Kampfweise der Zulu.

Jene von uns, die da glauben, daß die vom Zululande drohende Gefahr in der Cap-Colonie, Griqualand-West u. s. w. weniger zu fürchten sei, huldigen einer irrigen Auffassung. Das Zulu-Land ist ein Vulcan, von dem ganz Süd-Afrika Verderben droht. Die Unzufriedenheit unter den Eingebornenstämmen wird vom Zulu-Lande aus stets angefacht und genährt, nur wir, die wir seit Jahren unter diesen Stämmen wohnen und uns die Mühe nehmen, uns in den Charakter dieser Eingebornen einen Einblick zu verschaffen, fühlen es, daß wir auf einem Vulcan stehen, dessen Ausbruch nördlich von der Tugela zu suchen ist und dessen Lava-Erguß das gesammte Süd-Afrika zu überschwemmen droht. Die niedrigsten den südafrikanischen Eingebornen eigenen Laster finden im Zulu-Lande ihre Pflege. Haben die Colonisten noch nicht das Zischen vernommen, mit dem die Lava aus dem Zulu-Krater entströmt? Für jene, die es nicht vernommen, mag es in Folgendem wieder klingen.

Ich hoffe, es gibt keinen unter uns, der dies nicht glaubt, aber wenn einige dieser unglücklichen Mitbrüder noch existiren sollten, laßt sie hingehen und sie, wenn auch nur kurze Zeit, am Ufer des Tugela wohnen. Fragt sie bei ihrer Rückkehr! Ihr würdet in den früheren Freunden Hasser der Zulu wiederfinden.

Wem tönt nicht der übliche Spruch der Zulu’s in den Ohren. »Blaßgesichter, Ihr wähnt Euch Indunas (Häuptlinge)? Glaubt Ihr dafür geschaffen zu sein, zu befehlen, daß wir Eure Gesetze befolgen, die wir hassen, Gebote, die Ihr gut und schön nennt? Ihr wollt uns arbeiten lehren? Wir haben diese Schmach (arbeiten zu müssen) nie über uns ergehen lassen, außer wenn uns des Königs Gebot hieß menschliche Schädel zu brechen. Haß und Tod für Euch. Wir verachten Alles, was Ihr für uns gethan, uns geschenkt habt. Schwachheit war es, nichts als elende Schwachheit, Großmuth nennt Ihr es — thut es nach Belieben, wir nicht!« Jene, welche sich zu Vertheidigern der Zulu’s aufwerfen, mögen sich diesen Gedanken, der alle Ketschwajo-Zulu’s beseelt und von ihnen ausging, einprägen.

Ist die Zulu-Frage mit den Waffen glücklich gelöst, dann steht uns eine frohe Zukunft bevor! Colonisten, ich bin kein Freund von Kriegen, nicht vielleicht, weil es mir an persönlichem Muthe gebricht, sondern der armen Opfer willen, die ein Krieg erheischt. Wenn sich mir nicht diese aus Thatsachen durch mehrere Jahre geschöpfte Ueberzeugung aufgedrungen hätte, ich würde nie diesen Krieg als eine Nothwendigkeit angesehen haben.

Außer Ketschwajo’s Zulu-Reiche finden wir noch ein zweites, ein nördliches, das Matabele-Reich des La Bengula. Nur von vierzig wahren Zulu-Kriegern und einigen ihrer Sklaven gegründet, hat es sich seit 1837 zu einem großen Reiche emporgearbeitet, und seine räuberischen Horden haben sich noch nicht müde gemordet, denn das Matabele-Reich ist im steten Wachsen begriffen.

Wäre das südliche Zulu-Land seit Jahren und Decennien nicht von allen Seiten eng und straff umspannt worden, ein Gleiches hätte sich, und nur noch in höherem Grade wie bei den Matabele, zugetragen; es hätte sich durch Raub und Mord nach drei Seiten ausgedehnt. Während das zweite Zulu-Reich im friedlichen von arbeitsamen und friedliebenden Stämmen bewohnten Makalaka-Reiche gegründet wurde und sich so leicht im Sinne eines Raubstaates ausdehnen konnte, wird Ketschwajo’s südliches Zulu-Reich im Süden von Natal, im Westen vom Oranje-Freistaat und der Transvaal-Republik, im Norden von den kriegerischen Amaswazies, sowie im Osten vom Meere umsäumt und dadurch noch eine zeitlang in Schach gehalten. Mit dem Anwachsen der Bevölkerung jedoch regte und bäumte sich das Zulu-Element so zusehends, daß es immer arroganter und drohender erschien und schon seit Jahren an einen Kampf mit der weißen Race dachte. Die blutigen Manöver Ketschwajo’s beweisen hinlänglich, was das Zulu-Volk und sein Herrscher vorhatten. Die Wirthschaft der Zulu sehen wir nur zu deutlich an den Matabele, deren Geschichte klar vor unseren Blicken daliegt.«[22]

