Ich berührte auf dieser Reise Jacobsdaal, welches seit meinem ersten Besuche im Jahre 1872 ansehnlich zugenommen hatte, und wandte mich dann gegen das Städtchen Philippolis. Auf dem Wege dahin passirte ich auch das Riet-River-Hotel. Die frühere Canwaß- und Eisenblechconstruction war nun zu einem massiven Steinhaus umgebaut worden und ich staunte nicht wenig, als mich der Hotelier mit den Worten begrüßte: »Waren Sie nicht vor sechs Jahren mit den Herren Michaelis und Rabinowitz in einem Karren hier eingekehrt?«
Jacobsdaal im Jahre 1872.
Auf der Farm Kalke fand ich einige Oolithgesteine und Fossilien, letztere nach Süden hin an Häufigkeit stetig zunehmend. Das einförmige, trostlose Landschaftsbild bewies mir, daß ich mich den Strichen näherte, welche seit Jahr und Tag unter großer Dürre zu leiden hatten. Die Gegend ringsum konnte im wahren Sinne des Wortes verbrannt, verdorrt genannt werden, man sah nicht einen grünen Halm; das Braun der Felsen und der Erde war der überwiegende Farbenton, welchen das Auge gewahrte.[20] Mein Aufenthalt in Philippolis gestaltete sich durch den Verkehr mit den Großhändlern Schultze, den Gebrüdern Liefmann, dem Postmeister Försterlein, Dr. Knobel und Dr. Igel zu einem sehr angenehmen. Sie unternahmen mit mir mehrere Ausflüge, deren naturhistorische und ethnographische Ausbeute meinen Sammlungen sehr zu Statten kam. Unter dem Erworbenen fanden sich mehrere lebende Vögel sowie eine ausgewachsene Springbockgais und von Herrn Schultze erhielt ich eine schöne Quarzdruse zum Geschenk, die ich bei meiner Durchreise im Jahre 1872 in seinem Hotel im Drawing-Room bemerkt, allein damals aus Mangel an Mitteln nicht erstehen konnte, sowie von Herrn Försterlein ein äußerst interessantes, ethnographisches Specimen. Es war ein Talisman in einem kleinen, vier Zentimeter langen, zwei Zentimeter breiten, acht Millimeter starken, an einem Ende schmäleren, schwarzen Holztäfelchen und einem in das breiteste Enddrittel eingesetzten Bergkrystallstückchen bestehend und dem Geber von einem ihm zum Danke verpflichteten Basuto-Doctor geschenkt worden. Als es von Herrn Försterlein zufällig einigen Basuto’s gezeigt wurde, sprachen ihn diese darum an und machten ihm verschiedene Kaufsofferte. Das bedeutendste davon bestand in zwei feisten Rindern.
Auf dem Weitermarsche nach Süden war ich einige Tage auf der Farm Ottersport des Herrn Schultze zu Gast, auf welcher ich die erste Gelegenheit hatte, zahme Strauße zu beobachten. Die letzteren werden gegenwärtig in Südafrika, namentlich in der Cap-Colonie und dem Oranje-Freistaate in solcher Anzahl gezüchtet, daß man schon im Jahre 1879 über hunderttausend Thiere zählte. Der aus dieser Zucht gewonnene Ertrag ersetzt weitaus den Verlust, der durch die stete Abnahme des Handels mit Federn der wilden Strauße entsteht. Dem Ei entschlüpft, hat das Küchlein einen Werth von 5 £ St., halb erwachsene Vögel werden mit zwanzig bis fünfzig, Brütende bis zu 150 £ St. bezahlt. Die Straußvogelzucht wird namentlich in jenen Gegenden betrieben, in welchen die Schaf und Rinderzucht minder einträglich ist.
