Auch am folgenden Tage führte der Weg zwischen zahllosen Granitkuppen hindurch, jede tausend Schritte bot sich dem Auge ein neues anmuthiges Bild dar. An unserem ersten Ausspannplatze trafen wir einen Unterhäuptling mit Namen Henry, einen alten Bekannten Westbeechs, von dem Bradshaw für letzteren und seine Diener Sorghum, Mais und Melonen erstand. Henry hielt seine Leute in ziemlicher Ordnung, so daß wir wenigstens in seiner Gegenwart nicht erheblich belästigt wurden. Doch wurde unser Aufenthalt durch das plötzliche Erscheinen eines jener zahlreichen, die Makalaka’s erstickenden Blutsauger, eines Matabele-Kriegers gestört. »Halloh, Ihr Weißen, Ihr habt Sepopo’s Leute mit Euch als Diener. Wenn Ihr nicht zahlt, tödte ich sie Alle, einen nach dem Andern,« rief er uns zu. Um seinen Worten den nöthigen Nachdruck zu geben, schwang er mit der Rechten einen mächtigen Kiri, mit der Linken sein Gewehr. Trotzdem er mir einmal mit dem Kiri bis unter die Nase kam und ich in mir das Blut kochen fühlte, blieb ich ruhig. Da zog der tapfere Kämpe ab und die Makalaka ringsum belachten seine eitle Prahlerei aus vollem Halse. Nun kam er an Walsh und Bradshaw, doch da sich diese an ihren Gewehren zu schaffen machten, nahm er dies als eine Herausforderung an und geberdete sich noch wüthender, bis jene auf ihn losgingen, worauf er sich von dem ununterbrochenen Gelächter der Umsitzenden begleitet, zurückzog.
Auf der Nachmittagsfahrt eröffneten sich uns neue Gebirgsscenerien, die Höhen mit denselben schönen armleuchterförmigen Wolfsmilchbaume bewachsen, wie ich ihn an den Bamangwato-Bergen beobachtet. Die Felder, die wir sahen, waren von beträchtlichem Umfange, ebenso die Gehöfte, welche umzäunt waren und an deren hervorragenden Punkten die Wohnungen des Besitzers standen. Die Umzäunung zeigte von achtzig zu achtzig Meter eine einfache hölzerne Schlagfalle und bildete im Ganzen noch ein Ueberbleibsel dessen, was die zahllosen Makalaka-Dörfer und Gehöfte vor dem Einzuge der Matabele in die Matopo-Gebirge gewesen waren.
Das am Morgen durchzogene Dorf Henry’s hieß Katheme; Abends langten wir an einem zweiten Dorfe mit Namen Bosi-mapani an, und am folgenden Tage erreichten wir eine andere der zahlreichen Niederlassungen der Makalaka’s. Hier waren wir, obgleich eine halbe Meile weit von der Niederlassung im Walde ausspannend, bald von einigen kleinen Trupps, zusammen an sechzig Köpfe zählend, belagert. Man bot uns eine Ziege und zwei Schafe zum Kaufe an. Bradshaw kaufte sie; leider waren in diesem Momente die Diener bei den Wägen postirt und mußten diese im Auge behalten, damit uns nichts gestohlen werde. Einer seiner Diener hatte Mühe, die im Walde etwa fünfzig Schritte vor uns gehenden Thiere heranzuteiben. Bevor er sie noch erreicht hatte, stoben die drei Stücke wie auf ein gegebenes Kommando auseinander. Die Thiere gehörten verschiedenen Heerden an. Diese werden von Hirtenjungen geführt, welche ihre Thiere mit Pfeifen lenken. Kaum waren die Thiere verkauft, als auch schon der Plan der Verkäufer fertig war, dieselben ebenso rasch wieder an sich zu bringen. Sie hatten zu diesem Zwecke die drei Hirtenjungen herbeigerufen, die auf ein gegebenes Zeichen jeder seine eigene Weise anstimmte und die Ziegen weglockten. Der ausgesandte Junge lief einem der Schafe nach und holte es ein, doch bevor er es zurückbrachte und festknüpfte, war das andere und die Ziege entlaufen. Nun wurden mit Androhung La Bengula’s die Makalaka’s, nachdem sie noch Westbeech’s Taschenmesser mit sich genommen, zur Heimkehr gezwungen. Die Thiere aber waren und blieben verschwunden.
