Am 17. erreichte ich Khama’s Salzsee, an welchem ich die durstigen Zugthiere zu den Felsencisternen führen und tränken ließ. Von einigen herbeieilenden Bamangwato’s und Makalahari erhandelte ich einige Curiositäten, darunter auch ein Schlachtbeil. An meinem Wege fand ich Hornvipern (Giftschlangen), welche jedoch so gnädig sind, den ahnungslos sich ihnen nähernden Menschen durch ein lautes Pfauchen zu warnen. Gegen Abend kamen fünf Makalaka’s, wahre Hünengestalten, an den Wagen, um sich mir als Diener zu verdingen; da ich den Charakter dieses Stammes zu wohl kannte, ging ich auf ihr Ansuchen nicht ein.

Ich verließ am 19. Khama’s Salzsee und langte spät in der Nacht in Schoschong, der Residenz Khama’s, an; ich fand die Stadt sehr verändert. Nach seinem Siege hatte sie Khama angezündet, etwas mehr zusammengedrängt und näher der Mündung der Schoschonschlucht in das Franz Josefs-Thal erbaut, wodurch die Gehöfte der Weißen isolirt wurden. Das Wiedersehen mit Rev. Mackenzie war ein sehr herzliches, mein Freund lud mich wieder ein, für die Zeit meines Aufenthaltes, den ich auf 14 Tage bemessen hatte, sein Gast zu sein.


[3] Siehe [Anhang 1].

[4] Diese Boers dürfen keinesfalls mit ihren gebildeten Stammesgenossen in Süd-Afrika verwechselt werden.

III.
Von Schoschong nach den großen Salzseen.

Geschichte der letzten Kämpfe zwischen Sekhomo und Khama. — Erosions-Erscheinungen im Lualabette. — Die Maque-Ebene. — Frost. — Wilde Strauße am Wagen. — Jagdverbot des Königs Khama. — Eland-Antilopen. — Die ersten Palmen. — Wildpfade und Fall-Assagaien an den Nokane-Quellen. — Im Gebiete der großen Salzseen. — Die Tsitani- und Karri-Karri-Pfanne. — Am Tschaneng-Flusse. — Matabele am Wagen. — Die Salzlager am Nata-Spruit. — Jagd auf Zulu-Hartebeeste. — Auf dem Anstande auf Löwen. — Thierleben am Nata-Spruit.

Die Veränderungen im öffentlichen Leben und in den socialen Zuständen der Bamangwato’s seit meinem ersten Besuche der Stadt waren mir sofort aufgefallen. Damals war Sekhomo, das verkörperte Hinderniß jedweder Neuerungen, welche als Wohlthaten der Civilisation betrachtet werden können, ein unermüdlicher Priester in der Pflege heidnischer Gebräuche und Orgien, am Ruder; jetzt war es Khama, sein ältester Sohn, gerade das Gegentheil seines Vaters. Da mit Khama der größte Theil derer, die ihm in seine freiwillige Verbannung gefolgt waren, zurückkehrte, und da sich ihm die meisten der unter Sekhomo hier lebenden Bamangwato’s unterwarfen, zählte die Stadt gegenwärtig dreimal so viel Bewohner als zur Zeit meines ersten Besuches. Eine größere Ordnung und Sicherheit machte sich in Allem und Jedem bemerklich und mit dem Verbote des Branntwein-Verkaufes hatte Khama eines der wichtigen Beförderungsmittel des Müßigganges und des Unfriedens außer Wirkung gesetzt. Er war aber auch bestrebt, nach und nach allen den Sitten schädlichen, sowie den Geist umnachtenden heidnischen Gebräuchen Einhalt zu thun.

Am 21. besuchte ich mehrere kranke Eingeborne in der Stadt, darunter einen von Khama’s Kriegern, dem das eine Schienbein durch eine Kugel zersplittert worden war.[5] Ich besuchte Khama während meines Aufenthaltes in Gesellschaft des Herrn Mackenzie mehrmals, und hatte Gelegenheit, immer mehr und mehr den lobenswerthen Charakter dieses Mannes kennen zu lernen. Ausflüge in die nächste Umgegend, die Bearbeitung meiner Routen-Aufnahmen von Linokana nach Schoschong sowie die ärztliche Praxis, in welcher ich durch Herrn Mackenzie und Hephrun bei der Pflege der kranken Schwarzen unterstützt wurde, füllten die Tage meines Aufenthaltes aus. König Khama war so gütig, mir einen Diener aus dem Trosse seiner Leibdiener, einen Mann, der mich bis an den Zambesistrom begleiten sollte, zu versprechen. Dieser Eingeborne sollte auch, wenn ich nach der Westküste oder nach Norden weiterziehen sollte, meinen Wagen mit den bis an den Zambesi gesammelten Objecten nach Schoschong zurückbringen, als Lohn sollte ich dem Manne eine Muskete geben. Freund Mackenzie beschenkte mich mit zwei schönen, von den Maschona’s gearbeiteten Holztöpfen, Rev. Hephrun mit zwei Unzen Chinin.

Am 27. brachte mir Khama den versprochenen Diener und hielt ihm in meiner Gegenwart eine Rede, welche mit den folgenden Worten schloß. »Dein neuer Herr ist ein Mann, und daß er ein Njaka (Doctor) ist, das hab’ ich Dir schon erklärt.«