Auf meinen in Gesellschaft Rev. Mackenzie’s unternommenen Ausflügen zeigte mir dieser alle jene Stellen, welche in der Geschichte der Bamangwato’s durch die letzten Kämpfe zwischen Khama und Sekhomo Bedeutung erlangt hatten. Die folgenden Zeilen mögen meine gelegentlich der Schilderungen meines ersten Aufenthaltes in Schoschong angeführten Mitteilungen ergänzen. Ich erwähnte am Schlusse derselben, daß Khama Schoschong verlassen, und ihm der größte Theil der Bamangwato’s in diese freiwillige Verbannung an den Zuga-River gefolgt war, als jedoch Khama sah, daß das Fieber seine Leute in dem Sumpflande decimire, entschloß er sich, nach Schoschong zurückzukehren, und sich zu seinem Rechte zu verhelfen, wohl nicht heimlich seinen Vater und Bruder zu überfallen, sondern diesen offen sein Kommen anzuzeigen; er that dies auch und bezeichnete den Tag seiner Ankunft. Er drang von Nordwesten über die Bamangwatohöhen vor, um die die Stadt beherrschenden und die Schoschonschlucht bildenden Felsenabhänge zu gewinnen. Sekhomo hatte seine Leute getheilt, um mit der schwächeren Abtheilung die Stadt zu vertheidigen, während er die größere auf den Höhen postirte, um Khama an seinem Vorhaben zu hindern; durch den Zuzug der Bewohner der im oberen Thale des Schoschon gelegenen Makalakadörfer verstärkt, hatte Sekhomo eine Khama’s Truppen ebenbürtige Anzahl von Kriegern. So wie in den früheren Kämpfen bewiesen sich diese Makalaka’s, die sich aus dem Matabelelande hierher geflüchtet hatten, auch in diesem Kampfe äußerst unverläßlich und verrätherisch, sie waren diesmal Sekhomo’s wirkliche Bundesgenossen, allein sie hatten auch Khama, den ankommenden Königssohn, ihrer Hilfe und Freundschaft versichert und sandten ihm die Nachricht, daß sie ihn an der Schoschonkluft erwarten würden. Khama schlug die sich ihm entgegenstellenden Krieger Sekhomo’s so rasch, daß diese versprengt den Rückzug nach der Stadt nicht mehr einschlagen konnten, und da bald darauf der seinen Sieg möglichst rasch ausnützende Feldherr mit der Vorhut auf dem Plateau erschien, auf welchem die Makalaka’s Posto gefaßt hatten, glaubten diese, daß es ihm in dem Kampfe schlecht ergangen und er besiegt sei, und diese Richtung blos aus dem Grunde eingeschlagen habe, um den Versuch zu machen, sich der in der Schoschonkluft verborgenen Viehheerden zu bemächtigen. Während sich nun seine Leute vertrauensvoll den Makalaka’s näherten, eröffneten diese auf die Ankommenden ein heftiges Feuer. Dies machte die Bamangwato’s so wüthend, daß die der Vorhut rasch folgende Haupttruppe nur ein einziges Mal ihre Musketen auf sie feuerte, dann aber auf sie losstürzte, und die meisten mit dem Kolben erschlug.

Kampfesscene auf den Bamangwatohöhen.

Ich ließ bei Herrn Mackenzie eine Kiste mit gesammelten Gegenständen zurück sowie Briefe, die er den Herrn Jensen nach Linokana abzusenden versprach, auch wollte er mir etwaige mit der Kaffernpost angekommene Briefe durch Eingeborene oder nach den Zambesi-Gegenden reisende Elfenbeinhändler nachsenden. Während meines Aufenthaltes in Schoschong langte hier eine Gesandtschaft, geführt von Kosi Lintschi, von Rechtswegen dem eigentlichen Bakwena-Thronerben an. Er kam im Namen Sekhomo’s, der sich zu Seschele geflüchtet, um von Khama Sekhomo’s Mutter zu erbitten, zu gleicher Zeit kam aus dem Matabele-Lande die Nachricht daß die Matabele-Zulus einen erfolgreichen Angriff auf die Maschonas ausgeführt hatten.

