Am 27. zogen wir, nachdem wir den sandigen Schascha überschritten, der sich mit dem felsigen verbindet und nachdem wir zwölf Zuflüsse des ersteren gekreuzt, bis zu dem Punkte, wo wir den sandigen in seinem Oberlaufe zum letzten Male berührten. Namentlich an dieser Stelle bot sich uns eine der schönsten Scenerien des Westmatabele-Landes dar. Der Reichthum der Pflanzenformen in dieser Gegend war in jeder Beziehung überraschend; da hier auch zahllose kleinere und größere, verschiedenen Arten angehörende Euphorbiaceen-Stämme im vermoderten Zustande den Boden der bewaldeten Höhenabhänge bedeckten, so fanden sich in ihren Höhlungen zahlreiche Scolopender und zwei Scorpion-Arten, auch Eidechsen und zahlreiche Insecten. Glücklicherweise hatte sich während meiner Reise durch das Makalaka-Land kein Fieberrückfall einstellt, und obwohl immer kränklich, konnte ich doch die meinen Sammeleifer anregenden Gelegenheiten benützen. Die kurzen flußauf- und abwärts unternommenen Ausflüge waren sehr lohnend. Hier war das Felsenbett sandig, dort wieder eine einzige Ebene oder gewölbte Granitplatte, welche stellenweise ein natürliches, tiefes oder seichtes Becken oder Rinnen einschloß, durch welche sich ein dünner Strahl seinen Weg nach dem Süden bahnte, um sich nach und nach in sumpfigen und sandigen Partien des Flußbettes zu verlieren. Wir überschritten nun den Tatifluß, dessen tiefsandiges breites Bett und sehr steile Ufer uns nicht geringe Schwierigkeiten bereitete.

Am 29. kamen wir in das Thal des Rhamakoban-Flusses, an dessen rechtem Ufer wir dahinzogen, wir überschritten weiterhin drei Regenzuflüsse des Tatiflusses, sowie vierzehn, die nach heftigem Regen dem Rhamakoban zueilten. Das Land am Rhamakoban-River ist seines Wildreichthums wegen unter den Elephantenjägern wohl bekannt; Giraffen, Tigerpferde, Roen-Antilopen, graue Pallah’s, Harris-Antilopen, Gnu’s, Löwen, Hyänen und Trappen gehören zu den häufigsten Wildorten und unter den größeren sind Nashorne und Strauße keine Seltenheit. Auch am 30. reisten wir so eilig wie am vorhergehenden Tage, da Bradshaw, der nach dem Abgange Westbeech’s die Leitung aller Wägen übernommen, über Mangel an Korn, Mehl, Thee, Zucker und Salz klagte und sich beeilte, die Handelsstation am Tatiflusse so bald als möglich zu erreichen. Nach Ueberschreitung von acht rechtsseitigen Zuflüssen des Rhamakoban, verfolgten wir das Thal desselben und verließen es erst am Nachmittage, um das zwischen demselben und dem Tatiflusse gelegene Hochland zu durchziehen. Auch auf dieser Strecke konnte ich anziehende Felsenformationen beobachten, welche ich der Reihe nach (von Norden nach Süden) »den Altar«, »die Gedenktafeln« und die »weißen Marksteine« nannte. In den letzten Tagen war der Mapanibaum wieder häufiger aufgetreten, und die am Nachmittage durchreiste Strecke bestand eigentlich aus einem einzigen, durch größere und kleinere Lichtungen unterbrochenen Mapaniwalde. Nahe an den weißen Marksteinen mündete der nach dem centralen Matabele-Land führende Weg in unser Geleise.

Am 31. langten wir an den Ufern des Tati an und erblickten am Abhange der niederen Tatihöhen einige im europäischen Style ausgeführte Gebäude, von welchen indeß nur zwei bewohnt waren. Das eine hatte der Elephantenjäger Pit Jacobs, das zweite der schottische Elfenbeinhändler Brown inne. Noch vor wenigen Jahren ging es hier sehr lebendig zu. Goldsucher aus allen Welttheilen waren zusammengeströmt, um des edelsten der Metalle habhaft zu werden, doch sie fanden statt Alluvial-, Quarzgold, was ihre Erwartungen bedeutend herabstimmte und schon nach kurzer Zeit ihre Reihen beträchtlich lichtete. Compagnien übernahmen nun die Arbeit, doch auch sie ließen nach und nach vom Betriebe ab, als sich ihre Maschinerien unzulänglich erwiesen. Die Hauptschuld am Mißerfolge war wohl die bedeutende Entfernung von der Küste, da selbst die einfachste Maschine nur mit dem fünf- und sechsfachen Kostenaufwande ihres Werthes hierhergebracht werden konnte.

