Als ich bei einem der Krämer meine nöthigen Einkäufe besorgt hatte und meine Barschaft nachzählte, gewahrte ich, daß dieselbe auf 16 Shillinge herabgeschmolzen war. Mit diesem Gelde mußte ich bis nach den Diamantenfeldern gelangen. Ich mußte unter solchen Umständen trachten, so schnell als thunlich Dutoitspan zu erreichen, und da der Fährmann sich weigerte, uns des hohen Feiertags halber über den Fluß zu bringen, überdies seine Gehilfen derart betrunken waren, daß wir selbst am folgenden Tage keine Aussicht hatten über den Vaal zu kommen, entschloß ich mich nach abgehaltenem Kriegsrath selbst mein Glück zu versuchen und den Fluß an einer Furth zu übersetzen.

Mein Gefährte F., den ich auf Erkundigung ausgesandt hatte, kam bald mit der freudigen Nachricht zurück, eine sehr praktikable Furth gefunden zu haben. Wir waren bald darauf an der zwei Meilen stromabwärts befindlichen Stelle angelangt.

So einladend zur Rast die dicht bewachsenen Ufer auch waren, mein ganzes Sinnen und Trachten war auf die glückliche Durchfahrt durch den reißenden Fluß gerichtet. Aus dem Geäste der Bäume lockte so mancher schöne Vogel, doch vergeblich, denn meine Hände waren von kleinen Wunden wie besäet und schmerzten mich auf's Aeußerste, seitdem mich noch ein Scorpion gestochen hatte; das Gift des Arsenikpräparats und des Scorpion's vereinigten sich zu doppelter Wirkung.

Die Strahlen der scheidenden Sonne versprachen eine glückliche Ueberfahrt, doch sie zeigten sich trügerisch, der Fluß war wohl seicht, aber die Strömung so stark und das Bett des Flusses derart von Felsblöcken besäet, daß die Thiere sich entsetzlich abgemüht, bevor wir noch das erste Drittel der Flußbreite erreicht hatten, auch hatte die Strömung uns sichtlich von der Furth abwärts getrieben. Unsere Situation war sehr kritisch.

Trotz alles Antreibens und Schreiens von Seite der farbigen Diener konnten die Thiere nicht mehr von der Stelle und von der Strömung bedrängt, begannen sie sich zu bäumen, an den Jochen und dem Ziehtaue zu zerren, dabei sanken die vorderen Zugthiere immer tiefer ein und waren in Gefahr zu ersaufen. Da war rasches Handeln nöthig, und obgleich ich mit meinen wunden, verbundenen Händen nicht viel ausrichten konnte, so sprang ich sofort von F. gefolgt in's Wasser. Doch allen unseren vereinten Anstrengungen wollte es nicht gelingen, Thiere und Wagen aus der gefährlichen Situation zu befreien, es blieb uns nichts übrig, als die Thiere auszuspannen und mit unendlicher Mühe an das jenseitige Ufer zu bringen, sodann aus dem Wagen die Kisten mit dem heiklichsten Theile der Sammlungen hinüber zu transportiren und den Wagen im Flusse stehen zu lassen, bis Hilfe nahte. Ueber dieser anstrengenden Beschäftigung, während welcher ich auf den einzelnen Gängen zum Wagen zuletzt erliegen zu müssen glaubte, senkte die Nacht ihre dunklen Fittiche auf die Scene herab.

Es war eine traurige Nacht, die mich in steter Aufregung über das Schicksal unseres Wagens erhielt. Endlich dämmerte es im Osten und aus der Ferne vornahmen wir am jenseitigen Ufer Peitschengeknalle,—die ersehnte Hilfe nahte. Es waren vier je mit 6-8 Ochsenpaaren bespannte, von Korauna's geleitete Wägen. Ohne weiteren Aufenthalt gelangten dieselben an unser Ufer und gegen eine Entschädigung von 10 Shillingen willigten die Fuhrleute ein, unseren Wagen aus dem Flusse herauszubringen, was denn auch bald geschehen war.

Wir fuhren noch am selben Tage bis River-Town, einem der früher berühmten Diamanten-Fundorte, von welchem aus die Uferhöhen als Fortsetzung der Hebroner Höhen sich zu entwickeln beginnen. Der Fluß wird hier von mehreren Felsenriffen und riesigen Felsenblöcken durchsetzt, von welch' letzteren, einige jener Gravirungen von Thieren und Gestirnen (Säugethieren, Schildkröten, Schlangen, Sonne etc.) zeigen, mit denen sich die Buschmänner in Süd-Afrika unsterblich gemacht haben. Auch an einer der nahe anliegenden Höhen finden sich ähnliche Producte dieses Volksstammes, auf den und auf dessen Zeichnungen etc. ich bei meiner Rückreise durch die Colonie noch zurückkommen werde. River-Town war in einem ziemlich großen Umfange ausgemessen worden, ist aber, bevor noch die in Zelten Wohnenden ihre Mühe in den Diamantengruben gelohnt fanden und zum Baue stabiler Wohnungen schreiten konnten, von anderen Orten überflügelt worden, so daß wir nur zwei Familien noch diggend am Ufer des Vaalflusses antrafen; ein geräumiges Hotel und eine Segeltuchcantine waren die letzten Ueberbleibsel von River-Towns früherer Glanzperiode. Ich blieb in River-Town über Nacht und reiste erst am Nachmittage ab, da ich in den tiefen »Claims« einige interessante quarzhaltige Mineralien und so manche Coleoptera-Species an den Abhängen sammeln konnte.

Am nächsten Tage hatten wir einen so beschwerlichen Marsch, daß wir erst am folgenden in den Diamantenfeldern anlangten. Die Strecke beträgt 15 englische Meilen, allein der bei weitem größte Theil davon wird durch tiefsandige Flächen, eines der größten Hindernisse auf südafrikanischen Reisen, gebildet. Die Ebenen zeigten kaum nennenswerthe, wellenförmige Erhebungen, der stark quarz- und eisenhaltige Sand war mit hohem, büschelförmig wucherndem Gras bewachsen. Stellenweise fand ich eine kleine, kaum 2 Fuß hohe, mimosenartige Pflanze, welche große braune, mit 2-5 Körnern gefüllte Schoten trug. An Wild beobachteten wir in dem gruppenweise stehenden Niedergebüsch Deuker und Steinbockgazellen, Hasen, Tauben, Knurrhühner und Trappen; nach den vielen Löchern zu urtheilen, mußte es hier zahlreiche Erdthiere geben. Auch war die Ausbeute an Käfern trotz der Einförmigkeit der Gegend und der Vegetation eine recht lohnende.