Herr Mackenzie hielt in einem von ihm selbst aufgeführten Gebäude neben seiner Wohnung durch fünf Stunden Schule, und zwar waren es schon Männer, »Seminaristen«, verschiedenen Betschuanastämmen angehörend, die er belehrte; einige dieser Männer hatten auch zwei Jahre später unter der Anleitung des Rev. Hebern eine Missionsstation auf Wunsch der Eingebornen-Bevölkerung am N’gami-See errichtet.

Hatten wir während unseres ersten Aufenthaltes in Schoschong über fortwährenden Regen, so hatten wir diesmal über anhaltende Dürre zu klagen, in Folge welcher meine Zugthiere etwas abgemagert waren. Am 4. Juni verließ ich Schoschong, um meine Reise nach dem Zambesi anzutreten. Im Franz Josefsthale aufwärts ziehend, schlugen wir am folgenden Tage eine nördliche Richtung ein und überschritten den Unicornpaß und gewannen, nachdem wir das Unicornthal passirt, die Hochebene. Die Scenerie im Unicornthale ist eine sehr anziehende, isolirte Felsenhügel, welche eine baumförmige, armleuchterförmig sich verzweigende Euphorbiacea in ziemlich dichten Beständen schmückt, verengen ab und zu das Thal. Vor wenigen Tagen hatte sich hier eine kleine Episode zugetragen, deren Lösung Khama zur Ehre gereichte; einem Elephantenjäger war durch die umwohnenden Bamangwato’s ein Zugthier entwendet worden, der Spur der Diebe folgend, war der nach Schoschong zurückkehrende Jäger im Stande, dem Könige den Wohnort der Diebe zu bezeichnen. Der König ließ diese vor sich bringen und befahl den Dieben, nicht allein den Schaden sofort zu ersetzen, sondern dem Bestohlenen für die erlittene Verzögerung der Reise zwei Ziegen zu übergeben.

Die Reise am 6. führte über ein tiefsandiges, waldiges Hochplateau, spät Abends gelangten wir zum Letlotsespruit und lagerten nahe an dem Falle dieses Spruit, der jedoch nur nach heftigem Regen sichtbar ist und dessen Wasser dann über die Granitblöcke herabstürzt; die anliegenden Höhen, von zahlreichem Niederwild belebt, zeigten in ihren obersten Lagen rothen Sandsteinschiefer, darunter Quarzit, schwarzen Kieselschiefer, und in den tiefsten Lagen Granit. Die Wasserlöcher von Kanne waren das Ziel des nächsten Tagesmarsches. In einem Halbbogen zur Rechten erheben sich mehr denn dreißig kegelförmige Höhenkuppen, welche die Bamangwato- mit den Serotlehöhen verbinden. In der Nähe dieser Wasserlöcher befand sich ein Viehposten, dessen Bewohner bei unserer Annäherung rasch ihr Vieh zum Wasser trieben, um es zu tränken, so daß wir keines mehr vorfanden und die Löcher neu ausgraben mußten. Am 8. gelangte ich bis zu dem Thale des Luala-Spruits, dessen Vegetation und nächste Umgebung ein anmuthiges Landschaftsbild gewährt. Besonderes Interesse erregen die Gebirgsformation und die Erosions-Erscheinungen im Flußbette. Hier waren es Grotten und Höhlen, dort Nischen, Bassins oder gothische Gewölbe, welche das Wasser, obwohl nur kurze Zeit hindurch im Jahre fließend, im Lualabette ausgewaschen hatte. An der sehr tiefen und schwierig passirbaren Furth traf ich zwei Elfenbeinhändler an, von welchen der eine, Herr Anderson, dem Namen nach als ein ehemaliger Gold-Digger bekannt war. Sie lagen seit einigen Tagen hier, um durch ihre Diener die Gegend bis an die Maque-Ebene, die ihnen als wasserlos geschildert wurde, auszukundschaften. Der Luala wie seine Nebenflüsse waren alle trocken und man mußte allmälig eine Stelle in dem humusreichen Bette ausgraben, um Wasser gewinnen zu können. Nach den Mittheilungen der von Herrn Anderson ausgesendeten Boten hatten wir zwei Tage und zwei Nächte zur nächsten Wasserstelle zurückzulegen, ich ließ deshalb mit Rücksicht darauf unsere Speisen für die nächsten zwei Tage hier zubereiten, um an Wasser zu sparen. Da sich Herr Anderson erbot, mir Gesellschaft zu leisten, so nahmen wir uns vor, die Reise bis an die Salzseen gemeinschaftlich zu machen.

