Ich will nur eines Beispiels aus Mackenzie’s Erfahrung hier erwähnen. Der Tapferste der Tapferen in Moselikatze’s Heer war Monjebe, einer seiner ersten Häuptlinge, doch weil er seiner Tugenden halber oft vom König mit Geschenken ausgezeichnet war, blickten die übrigen Induna’s neiderfüllt auf den Günstling und ließen nicht ab, ihn fortwährend beim Könige der Zauberei und Verschwörung anzuklagen. Anstatt Monjebe zur Verantwortung zu ziehen, hielt Moselikatze das Ganze geheim, lieh leider endlich sein Ohr den Verleumdern und gab ihnen auch das Recht, Monjebe zu tödten. Am folgenden Morgen waren von dem Gehöfte des letzteren nichts mehr als einige rauchende Pfähle zu erblicken. Als mein Freund Mackenzie im Jahre 1863 das Matabele-Land besuchte, traf er nur einige Zulukrieger. Die Männer in der »Blüthe« waren Betschuana, welche Moselikatze als Knaben während seines Aufenthaltes im Transvaal-Territorium und auf seinen Zügen geraubt oder als Abgabe erpreßt hatte. Die jungen Regimenter bestanden meist aus Makalaka- und Maschona-Jünglingen.
Im Frieden haben die Knaben die Heerden zu hüten, kommen sie heim, so müssen sie sich im Gebrauche der Waffen üben. Diese Leibesbewegung stählt und kräftigt ihren Körper derart, daß man einen Masarwa aus dem Kalahari-Bushveldt und einen der unter den Matabele aufwuchs, nicht als Männer eines Stammes ansehen würde. Die Matabele-Krieger leben in Baraken, ein Bild der Häuslichkeit ist nirgends zu sehen. Nur den Häuptlingen, und in Ausnahmsfällen einem Krieger ist es gestattet, das ihm als Beute übergebene geraubte Mädchen als seine Frau, nicht als seine Sklavin zu betrachten, obgleich beide wohl das gleiche Los tragen. Der König hinderte die einzelnen Stämme nicht, den ihnen zukommenden abergläubischen Gebräuchen getreu zu bleiben, erlaubte aber auch nicht, daß einer seiner Leute Christ werde. Das Matabele-Land wurde zuerst von Missionären aufgesucht, dann folgten Elfenbeinhändler; sie kauften von diesen wohl Gewehre und Schießbedarf, aber keine Kleidung.
Jahr für Jahr begehen die Matabele, bevor sie auf ihre Raubzüge ausziehen, den der Gottheit geweihten Tanz Pina ea Morimo. Zu diesem finden sich die Krieger in voller Kleidung auf dem Paradeplatze ein, Kopf, Brust und Hüften mit einem aus schwarzen Straußfedern verfertigten Gewande geschmückt. Den versammelten Kriegern wird ein schwarzer Stier vorgeführt und dieser so lange gejagt und gehetzt, bis er von Schweiß und Schaum bedeckt, wie gelähmt, niederstürzt. Nun wird dem Thiere das Schulterblatt mit einigen künstlich geführten Schnitten sammt der Muskulatur ausgeschält und an einem kleinen Feuerchen zwei bis drei Minuten lang geröstet, das Fleisch in kleine Stückchen geschnitten und in diesem halbrohen Zustande von den heranstürzenden Kriegern verschlungen. Der Genuß desselben soll sie besonders stark und tapfer machen.
Rings um die Niederlassung der Weißen am Tatiflusse erheben sich kleine Hügel, welche theils aus Eisenglimmerschiefer, Quarz und Granit bestehen und theils einzelne Höhenkuppen, theils den Abfall des Rhamakoban-Tatiflusses bilden. Ich unternahm Ausflüge nach allen Richtungen hin, doch hieß man mich die größte Vorsicht gebrauchen, da es in der Umgebung von Löwen wimmeln sollte.