Am 25. hatten wir uns vom Flusse Majtenque etwas entfernt, so daß die meisten Kuppen uns zur Linken zu liegen kamen. Größere und ganze Höhenrücken erhoben sich jedoch am südlichen Horizont in der Richtung unserer Fahrt. Die öfteren Besuche der Matabele-Krieger an unserem Wagen schienen auf Z. einen unangenehmen Eindruck auszuüben. Er scheute sie noch mehr als die Makalaka und kroch gewöhnlich in seinen Wagen, so wie sich einer der Zulukrieger sehen ließ. Ohne von den Matabele erkannt worden zu sein, wäre er doch während unserer diesmaligen Mittagsrast von zwei Matabele erschlagen worden, wenn Bradshaw und ich ihm im rechten Augenblicke nicht beigestanden wären und sich später ein herzugekommener alter Matabele in’s Mittel gelegt hätte. Die beiden Friedensstörer waren zwei Matabele-Jünglinge, welche den Kopf mit dem bekannten Federschmucke geziert, ihre Hüften von Günsterkatzen-Schwänzen umhüllt, an den Wagen um eine Lapiana (Lappen) zu betteln gekommen waren. Z. hatte einen kleinen Hund, der dem einen der beiden Matabele bellend entgegensprang. Dieser holte sogleich aus und hätte auf ein Haar dem kleinen Thiere den Kopf zerschmettert und fuhr auch sofort, als Z. die Hand schirmend über das Thier ausstreckte, denselben barsch an, womit der Streit begann. Dem leicht erregbaren weißen Manne stieg die Zornesröthe in’s Gesicht und er antwortete nicht allein im heftigen Tone, sondern ließ sich zu einer drohenden Handbewegung hinreißen. Dies war aber eben, was die beiden Strolche wünschten, denn im selben Momente hob der eine seinen Kiri zum Schlage nach dem Kopfe des Händlers und wurde nur durch unser Dazwischentreten von der Ausführung seines Vorhabens abgehalten. Da wir jedoch die mitgenommenen Gewehre wieder in den Wagen zurücklegten, fingen jene wieder zu schimpfen an und schlugen ihre Kiris wuthschäumend gegen den Boden. Durch den Lärm angelockt, erschien bald darauf ein alter Matabele-Krieger, dessen Kopf die bekannte Auszeichnung seines Standes, der mit einem Haarkreise verwachsene Lederring, zierte. Von Z. über den Vorfall unterrichtet, ergriff er einen Zweig und schlug damit auf die beiden Angreifer, ähnlich wie man zwei kleine Jungen züchtigen würde, worauf sich die beiden Jünglinge grollend zurückzogen.
Ruinen von Tati.
Am Nachmittage gelangten wir zu dem aus etwa fünfzehn Hütten bestehenden Makalaka-Dorfe Kambusa genannt. Es gehörte Jantschi an, den Westbeech wohl kannte und von dem wir keine Belästigung zu fürchten hatten. Sein Gehöft hatte eine doppelte Umzäunung. Eine aus Pfählen erbaute Umfriedung der Wohnungen und eine aus Dornengebüsch für die das Gehöfte in einem Kreise umgebenden Felder. Mit Kambusa schieden wir von den Makalaka-Dörfern und hatten nur noch eine kurze Strecke durch die gegenwärtige Makalaka-Provinz des Matabele-Landes zu reisen, während sich noch vor fünfundvierzig Jahren das Makalakagebiet um hundert englische Meilen südlicher erstreckte. Gegen Abend überschritten wir die gegenwärtige Grenze. Diamond machte mich auf ein etwa sechshundert Schritte vom Wege, am Ufer des Flüßchens Aschangana stehendes Gebüsch aufmerksam, unter welchem ein Weißer begraben lag. Es war Mr. Oats, ein Engländer, welcher der Jagd halber in diese Gegend gekommen war, am Fieber erkrankte und starb. Bradshaw und Diamond reisten mit ihm zu gleicher Zeit nach dem Süden; da er jedoch im Makalaka-Lande starb, so durfte er hier nicht beerdigt werden, sondern erst an der Grenze. Im Jahre 1874 errichtete des Verstorbenen Bruder hier einen Grabstein.
Bevor wir Jantsche verließen, versorgte ich mich auf einige Tage mit Wassermelonen, die ich für Glasperlen erstand. Zu den Feldfrüchten, welche die Makalaka’s bauen, gehören zwei Species der Wassermelonen, welche sehr zuckerhältig sind.
