So heißt es in derselben: »Da sehen wir Mankuruan, den Batlapinen-König und einen der Batlapinen-Stämme, da den Barolongen-König Montsua u. A. vor uns. Sie gestehen, daß sie uns angehören wollen, bevor wir sie jedoch in den Verband unserer Unterthanen aufnehmen, stellen wir einige Fragen. »Ist es Euer eigener Wille, Ihr Könige, oder seid Ihr die Abgesandten Eures Volkes? Oder ist es die Ueberzeugung, zu der Ihr beide gekommen seid? Warum wollt Ihr Unterthanen der Königin werden? Beruht dies auf innigen Freundschaftsgefühlen den Makoa’s gegenüber, die Ihr Englishmans nennt? Oder ist dies weniger oder gar nicht der Fall und geschieht es, weil Ihr Euch vor dem anderen Stamme der Weißen, den Boers, zurückgesetzt fühlt, oder sie hasset oder fürchtet? Ihr sucht vielleicht unsere Freundschaft, weil Ihr von einem Nachbarstamme angefeindet werdet? Es mag jedoch auch sein, daß es zwei Herrscher in Eurem Reiche gibt und einer dadurch, daß er der englischen Regierung seinen Antheil, in Wirklichkeit jedoch das ganze Land anbietet, in dieser Weise die Oberherrschaft über seinen Nebenbuhler zu erringen sucht?

Haben wir auf diese Weise die Wahrheit über das Ebengesagte erfahren, so ist es nöthig, sich den Charakter des anbietenden Eingebornenfürsten und die Kulturstufe seines Stammes in allen Details klar zu machen und darnach zu handeln. So gestanden die vorerwähnten Damara zwei Jahre nach der Annexion ihres Gebietes ein, daß sie der letztgenannte der erwähnten Gründe bewogen hätte, die Oberherrschaft Großbritanniens anzusuchen.«[19]

Ich erwähnte, daß zur Zeit meines letzten Aufenthaltes in den Diamantenfeldern der Krieg mit den Colonial-Kaffern ausbrach, daß Griqualand-West, unsere Colonie, von ähnlichen Unglücksfällen heimgesucht wurde, daß jedoch in beiden Kriegen das Recht bald den Sieg davontrug. Wenn der Krieg in Griqualand-West, einem kleinen Ländchen mit wenigen Weißen, so rasch und mit so geringen Menschenverlusten und Unkosten glorreich zu Ende geführt wurde, so ist dies den beiden Umständen zu verdanken, daß der Colonie ein erprobter Militär als Gouverneur vorstand und die Diamantenfelder von beherzten unerschrockenen Männern bewohnt wurden. Ja, dies zeigte sich namentlich in der Geschichte dieser Provinz. Die Ereignisse und ihr Verlauf in den letzten drei Jahren mögen schlagende Beweise für diese Behauptung sein. Ich meine hier namentlich den Krieg, welchen diese Colonie mit den Griqua’s, Masarwa’s und Batlapinen und ihren Häuptlingen Mora, Donker-Maglas etc. zu bestehen hatte. Diese Eingebornen-Elemente, die zu denen gehören, welche gegen die Tugenden des weißen Mannes taub geblieben sind, waren durch andere unreine Elemente, aus dem Colonialkriege entwichene Rebellen, weggelaufene farbige Diener etc. verstärkt, von Westen her, von Kuruman und den Langbergen über die ihnen zunächst wohnenden Ansiedler plötzlich hergefallen, hatten sie getödtet und ihre Häuser geplündert, Unthaten, die eben zum Kriege führten. Die schwarzen Räuber rechneten namentlich darauf, daß Griqualand-West von der in einen Kaffernkrieg verwickelten Colonie keine Hilfskräfte erlangen und von Schutzmannschaft entblößt sei, sowie daß sich die Tausende der in den Diamantenfeldern arbeitenden Eingebornen im geeigneten Augenblicke erheben und so die Hauptader der Provinz in Schach haltend, diese durch das Niederbrennen der Gebäude und Ermordung der Bewohner auf lange hin vernichten, sich selbst jedoch und die Anstifter des Krieges mit der daselbst gewonnenen Beute widerstandsfähiger machen könnten, während sie selbst, die wahren Urheber, nach Gutdünken die Road-side hotels und stores (an den Feldwegen liegende Einkehrhäuser und Gehöfte), sowie die Farmen plündern würden.

Die Lage von Griqualand-West war damals gewiß eine kritische, ich selbst Zeuge der höchst gefährlichen Situation, in der sich damals die Weißen befanden. Zum Glück für Alle waren es beherzte Männer, welche nach dem Säuberungsprocesse in den Diamantenfeldern zurückgeblieben waren, glücklicherweise stand an der Spitze der Regierung ein Mann, der rasch die Situation überblickend, sich zurechtfand (der frühere Gouverneur Major Lanyon) und der in Colonel Warren, seinem Nachfolger im Commando und den gegenwärtigen Gouverneur der Provinz den richtigen Mann fand, der sich von keiner Gefahr einschüchtern ließ und rasch die besten Verfügungen traf. So hatten sie Alle, wahrhaft Uebermenschliches leistend, Griqualand-West befestigt, hatten ihre Frauen und Kinder vor einem schmählichen Untergange bewahrt und dem Weißen Achtung verschafft, ohne welche es diesen unmöglich wäre, mit den Farbigen im Frieden und Einklang zu leben.