Am 30. besuchte ich zuerst die beiden von den Weißen bewohnten Wohnungen. Pit Jacobs, der holländische Jäger, war, von seinem Sohne begleitet, auf Elephantenjagd ausgezogen. Gegen Abend suchte ich das rechte Flußufer aus und erbeutete dabei einige Virivas colius. Am folgenden Tage besuchte ich die umliegenden Höhen und fand, daß man überall bis zu fünfzig Fuß tief Minen gegraben hatte, um Goldadern auf die Spur zu kommen. Auf dem nördlichen Hügel, der mit dem Tati-Abhang in Verbindung stand, fand ich Ruinen in Form einer Mauer, auf der höheren Kuppe eine kleinere Umwallung, auf der niedrigeren eine dreimal umfangreichere. Die erstere war 1 bis 1½, die letztere 1½ bis 2 Meter hoch und beiderseits 1 bis 1¼ Meter breit und ohne jeglichen Cement aus Eisenglimmerschieferziegeln errichtet. Während die Innenseite der Mauer immer gleichförmig aus drei bis zehn Centimeter starken, zehn bis fünfzig Centimeter langen und zehn bis zwanzig Centimeter breiten viereckigen Platten errichtet war, fand ich an der Außenseite der Mauer, daß hier wohl der Verzierung halber zwei Reihen kleinerer schief und dachziegelförmig gegen einander gelegte Platten einander unter einem rechten Winkel deckten (siehe das vorstehende Bild). Beide Umwallungen haben einen Eingang von Norden, bei der größeren war dieser Eingang dadurch geschützt, daß der rechte Mauerflügel nach außen vortrat und daß vom linken eine gerade Mauer nach Innen zu gegen die Mitte der Umwallung lief. Im Allgemeinen waren diese Ruinen den am Schascha-River vorgefundenen ähnlich geformt und mochten wohl von einem Stamme der Goldgewinnung halber errichtet worden sein. Auch hier hoffe ich auf der nächsten Reise Nachgrabungen anzustellen und zu entscheiden, ob sie von den im Osten lebenden Maschona’s oder von den Bewohnern Monopotapa’s errichtet wurden. Abends besuchte ich den zurückgekehrten, zweitgrößten Elephantenjäger Süd-Afrika´s Pit Jacobs und hörte gespannt seinen Mittheilungen aus seiner fünfundzwanzigjährigen Jägerlaufbahn zu.
Am Vormittag des 2. April besuchte ich auch den Verweser des Herrn Brown, um den Ankauf einiger Utensilien zu besorgen. Wir waren eben mit den letzteren beschäftigt, als ein Schwarzer mit dem Rufe hereinstürzte: »Löwen, Löwen unter der Heerde!« Obgleich an mehreren Stellen im Innern Löwen sehr zahlreich sind, so ist mir doch keine bekannt, an welcher dieses gewaltige Raubthier so kühn und verwegen auftreten würde, als in der Umgebung der Tati-Station. Als noch die Goldgräber hier arbeiteten, hatten sie von den Thieren sehr viel zu leiden. Hier geschah es damals, daß die Löwen über einen zwei Meter hohen und an seiner Basis ebenso breiten aus Dornästen erbauten Kraalzaun setzten, um die Zugthiere darin zu erwürgen. Sehr oft fanden Jacobs und Brown, daß Löwen in der Nacht zwischen ihren Wohnungen sich herumgetummelt hatten. Als der Minenbetrieb hier noch im Gange war, wurde eines Morgens einer der schwarzen Arbeiter, als er eben aus seiner Hütte treten wollte, um Brennholz für die Dampfmaschine zu sammeln, von einem Löwen angegriffen, und des Mannes Leben nur durch den Umstand gerettet, daß der Angreifer ein altes Thier mit stumpfen Zähnen war.
Während meines Aufenthaltes in der Tati-Station wurde eine Löwin in meiner Gegenwart erlegt. Am Tage als wir abreisten, wurden sieben Löwen am Wege vor uns gesehen. Acht Tage nach meiner Abreise schoß Pit Jacobs einen männlichen Löwen und wenige Tage darauf holte sich ein Löwe in der Nacht Herrn Brown’s Pferd aus dem Stalle, der, weil in einer Pfahlumzäunung erbaut, nach dem Wohngebäude zu offen war. Diese Vorfälle mögen dem Leser eine Idee von der Dreistigkeit und Keckheit der Löwen in Tati geben.