Diesem Artikel folgten andere, in welchen ich über die Kampfweise der Zulu’s berichtete und deren Inhalt auch später durch die Nachrichten vom Schlachtfelde bestätigt wurde. In unbegrenztem Stolze und Selbstbewußtsein hält sich der Zulu nicht nur für den tapfersten Eingebornen Süd-Afrika’s, sondern auch dem Weißen, seinen Waffen und seiner Kriegsführung überlegen. Seine Kampfbegierde kommt seiner Tapferkeit gleich und erklärt die rasche und mächtige Ausbreitung der Zulu-Herrschaft. Ich möchte sie beinahe als das kriegerischeste und kampfmuthigste unter den uncivilisirten Völkern bezeichnen. Wir beobachten an ihnen nicht allein Muth und Tapferkeit, sondern auch einen hervorragenden Sinn für Strategie. Bei ihrem Angriffe nützen sie alle Vortheile des Terrains aus, hohe Grasfelder, Regenmulden, dichtes Gestrüppe etc., dichte Nebel, sowie die nächtliche Zeit, um dem Feinde so nahe als möglich zu kommen. Doch thun sie dies nicht, wie die Colonial-Kafferstämme, um sich zu decken, sondern einzig und allein, um den Feind zu überraschen. Ist dies jedoch nicht möglich, so gehen sie über eine unbebuschte Grasebene auf den Feind los, ohne Rücksicht darauf, ob sie sich dabei Stunden lang einem continuirlichen Gewehrfeuer aussetzen müssen. Dadurch unterscheiden sie sich in ihrer Kampfweise im Allgemeinen von den Colonial-Kaffern, Hottentotten und ihren Bastarden. Die ersteren greifen in der Regel im offenen Kampfe an, doch ziehen sie sich nach der ersten Niederlage sofort auf ihre bebuschten Höhen und den Niederwald zurück und setzen von hier aus den Guerillakrieg fort. Die Hottentotten etc. scheuen den offenen Kampf und ihnen ist im Allgemeinen nur die letztere Kampfweise eigen. Die Zulu’s hingegen zeigen eine Todesverachtung, wie sie sonst bei keinen afrikanischen Farbigen vorkommt.

Kopf, Brust und Füße mit thierischen Haaren, Hautstücken, Schwänzen oder Federn phantastisch geschmückt, eilen die Zulu’s unter gellendem Jauchzen oder dem Absingen eines ihrer kriegerischen Lieder, ungeachtet des Kugelregens und der ihnen entgegenblitzenden Bajonette gegen den Feind vor. Während ihres Sturmlaufes trachten sie sich mit ihrem Schilde zu decken, und indem die Linke, die den Schild hält, zugleich einen Wurf- und zwei kurze Assagaie festhält, schwingt die Rechte einen Wurfassagai, mit dem der Mann in der Regel auf eine Entfernung von sechzig Schritten zu treffen weiß. Auf dreißig Schritte dem Feinde genähert, schleudert er den zweiten und ergreift, ununterbrochen heranstürmend, seine kurzen Assagaie, um sie im Handgemenge als Waffen zu benützen. Dabei geschieht es oft, daß die Zulu-Krieger, um freier auslegen und arbeiten zu können, den Schaft des kurzen Assagai’s abbrechen, um mit dem Eisentheile wie mit einem Dolche weiter zu kämpfen.

Mit Vorliebe schieben sie die beiden Flügel ihrer Angriffscolonnen armartig vor, welche sie die Hörner ihrer Armee nennen. Während nun das Centrum den Feind direct angreift, suchen die beiden Flügel im weiten Bogen die feindliche Armee zu umgehen und zuerst ihren Nachtrab, dann ihre Flanken anzugreifen. Da dem Centrum die schwierigste Aufgabe obliegt, so ist dieses nicht allein aus den Kerntruppen gebildet, sondern es hat auch eine Reserve von gleicher Stärke hinter sich. Siegt das Centrum, so wird die Ausnützung des errungenen Erfolges dem Reservecorps überlassen, dessen Aufgabe es ist, die Gefangenen auszurauben und die Verwundeten niederzumetzeln. Sind es Weiße, mit denen die Zulu’s kämpfen, so werden diese in der Regel entkleidet, und nicht selten geschieht es, daß dem Feinde der Unterleib aufgeschlitzt, oder die Leichen verstümmelt werden.