Man fand sieben Unzen Gold auf eine Tonne Quarz, doch man theilte mir auch mit, daß stellenweise bis zu vierundzwanzig Unzen aus einer Tonne gewonnen wurden. Herr Brown, der ein Tauschgeschäft hatte, fungirte zugleich als Agent der aufgelösten Kompagnie, da noch einiges von dem Eigenthume derselben zurückgeblieben war. Im Thale des Tatiflusses, eine kurze Strecke unterhalb der Besitzung, fand ich noch die Ueberreste der Dampfmaschine, mit der man den Quarz zerkleinert hatte. Das goldhaltige Gestein wurde von einer eine Gehstunde weit landeinwärts am linken Ufer liegenden Stelle geholt, und als eben die seichten Goldgruben sich mit Wasser zu füllen begannen, fehlte es an einer zweiten Dampfmaschine, um sie zu entleeren, weshalb die Arbeit aufgegeben wurde. Bei unserer Ankunft war Herr Brown nicht anwesend, sondern auf einem Besuch in Gubuluwajo, um daselbst durch den Missionär Herrn Thompson mit Fräulein Jacobs getraut zu werden. Wir fanden jedoch bei seinem Geschäftsführer eine freundliche Aufnahme und hatten hier die Rückkehr Westbeech’s zu erwarten.

Außer den genannten Personen war ich nicht wenig erstaunt, die bei der Reise nach Norden am Henryspan angetroffenen Lotriet-Familien in einigen Grashütten wohnend, wiederzufinden. Alle aus dem Bamangwato-Lande im Allgemeinen von Süden nach dem Matabele-Lande fahrenden Wägen haben in Tati zu halten und sich mit einem neuen Gespann zu versehen. Die Matabele-Händler halten sich schon immer eines bereit, um nicht unnütz aufgehalten zu werden. Diese Maßregel war von dem Könige erlassen worden, um das Einschleppen der Roiwatter-Krankheit zu verhüten. Die Matabele besaßen einst eine große Anzahl von Viehheerden, welche größtenteils den umwohnenden Völkern geraubt waren, doch die vom Süden eingeschleppte Lungenseuche hatte unter den Thieren schrecklich aufgeräumt.

In Tati liegt immer eine Truppe Matabele-Männer, welche das Land nach Südosten zu bewachen haben; zur Zeit meiner Ankunft waren die Leute darauf erpicht, zufällig eintreffende Weiße nach Möglichkeit zu quälen und den von den Diamantenfeldern mit Gewehren heimkehrenden Makalaka’s, nachdem sie die Ankommenden aufgefangen und durchgeprügelt hatten, die Gewehre und den Schießbedarf in des Königs Namen abzunehmen.