Nach der von dem Schwarzen erhaltenen Nachricht waren wir sofort bereit, das in die Heerde eingebrochene Raubthier zu züchtigen. Ich lief zu unserem etwa vierhundert Schritte vom Flusse abseits liegenden Lager, um mich mit meinem Snyder und Patronen zu versorgen. Als Bradshaw von dem Vorfalle hörte, schloß er sich mir mit seinem Vorderlader (einem Doppelgewehre) an, mit dem er wahre Wunder wirkte. Den mit Ruinen gekrönten Hügel zur Linken lassend, bewegten wir uns, das linke Ufer entlang, thalaufwärts. Dieses war nur etwa zwei- bis dreihundert Schritte breit, von bebuschten Höhen zur Rechten umsäumt, stellenweise bebuscht, dagegen unmittelbar am Flusse in einer Breite von etwa hundert Meter ziemlich dicht mit Mimosen bestanden. Außer mir und Bradshaw und einigen zwanzig mittelmäßig bewaffneten Schwarzen betheiligten sich noch ein Sohn Pit Jacobs’ und der ausgezeichnete Halbkastjäger Africa, die beiden letzteren zu Pferde, an der Verfolgung. Während des Marsches berichtete uns der Diener, daß der Angriff des Raubthieres auf die Heerde an einem erst gestern im sandigen Bette des Flusses gegrabenen Tränkloche geschah. Das Flußbett war hier etwa hundert Schritte breit, etwa dreißig Schritte von unserem Ufer erhob sich in demselben eine kleine dichtbebuschte Insel, zwischen ihr und unserem Ufer die genannte Lache. Als sich nun die Heerde zur Tränke versammelt hatte, stürzte plötzlich von jener Insel eine Löwin auf dieselbe, die Thiere flohen an’s Ufer und die Löwin zerbiß, einer Kuh nachsetzend (ganz gegen die sonstige Gewohnheit der Löwen), dieser die Fußgelenke, so daß sie ihr Opfer zum Falle brachte. Dies geschah unter einem Mimosenbaume, auf welchem bei dem ersten Erscheinen des Löwen der eine der beiden unbewaffneten Hirten Zuflucht genommen hatte; sein Hund aber blieb in der Nähe des Baumes und umkreiste laut bellend das Raubthier. Dem Hundegebelle folgend, kamen wir auf eine kleine, unmittelbar am Flusse gelegene Lichtung, und sahen den Kopf eines Rindes über das Gras herausragen. Africa hatte jedoch schon vom Pferde aus das Raubthier erblickt, und bevor wir uns dessen versahen, donnerte seine Elephantenbüchse. Nun erst sah ich wie eben der Kopf der hinter der Kuh in dem Grase hockenden Löwin in dasselbe zurücksank. Der Schütze hatte dem Raubthiere die Wirbelsäule am Epistropheus zerschmettert. Unmittelbar nach dem Schusse war der die Löwin in ihrem Fraße so beunruhigende und schon durch andere Vorfälle den Weißen von Tati so wohl bekannte Hund auf die Löwin losgesprungen und hatte ihr, sie an dem einen Ohre fassend, den Kopf zurückgerissen. Dann stürzten die Matabele auf die Löwin und hieben auf das todte Thier los. Ohne die Kuh getötet zu haben, hatte die Löwin derselben oben neben dem Kreuze ein Loch in den Leib gebissen und verzehrte die mit ihren Klauen herausgerissenen Eingeweide. Wir befreiten sofort das arme Thier von seinen Leiden und Africa verehrte mir das Fell des Raubthieres.[17]
Seitdem ich Africa am Tschobe begegnet, war er seiner Straußen- und Elephantenjagden halber von Khama des Landes verwiesen worden und nun nach Tati gekommen, um gegen Bezahlung von La Bengula die Erlaubniß zur Straußenjagd zu erhalten. Meine Zeit bis zum 7. benützte ich hauptsächlich zur geologischen Untersuchung der nächsten Umgebung, sowie zur Aufzeichnung der interessantesten Jagderlebnisse von Pit Jacobs und Bradshaws und eines dritten zugereisten Boerjägers. Am 6. besuchte der Sohn Africa’s seine Eltern, er brachte das Fleisch eines Kudu für dieselben mit, und hieß uns alle sehr vorsichtig sein, da er an seinem zwei Stunden entfernten Lager allnächtlich von Löwen beunruhigt wurde. Am folgenden Tage kam von Süden her über Schoschong ein Elfenbeinhändler, der, in seinem Geschäfte äußerst tüchtig, alles andere nicht zu beachten schien. Er klagte über Wassermangel zwischen Schoschong und Tati und über die Häufigkeit der Löwen auf dieser Strecke.
Westbeech und sein Compagnon Philipp, sowie ein anderer Elfenbeinhändler F. und Herr Brown mit seiner jungen Frau kamen am nächsten Tage von Gubulowajo zurück. Der erstere brachte eine von La Bengula mit einem † unterzeichnete Vollmacht, Elephantenjäger gegen Begleichung eines gesalzenen Pferdes in seinem westlichen Territorium jagen lassen zu dürfen. Herr Brown sowie der zugereiste Elfenbeinhändler theilten mir sehr interessante Einzelheiten über die Grausamkeiten der Matabele mit. La Bengula besitzt eine Schwester, eine sehr wohlbeleibte Person, welche einigen Einfluß auf den König ausübt. Als ihr einst W. vorwarf, warum sie sich keinen Gemahl wähle, gab sie ihm den Bescheid, sie sei zu corpulent, um gehen zu können, und da außer dem Könige Niemand im Lande einen Wagen besitze, müsse sie auf einen Ehegemahl verzichten. So oft ich an diesen Händler denke, muß ich stets bedauern, daß er seine Gunst, deren er sich von Seite La Bengula’s erfreute, nicht zu allgemeinem Nutzen geltend machte, daß er sich Sepopo gegenüber zu nachgiebig zeigte und so dessen Gunst, und durch mancherlei andere Umstände jene Khama’s verscherzte.