Am 10. zog ich das Hauptthal des Flüßchens hinauf und gelangte Abends zu dem bewaldeten tiefsandigen Hochplateau, welches etwa 30 englische Meilen lang, einen Theil des südlichen Durstlandes bildet. Bei der Wasserlosigkeit der zu durchziehenden Gegend, empfahl es sich so rasch als möglich vorwärts zu kommen, weshalb wir auch bis in die finstere Nacht unsere Fahrt fortsetzten, einige Stunden ausruhten und mit anbrechender Morgendämmerung die Fahrt bis in die späten Vormittagsstunden fortsetzten. Nach einer fünf- bis sechsstündigen Rast während der heißesten Tageszeit brachen wir neuerdings auf. Diese Art und Weise des Reisens ist in den wasserarmen, tiefsandigen, bewaldeten Gegenden dringendst geboten. Das enge Weggeleise, der schlangenförmig sich hin- und herwindende Weg, die wasserarme Gegend und die Anstrengung der Zugthiere in dem tiefen Sande machen das Reisen zur heißen Tageszeit vollkommen unmöglich. Abends hatten wir die von Mapanibäumen bewachsene Tiefebene von Maque erreicht und fanden überall zahlreiche Spuren des gestreiften Gnus, der Zebras, der Giraffen, und selbst im Weggeleise äußerst zahlreiche Löwenspuren. Wir stießen auch auf einige Masarwa’s, welche uns jedoch ein einige Meilen zur Rechten vom Wege liegendes Sumpfwasser zu zeigen verweigerten, da sie die ihnen in diesem Falle drohende Züchtigung durch die Bamangwato’s fürchteten. Die gesammte Maque-Ebene, nach Westen von Tafelbergen begrenzt und nach Norden gegen das Salzseen-Bassin abfallend, ist ein einziger Humusboden, der in der nassen Jahreszeit gänzlich aufgeweicht, in der Trockenzeit durch seine Dürre das Reisen unendlich erschwert. Unter den Händen eines europäischen Landwirths würden die gegenwärtig noch Jagdgründe der Bamangwato’s bildenden Flächen dieser Ebene bald von Weizen- und Baumwollpflanzungen bedeckt sein.

Mit gänzlich erschöpften Zugthieren gelangten wir endlich am folgenden Abende zu den gesuchten Wasserlöchern, an denen bereits die Händler vor mir angekommen waren. Am folgenden Tage holte uns ein Bote des Königs Khama hier ein, welcher den Auftrag hatte, die Bamangwato-Gehöfte auf dieser Strecke zu besuchen und den Insassen derselben den Befehl des Königs bekannt zu geben, unter keiner Bedingung einem Jäger einen längeren als dreitägigen Aufenthalt an einem Gewässer zu gestatten. Dieser Befehl wurde durch die Handlungsweise der holländischen Jäger veranlaßt, welche in übermüthiger Weise alles Wild, dessen sie nur habhaft werden konnten, des Felles halber erlegten und das Fleisch den Geiern zum Fraße überließen. Obgleich wir keine Jäger waren, kam uns dieser Zwischenfall sehr ungelegen, da die Eingebornen uns für solche hielten und ihr Benehmen ziemlich unangenehm wurde. Die Stelle, an der wir eben gelagert hatten, war erst vor etwa zwei Monaten von den Boers verlassen worden, wir fanden auch den gabelförmigen Schleifschlitten, mit dem sie das geschossene Wild zu ihren Wägen herbeischleppten.

Nördlich der Maque-Ebene treten Boas häufiger auf, während sie in Natal keine Seltenheit sind und auf den Höhen der südlichen Betschuanaländer nur stellenweise und vereinzelt angetroffen werden. Mit dem Mapanibaum, dessen Blätter sich durch ihre Oelhaltigkeit, dessen Stamm sich durch die Porosität des Holzes und Brüchigkeit auszeichnet, treten in der Flora auch andere, den tropischen genäherte Pflanzenarten und Formen auf, doch ist die Winterkälte hier noch immer recht empfindlich, wenn auch nicht in dem Maße wie am Vaal- und Oranje-River, zudem liegt die Maque-Ebene etwa 1200 Fuß tiefer als jene Hochebene an den genannten Flüssen. Am Morgen des 14. waren die Löcher mit einer über 1 Cm. starken Eisdecke überspannt.