länger als unumgänglich notwendig aufhalten wollte, entschloß ich mich, in der Nähe des Vaal angelangt, noch einen Tag am Ufer desselben zuzubringen, um zu fischen. Wir hatten kaum am Lagerplatze Feuer angezündet, als auch schon aus dem kaum eine halbe englische Meile entfernten Farmhause (unmittelbar am Flusse gelegen) der Farmer erschien und mir bedeutete, daß er mir nicht gestatten könne, hier zu übernachten. Ich wäre vom Wege »abgefahren« und auf dieses Vergehen stünde in der Republik 5 £ St. Strafe.
Ohne mich in weitere Unterhandlungen einzuladen, traf ich Anstalten zum Aufbruche. Unser Gefährte F. war noch so glücklich, vor unserer Abfahrt aus den Fluthen des Vaal einen etwa dreipfündigen Wels herauszufischen, ein Fang, der in das Menu unserer täglichen Mahlzeiten angenehme Abwechslung brachte.
Gegen Mitternacht hatten wir Christiana erreicht und gedachten nun, uns an einer Tasse heißen Thee's zu erwärmen, als wir die Entdeckung machten, daß wir die Kiste mit dem Kochgeschirr verloren hatten. Mich traf dieser Verlust sehr empfindlich, denn meine Mittel waren schon derart zur Neige gegangen, daß sie die Neubeschaffung des notwendigen Geschirres nicht zuließen. Freund E. half uns aus dieser Verlegenheit.
In Christiana hielten wir uns nur bis zu Mittag des folgenden Tages auf. Nach einer halbtägigen Fahrt erreichten wir den am Wege erbauten kleinen Eingebornenkraal, an dem wir, von Gassibone kommend, auf die Klipdrift-Christiana-Route gestoßen waren. Von hier bis nach den Diamantenfeldern zu hatte ich eine für mich vollkommen neue Strecke zu durchreisen. Den interessantesten Theil derselben bildet unstreitig die mittlere Partie, d. h. das Hebroner Höhennetz.
Der erste Theil der Strecke bis zum Fuße der Höhen ist flach, zeigt einige der bekannten, doch kleinen, von Wildgänsen (Chenalopes) und Kranichen aufgesuchten, länger als gewöhnlich mit Wasser gefüllten Salzpfannen. Der Vaalfluß entfernt sich von uns nach links in einem weiten Bogen und wir treffen ihn erst nach einem langen Doppelmarsche, indem wir die Secante zu diesem Kreisabschnitte beschreiben. Das Land nach links, eine prachtvolle Grasebene (das Land innerhalb des vom Flusse betriebenen Bogens), gehörte zu der Transvaal-Republik, jenes zu unserer Rechten, hochbegrast, hie und da von Büschen und kleinen Niederwald-Complexen bedeckt, Gassibone an; jetzt gehört beides zu der Transvaal-Colonie. Die Grasebene zu unserer Linken war eine der von den schon oft erwähnten Knurrhühnern (Otis afra) am dichtesten bevölkerten Jagdstellen, die ich auf meinen südafrikanischen Wanderungen kennen gelernt, es rauschte vor uns, neben uns, in der Ferne, auf beiden Seiten des Weges.
[Von der Arbeit heimkehrende Batlapinen.]
Unser Gefährte F. wollte, als er die Trappen so häufig auffliegen sah, wieder einmal Proben seiner weidmännischen Ausbildung geben und rühmte sich, mindestens einem halben Dutzend den Garaus zu machen. Doch bald kehrte er zum traulichen Herde am Wagen heim, traurig mit gesenktem Kopfe und—ohne Jagdbeute. Sein Gewehr war gut, sein Auge scharf, und die Rechte sicher wie immer, doch sein Pulver war »krumm« und warf die Schrote in jeder, nur nicht—wenn auch wohlgezielt—in der entsprechenden Richtung. Wer hätte auch dagegen ankämpfen können, wenn Diana neckend die Schrote zerstreute. Freund E. brachte zwei Knurrhühner und für mich zwei Stück schwarzweiß-gescheckte, unserer ähnlich gefärbten Art naheverwandte Würger.