Der mir zugemessene Raum gestattet es nicht, hier die Einzelheiten des Zulu-Krieges vorzuführen. Dem Leser sind wohl die englischen Mißerfolge wie die Siege bekannt, und die ersteren unstreitig den Umständen zuzuschreiben, daß man erstens die Zulu-Kampfweise irrthümlich mit jener der Colonial-Kaffern für identisch hielt, ferner daß man die Zulu-Macht unterschätzend, mit zu geringen Streitkräften in den Krieg zog (nicht Sir Bartle Frere’s Schuld, der um mehrere Regimenter Verstärkung ansuchte), und daß man endlich sowohl bei dem Auskundschaften einer Gegend, wie bei dem Weitermarsche nicht die gehörige Vorsicht gebrauchte. Der Mißerfolg der englischen Waffen im Anfange des Krieges wurde durch die folgenden glänzenden Siege rühmlichst wettgemacht und der Feldherr wie die Befehlshaber der einzelnen selbstständig operirenden Colonnen, die Officiere wie die Mannschaft, haben die erlittenen Scharten nicht allein ausgewetzt, sondern auch im Kampfe mit dem kriegerischsten der Eingebornenvölker Afrikas und auf einem höchst ungünstigen, felsigen und hochbegrasten Terrain neuen Ruhm erfochten. Der Sieg bei Ulundi und nicht Wolseley’s Thaten hatten den Krieg zum Abschlusse gebracht. Und ich halte es für vorzeitig, daß die britische Regierung in London vor der Beendigung des Krieges Sir Bartle Frere den Machtspruch in dieser Angelegenheit entzog und Lord Chelmsford abberief. Denn ich denke, daß in Folge dessen die Friedensverträge mit den Zulu’s nicht in entsprechender Weise abgeschlossen worden sind, um einen dauernden Frieden mit dem Eingebornen-Element in Süd-Afrika zu erzielen.
Die Richtigkeit dieser Behauptung können wir aus den allerletzten uns in diesem Monate (October 1880), aus Süd-Afrika zugekommenen Nachrichten über die Erhebung eines Theiles der Basuto’s gegen die Cap-Colonial-Regierung bezüglich des Disarmament (Waffenauslieferung) beobachten. Wäre der Friede mit den Zulu’s im Sinne der in den südafrikanischen Kolonien bei weitem vorwiegenden Meinung abgeschlossen worden, hätten sich gegenwärtig die Basuto’s aus dem oberwähnten Grunde nicht aufgelehnt. Allein die wohlwollende Meinung von Seite der englischen Colonial-Regierung in London, die sich in den Vertragsschlüssen mit den Zulu-Häuptlingen nach der Beendigung des Krieges kundgab, wurde von den übrigen Eingebornenstämmen Süd-Afrika’s (den freilebenden, wie den unter der Oberhoheit der Weißen stehenden) nicht als eine wohlwollende Handlung, sondern als der Ausdruck von Schwäche angesehen.
Die Absicht, mit der das Ministerium Sprigg die Waffen-Auslieferung begründet, und bei einigen Stämmen schon erfolgreich durchgeführt hat, beruht hauptsächlich: erstlich auf der Idee eines dauernden südafrikanischen Friedens, zweitens einer friedlichen Lösung der Eingebornenfrage, und zwar sollen dadurch, daß man den Eingebornen die Feuerwaffen abkauft und ihnen keine weiteren verkauft, kriegerische Stämme, sowie jene, welche trotz ihrer sonst friedlichen Gesinnungen sich nach und nach durch den Erwerb der Feuerwaffen zu kriegerischen heranbilden, zu friedlichen Ackerbauern und Viehzüchtern erzogen werden. Es sollte eine langsame doch wohlerwogene stufenförmige Erziehung ganzer Stämme durchgeführt werden; hat man diese erreicht, so könnte die Regierung später gewiß einzelnen Jagdfreunden unter den Eingebornen ohne Gefahr Gewehr-Licenzen (Jagdkarten) ertheilen.