Am 26. März überschritten wir zwei Flüßchen, bevor wir den ebenfalls quer unsere Richtung schneidenden Matloutsi kreuzten. Während der Fahrt der letzten Tage durch das Makalaka-Land hatten wir siebzehn Regenflüßchen überschritten, welche Zuflüsse des Majtenque waren und nach meiner Meinung kaum den zehnten Theil der Zuflüsse desselben darstellten. Die durchreiste Strecke bot die schönsten Scenerien, die ich auf meiner eiligen Reise durch das Makalaka-Land beobachten konnte. Die Formation des Bodens bestand meist aus Granit mit starken Quarzadern durchschossen, an vielen Stellen von einem dunkelschieferblauen Glimmerschiefer in verticalen, horizontalen und schiefen Lagen bedeckt. An der Spitze der Höhen waren diese Schichten meist in schiefen Lagen in einem Winkel von siebzig Grad und südwestlich streichend gelagert. Das Interessanteste jedoch, was ich auf der durchreisten Strecke beobachten konnte, waren die steil sich aus hochbegrasten stellenweise bebuschten Auen erhebenden, oder kegelförmige Höhen krönenden pittoresken Granitmassen. Den Formen entsprechend, erlaubte ich mir, einzelne mit folgenden Namen zu belegen: Eine am Matloutsi »die Mütze«, an dem nächsten Spruit (nach Süden zu) »die beiden Spatzen«, eine jenseits des folgenden Spruit »die Keule« und zwei zur Rechten vom Geleise »den Schweber« und »die Pyramide«, wobei der letzteren die Palme gebührt. Diese Scenerie im Vorlande gaben mir eine annähernde Vorstellung der landschaftlichen Reize des eigentlichen Berglandes vom Oberlaufe der Limpopo-Zuflüsse Matloutsi, Schascha, Tati und Rhamakoban. Da ich die beiden Schaschaflüsse erst am folgenden Tag überschritt, war es mir klar geworden, daß der Tschaneng in den Matloutsi oder einen seiner Nebenflüsse münden müsse. Die Gegend schien sehr wildreich zu sein, doch bei weitem nicht mehr in dem Grade als vor wenigen Jahren. Das häufigste Wild waren Pallah, Zuluhartebeeste, Harris-Antilopen und Tigerpferde.
Als wir Abends am rechten Ufer des wegen seines Bettes von den Eingebornen die felsige Schascha genannten Flusses ausspannten, und ich einen freien Augenblick benützend, einen Ausflug gegen Osten unternahm, fand ich an einem der vielen kuppenförmig aufsteigenden Granithügel eine Ruine, einen jener Anhaltspunkte für die Geschichte der früheren Bewohner des centralen Süd-Afrika. Der befestigte Felsenhügel war isolirt und einer der niedrigsten ringsum, die Befestigung bestand aus Granitziegeln, welche ohne jedes Bindemittel auf einander ruhten. Die Ruine stellte eine etwa die Mitte der kleinen Felsenkuppe einschließende Mauer dar, welche jedoch theilweise von schroff aufsteigenden Felsenblöcken gebildet wurde, so zwar, daß die künstliche Mauer an manchen Stellen zwanzig Centimeter, an anderen bis zwei Meter hoch und dreißig bis fünfzig Centimeter stark war. Der Eingang befand sich gegen Norden, die Mauer trat hier beiderseits vor und bildete einen förmlichen Gang. Die Granitziegel waren flach, zehn bis fünfundzwanzig Centimeter lang, acht bis fünfzehn hoch und sechs bis fünfundzwanzig breit, ihre obere und untere Fläche trapezförmig. Doch glaube ich sicher zu sein, daß von den früheren periodischen oder stabilen Bewohnern dieser Miniaturfeste (der Umfang mochte etwa hundertdreißig Meter sein) auf der Mauer eine Umwallung aus Holz oder Dornenästen errichtet worden war. Da ich mich gezwungen sah, schon nach zweieinhalbstündigem Aufenthalte wieder aufzubrechen, konnte ich keine Nachgrabungen anstellen, welche mir die nöthigen Aufschlüsse darüber gegeben hätten. Wir überschritten noch an diesem Tage den felsigen Schascha, mußten jedoch der eingetretenen Dämmerung halber sehr bald am jenseitigen (linken) Ufer unser Nachtlager aufschlagen.