Das größte Hinderniß, mit dem die Straußenzüchter zu kämpfen haben, sind eigenthümlicher Weise Parasiten. Wohl an fünf bis zu fünfundzwanzig Percent der gezüchteten Thiere sterben in Folge von Band- und riesigen Palisadenwürmern, von denen eine kleine Species der ersteren sich zu tausenden und tausenden im Körper des Thieres vorfindet, die letzteren, welche oft bis Meterlänge erreichen, die Musculatur des Vogels durchfressen, ohne selbst das Herz zu verschonen. Uebrigens nehmen die Parasiten oft schon von dem Ei des Straußes Besitz, bevor die Verhärtung der Außenhaut desselben stattgefunden hat; ich entnehme dies aus dem Berichte einer englischen Zeitung aus Süd-Afrika, welcher mir vor einigen Tagen zukam und erzählte, daß man Straußeneier mit Würmern gefüllt vorfand.[21]
Nachdem ich den Oranje-River an der Furth des Herrn Roß überschritten hatte, erreichte ich Colesberg. Ich fand in demselben eine so freundliche Aufnahme, daß ich aus Dankbarkeit nicht umhin konnte, einer Einladung zu einem Vortrage Folge zu leisten; es war der erste, zu dem ich mich erkühnte. Der Erfolg desselben veranlaßt mich, auch in anderen Städten der Kolonie für die Eröffnung Central-Afrika’s nach dem Süden zu plaidiren. Namentlich verpflichteten mich hier die Herren Prediger sowohl, als auch die Aerzte der Stadt und die Herren Abrahamson, Knobel, Leviseur, Mader, Weekley. (Redacteur des Colesberg Advertisers) zu lebhaftem Danke. Mit Herrn Knobel besuchte ich den Colesberg, der nicht allein in geognostischer und paläontologischer Beziehung interessant ist sondern auch dem Botaniker durch seine reiche Flora, dem Zoologen durch das Vorkommen zahlreicher Berghasen, Klipschliefer, etc., Tag und Nacht-Raubvögel, Höhlenstaare und Tauben, zahlreicher Schlangen und Eidechsen, Kerbthiere und auch Arachniden reichlich den Aufstieg lohnt.
Von hier wandte ich mich nach Cradock; doch wählte ich der Unfruchtbarkeit der Gegend halber nicht die kürzeste Route, sondern ging westlich über Middleburg, da ich hier wenigstens an einer Stelle Futter für die Zugthiere zu finden hoffte. Ich wandte mich zunächst nach Kuilfontein, der Farm des Herrn Murray, wo Herr Knobel versteinerte Rippen eines Thieres in einer Mauer gefunden hatte. Mit Erlaubniß des Besitzers riß ich die Mauer nieder und fand prachtvolle, in harten Sandstein eingeschlossene Skelettheile von Sauriern vor und zwar waren es hauptsächlich die Dicynodon-Species, sowie Eidechsen und krokodilartige Thiere, außerdem fand ich eine fossile Flora in weißlichem Sandstein, welche den, namentlich in der östlichen Capcolonie-Provinz häufiger auftretenden Dicynodon-Schichten aufliegt. Ich blieb hier neun Tage lang und wäre wohl, mit Rücksicht auf das gastliche Entgegenkommen von Seite des Besitzers und der reich entlohnenden paläontologischen Funde, noch länger geblieben, wenn nicht die Dürre der Gegend, die selbst dem Besitzer zu der enormen Auslage des Futterkaufens für einen Theil seiner Hausthiere und das Absenden des anderen in eine grasreiche Gegend des Oranje-Freistaates gezwungen hatte, mich bewogen hätte, den Colesberger District so bald wie thunlich zu verlassen.
Ich machte in Begleitung meines freundlichen Wirthes mehrere Ausflüge in die Umgegend und traf stellenweise Thonschieferlagen mit kleinen Muscheln und Schneckenschalen, sowie Spuren riesiger Eidechsen — wahrscheinlich der Dicynodon-Art? An Wild trafen wir blos Springböcke, Trappen, Knurrhähne, Rebhühner, Wildtauben und Wildenten. Ich erwarb in Kuilfontein drei Fischreiher, welche, ziemlich zahm, alljährig in den Weiden an der Quelle zu nisten pflegen. Meine weitere Reise bis nach Cradock war der herrschenden Dürre halber ein wahrer Leidensweg.
Auf der Newport-Farm fand ich einige hübsche Fossilien, darunter Abdrücke von eidechsenartigen Thieren. Auch hier wurde ich äußerst freundlich aufgenommen und bedaure nur, daß ich der an mich ergangenen Einladung, eine Jagd auf Berggazellen um die Thiere beobachten zu können und eine reichlich lohnende Angelpartie mitzumachen, nicht Folge leisten konnte. Die Newport-Farm-Scenerie ist unstreitig eine der anziehendsten im Middleburger District und ich hoffe hier mit Erfolg auf meiner nächsten Reise einen photographischen Apparat verwenden zu können.