Masarwadorf.
Auf meiner Heimfahrt nach Europa traf ich zufällig mit General Lord Chelmsford und seinem Stabe zusammen. Bei dem ersten Zusammentreffen dankte mir derselbe für die Aufrichtigkeit, mit der ich meiner Ueberzeugung im Verlaufe des Krieges Ausdruck gegeben hatte. In der Begleitung Lord Chelmfords fand sich auch der ihm zugetheilte General der Cavallerie Sir Elevyn Wood, der in der englischen Armee durch seine persönliche Tapferkeit sich einen rühmlichen Namen erworben hat. Er wunderte sich nicht wenig, als ich ihm Telegramme vorwies (unter anderen jenes, in welchen mir sein Sieg über die Zulu’s bei Kambula berichtet wurde) aus denen er entnehmen konnte, daß ich während des Krieges in direkter telegraphischer Verbindung mit Natal stand.
Fingodorf bei Port Elizabeth.
Ich muß gestehen, daß sich seit jener Zeit das Band, welches mich an Süd-Afrika so innig fesselte, nicht gelockert hat, selbst nicht nach der erfolgten Ankunft in Europa; trotz der Verleumdungen der Elfenbeinhändler Westbeech und Andersen in einem afrikanischen Blatte, die mich ebenso wie dieses Blatt selbst während meines Aufenthaltes in Afrika nicht genug zu rühmen wußten. Hingegen freute es mich lebhaft, meine Thätigkeit von den bedeutendsten Blättern Süd-Afrika’s gerecht und unparteiisch beurtheilt zu sehen. Ich werde immer das innigste Interesse an dem Fortschritte der südafrikanischen Colonie nehmen und stets des mir von Seite der englischen wie holländischen Colonisten bewiesenen Entgegenkommens eingedenk sein.
Als ich mir die nöthigen Mittel zur Weiterreise erworben hatte, verließ ich noch vor der Beendigung des Zulu-Krieges Cradock, um mich über Grahamstown nach Port Elizabeth zu begeben. In der ersteren Stadt angekommen, miethete ich mir eine Wohnung in Bathurstreet, in deren Hofe ich mein Pferd sowie die meisten der lebenden Thiere frei herumlaufen lassen konnte. Mein Aufenthalt in Grahamstown wurde mir namentlich durch die Herren Redakteure des »Easter Star«, Mr. Sheffield, Mr. Slater B. A. und »Mail« Mr. Crocott, sowie dem Herrn Very Rev. Dean Williams, Med. Dr. Williamson und Dr. E. Atherstone zu einem sehr angenehmen gemacht. Zu großem Danke bin ich aber auch dem Herrn Bischof Ricards, Hon. Cawood, der Familie Francis, die ich in Schoschong im Bamangwato-Lande getroffen, den Familien der Rev. Walton, Wood und Barton, Herrn Tidmarsh, dem Herrn Glanville, Curator des Museums, und Anderen verpflichtet. Hier erhielt ich auch manche interessante naturhistorische Objecte, darunter einen lebenden Luchs von dem Very Rev. Herrn Dean Williams und einige Trylobiten von Herrn Glanville zum Geschenke. Auch sammelte ich Mineralien, eine Anzahl exotischer Gewächse, wobei mir Herr Tidmarsh aus dem botanischen Garten äußerst zuvorkommend an die Hand ging. Außerdem gelang es mir auch, zahlreiche lebende Vögel zu erwerben, von denen ich jedoch drei Viertheile am Tage meiner Reise nach Port Elizabeth einbüßte. Wir hatten so eisigen Regen, daß die meisten Thiere trotz guter Verwahrung dem Unwetter erlagen, bevor wir die nur wenige Stunden entfernte Eisenbahnstation erreicht hatten.[23]