Major Lanyon erließ einen Aufruf, in welchem er die Bewohner der Central-Diggings zur Verteidigung ihres neuen Heimatlandes anspornte und in wenigen Tagen waren über sechshundert wehrfähige Männer beisammen, welche sich bereit erklärten, ihr Blut für ihre Freunde und ihr neues Heim zu opfern. Von diesen waren etwa zweihundert Volontärs, die übrigen junge Leute, die sich unter sie aufnehmen ließen, oder Diamantengräber, die zu einem bürgerlichen Freiwilligen-Corps zusammentraten. Rasch wurden Pferde eingekauft und die Leute, ich möchte sagen Tag und Nacht gedrillt (einexercirt), wobei meist von früheren, als Diamantengräber, Diamantenkäufer oder in anderer Lebensstellung situirten Offizieren die nöthige Unterweisung ertheilt wurde. Durch etwa vierhundert Basuto’s (Betschuana’s vom Calcedon, reiche, Ackerbau treibende Eingeborne) verstärkt, zogen sie gegen den gemeinschaftlichen Feind, der bei einem Raubversuche überrascht, in seine Berge (Langberge und ihre Ausläufer) zurückgeworfen wurde. Es entspann sich nun ein Guerillakrieg. Hatte man einen felsigen, schon von Natur aus befestigten, mit Steinwällen durch die Eingebornen noch unzugänglicher gemachten Felsenberg erstürmt, so zog sich der Feind auf einen zweiten, und so weiter — Hügel auf Hügel mußte gestürmt und erobert werden und Colonel Warren bewies, daß er Feldherrntalent besitze und die Männer der Diggings, daß sie es verstehen »how to do their duty!«

Mit dem Ertrage meiner zunehmenden Praxis glaubte ich, etwa im December desselben Jahres, die Diamantenfelder mit Europa vertauschen zu können, doch konnte ich diesen meinen Vorsatz meines umfangreichen Gepäckes und der noch zahlreicheren lebenden Thiere halber nicht sobald ausführen. Die Fracht für die ersten beiden Sendungen, d. h. die während der ersten und zweiten Reise gesammelten naturhistorischen und ethnographischen Objecte hatte großmüthiger Weise Herr Naprstek in Prag beglichen. Auf meiner Rückreise hatte mir derselbe gütige Freund 20, die geographische Gesellschaft zu Wien 40 £ St. gesendet, welche Beträge jedoch kaum hinreichten, um mir einen Wagen, dessen ich zum Transport meiner lebenden Thiere nach der Seeküste bedurfte, anzuschaffen. Es war meine Absicht, nicht vor December die Rückreise durch die Kolonie anzutreten. Ich hoffte mir bis dahin nicht allein den noch fehlenden Betrag, sondern auch eine eventuell nöthige Reservesumme zu verdienen, um den Oranje-Freistaat und die Ostprovinz der Cap-Colonie zu einer Zeit zu durchreisen, zu welcher ich mit Sicherheit auf gute Weide für meine Zugthiere rechnen durfte. Ich hatte einundzwanzig Kisten mit den Sammlungen durch einen Transportrider (Miethswagen) nach Port Elizabeth vorausgesendet, wo sie von dem österreichischen Viceconsul, Herrn Allenberg, in seinem Waarenhause bis zu meiner Ankunft in Port Elizabeth aufbewahrt wurden. Ich selbst sträubte mich aber, mit einem Miethwagen zu reisen, weil ich die Rückreise durch den Oranje-Freistaat und die Colonie womöglich zu geognostischen und paläontologischen Studien benützen und nicht ein Sklave des Kutschers sein wollte.

Colonel Warren.

Ich gab meinen Vorsatz, im Dezember 1878 abzureisen, auf, da mich die Zusendung von 220 Pfund St. — 1000 fl. als hochherziges Geschenk Seiner Majestät des Kaisers, 60 Pfund St. vom böhmischen Landesausschusse und 200 fl. vom Vereine »Svatobor«, sowie ein Darlehen von 1000 fl. welches mir eine Gönnerin gewährte, — in den Stand setzten, sechs Monate früher die Diamantenfelder zu verlassen. Leider trafen mich auf der Rückreise von den Diamantenfeldern nach Port Elizabeth eine Reihe von Unfällen, welche einen großen Theil meiner zur Reise bestimmten Mittel verschlangen, so daß ich mich genöthigt sah, mich in Cradock niederzulassen und von Neuem als Arzt zu prakticiren. Im Monate August 1878 verließ ich endlich die Diamantenfelder und miethete als Wagenlenker einen früheren Diener eines mir bekannten Kaufmannes in Kimberley, außerdem nahm ich noch drei Kinder auf die Reise nach dem Süden mit mir.

Unter meinen Bekannten und Patienten in den Diamantenfeldern hatte sich namentlich ein Freund, mein unmittelbarer Nachbar in Bultfontein, durch seine Zuvorkommenheit hervorgethan. Ich dachte ihm nun meine Erkenntlichkeit dadurch am besten zu beweisen, daß ich einen seiner Knaben mit mir nahm und ihm die Oberaufsicht über die lebenden Thiere überließ, wobei ihn anfangs der braune Wagenlenker, später in der Colonie ein Fingo, in der Verrichtung der gröberen Arbeiten unterstützen sollte. Dafür versprach ich seinen Eltern, wenn er sich gefügig und brav verhalten würde, ihn in meiner Heimat erziehen zu lassen. Damit er mir jedoch während der Reise nicht zur Last falle und ich ungehindert meinen Forschungen nachgehen könne, gaben ihm seine Eltern eine kleine Betschuana-Dienerin, Bella, mit, welche ihm in seinen Arbeiten an die Hand gehen sollte.