Das Matabele-Königreich war zur Zeit meines ersten Besuches das zweitmächtigste Eingebornenreich südlich vom Zambesi, gegenwärtig nach der Niederwerfung der südlichen Zulu’s ist das Reich der nördlichen, d. h. der Matabele als das mächtigste anzusehen. Es hat eine Längenausdehnung von etwa achtzig bis neunzig, eine Breite von fünfzig bis sechzig geographische Meilen. Nach Mackenzie war der Gründer dieses weitläufigen Reiches ein Sohn Matschobane’s, eines Zulu-Häuptlings in Natal. Als Tschaka, der mächtigste der Zulu-Häuptlinge, seine Nachbarn unterjochte, wurde auch Moselikatze gefangen. Auf einem Raubzuge begriffen, den er im Auftrage Tschaka’s unternahm, welcher seinen Muth kennen gelernt hatte, wandte er sich mit den geraubten Heerden nach dem Herzen der jetzigen Transvaal-Colonie, unterjochte die Bakhatla-, Baharutse- und andere Betschuana-Stämme und ließ sich in dem am Marico und seinen Zuflüssen liegenden Höhenlande nieder. Hier wurde er von dem Griquachef Berend-Berend angegriffen, der nicht nur abgewiesen, sondern auf’s Haupt geschlagen wurde. Damit war aber nur der Reigen der gegen ihn gerichteten Angriffe eröffnet, es tauchten immer wieder neue Feinde auf. Zuerst waren es zwei Zulu-Heerhaufen, welche von Tschaka und einer von dessen Nachfolger Dingan dem Flüchtigen, doch erfolglos, nachgesendet wurden. Dann waren es die dem Transvaal-Gebiete sich nähernden Boers, welche, den gefährlichen Nachbar wohl erkennend, seiner los werden und das schöne Land am Marico erobern wollten. Sie griffen im Jahre 1836 unter Gert Maric Moselikatze am Fuße einer Höhe in dem genannten Territorium an; der Kampf endete mit einer vollständigen Niederlage des Zulu-Häuptlings, worauf Moselikatze mit dem Reste seiner Leute, unter denen sich nur vierzig Ringköpfe (eigentliche Krieger) befanden, das Land verließ und die Länder verwüstend, gegen den Zambesi zog, um jenseits dieses Stromes ein neues Reich zu gründen. Doch was Menschenhand nicht vermocht hatte, that die kleine Tsetsefliege, sie warf den Zuluwolf zurück. Dieser fiel nun erst über ein, dann über ein zweites Makalaka-Dorf und nach und nach über die einzelnen Makalaka-Königreiche, dann über jene der Manansa etc. her. In der Stille der Nacht überfiel er die Dörfer der Ackerbauer, steckte sie in Brand, tödtete die herausstürzenden Männer und raubte die Frauen, Kinder und Viehheerden; in dieser Weise wuchs seine Macht, und so schuf er ein neues Zulu-Reich in Süd-Afrika. Die geraubten Knaben wurden den Kriegern zum Unterrichte im Kriegsdienste anvertraut, jene, die schon Waffen zu tragen vermochten, sofort eingereiht. Die Frauen wurden den Kriegern geliehen, die Heerden wurden königliches Eigenthum und diente zur Erhaltung der anfangs in Rotten, später in Regimenter eingereihten Krieger. Als jedoch Moselikatze bemerkte, daß seine Krieger die ihnen zugewiesenen Makalaka-Frauen nicht als Beute behandelten, sondern milde gegen sie auftraten, fürchtete er ihre Verweichlichung und ordnete eine Schlächterei der seinem Zwecke gefährlich scheinenden Frauen an. Die Krieger folgten auch den Befehlen und schlugen ohne Ausnahme ihre neuen Frauen todt. Jährlich unternahm der König Raubzüge in die benachbarten Länder und Tausende von Unschuldigen wurden auf diese Weise geschlachtet. Denn außer den Männern wurden auch die arbeitsunfähigen Greise und die Frauen, Säuglinge und überhaupt kleine Kinder getödtet.

Ich will es versuchen, im Folgenden das Regiment der Matabele-Zulu in kurzen Zügen zu schildern; außer meinen eigenen Beobachtungen stütze ich mich auf die eingehenden Forschungen meines Freundes Mackenzie, sowie auf die mir von den beiden Elfenbeinhändlern Westbeech und Philipps mitgeteilten Berichte. Das Regiment der Zulu-Matabele ist in jeder Beziehung militärischer Despotismus, demselben unterliegt Alles, Mensch, Thier und jedes Atom des Landes. Ueber die einzelnen Heeres-Abtheilungen sind Häuptlinge gestellt und diesen unterstehen abermals Unterhäuptlinge, welche Officiersrang einnehmen, während jener des Induna etwa einem Regiments-Inhaber gleichkommt. Die Krieger führen blindlings die ihnen gegebenen Befehle aus, dagegen buhlen die Unterhäuptlinge und Häuptlinge um die Gunst des Königs und wenn dies nicht durch hervorragende Thaten im Kampfe möglich ist, so suchen sie sich durch Verleumdung gegenseitig beim Könige zu verschwärzen. Der König hat mehrere Scharfrichter, welche im Dunkel der Nacht ihre blutige Arbeit zu verrichten haben. Da die Matabele-Krieger allabendlich nebst Fleisch auch Kafirkornbier erhalten und darauf in der Regel in einen festen Schlummer fallen, wird es dem Scharfrichter oder dem sogenannten Messer des Königs leicht, an die Arbeit zu gehen.

Begegnung mit einem Löwen am Tatifluße.