Am Nachmittage des 13., als ich eben einige hundert Schritte vom Wagen entfernt, in einem dichten Gebüsch eine Boa verfolgte, entstand am Wagen ein Geschrei, das mich zur Umkehr bewog. Ich fand Anderson in nicht geringer Aufregung. Ueber den Grund derselben befragt, theilte mir der Jäger mit, daß eben eine Heerde wilder Strauße im vollen Laufe auf die Lachen zur Tränke herangestürmt sei, daß die Thiere jedoch durch die Wägen erschreckt, sich in den nahen Mimosenwald geworfen hätten und nun von den Wagenlenkern und den übrigen Dienern verfolgt würden. — Nach einer halben Stunde kehrten diese abgehetzt und abgemüdet zurück, ohne einem Strauß auch nur auf Schußweite nahegekommen zu sein.
Den zum Wagen rückkehrenden Dienern folgte bald eine Schaar von Eingebornen nach und eröffneten eine überlaute Discussion mit uns. Sie erklärten, daß wir keine friedlichen Reisenden, sondern Jäger wie die Boers wären, die kein Wild verschonen, denn kaum hätten wir die Strauße gesehen, als wir ihnen auch schon nachstellten. Schließlich drängten sie zur baldigsten Abreise und wollten von einer Fristerstreckung nichts wissen.
Das Lualabett.
An diesen Maque-Lachen hatten sich in den letzten Jahren vor meiner Ankunft einige interessante Löwenabenteuer zugetragen, von denen ich eines im weiteren Verlaufe meiner Reiseschilderung wiedergeben will. Wir verließen am folgenden Morgen die Lachen und zogen in Gesellschaft Andersons in nördlicher Richtung, in welcher eine von den Boers »Bergfontein« benannte Quelle in 65 bis 71 Meilen Entfernung liegen sollte. Hochbegraste und bebuschte Lichtungen wechselten auf dieser wasserlosen Strecke mit lichten Mapaniwäldern ab, zahlreiche den Weg kreuzende Spuren zeugten für den Wildreichthum der Gegend. Während des Marsches wurden wir von zahlreichen Eingebornen eingeholt, welche mit Assagaien bewaffnet (es waren Makalahari’s und Masarwa’s) auf die Elandsjagd ausgezogen waren.
Straußenheerde am Wagen.
Von allen Antilopen ist das Eland die wohlgenährteste, namentlich die Stiere, deren Herz in einem bis zu 25 Pfund schweren Fettsack eingebettet ist, der sie an schneller Flucht hindert. Die Thiere werden so kurzathmig, daß sie von den behenden Masarwa’s im vollen Lauf eingeholt und gespeert werden. Die Nachfolgenden stoßen ihm die Assagaie von rechts und links in die Brusthöhle, um die Lungen oder das Herz zu verletzen. Berittene Jäger (Holländer und Engländer) jagen die Elande (auch die Giraffen) bis an den Wagen heran, um sie erst hier niederzuschießen und sich so den Transport des Fleisches und Felles zum Wagen zu ersparen. Nach den Berichten der Eingebornen und Jäger glaube ich, daß man ohne Schwierigkeiten das Eland zähmen und zum Tragen und Ziehen kleiner Lasten verwenden könnte.
Am selben Tage stießen wir auf zwei mit Musketen bewaffnete und von fünf Masarwa’s begleitete Bamangwato’s, welche zwei mit Fleisch beladene Ochsen vor sich hertrieben; jeder der Masarwa’s trug etwa 50 bis 60 Pfund Fleisch. Die Leute gingen nach Schoschong, um sich von Khama Verhaltungsmaßregeln geben zu lassen, da ein Theil der aus dem Reiche ob ihrer verrätherischen Handlungsweise verbannten Makalaka sich im nördlichen Bamangwato-Lande umhertrieb, von den Masarwa’s bedienen ließ und dieselben an jeder Dienstleistung für ihre Herren (die Bamangwato’s) hinderte.
Am 17. Früh gelangte ich nach Bergfontein, einer an einem bewaldeten Abhange liegenden, von den Eingebornen als jene des zur Regenzeit nach Norden fließenden Nokaneflüßchens angesehene Quelle. Der Abhang, ein zerklüftetes, dicht bebuschtes und von üppiger Vegetation bedecktes Hügelland ist der Abfall der Maque-Ebene zu den Lachen der großen Salzseen. Dicht bei einander stehende Fächerpalmen grüßen etwas abseits vom Ufer des Nokane-Spruit den vom Süden kommenden Wanderer und bereiten ihn, der noch nie die Wunder der tropischen Pflanzenwelt erschaut, auf jene vor; die Gebüsche und Bäume der ganzen Gegend hoch überragend, sind sie vielleicht die südlichsten Repräsentanten der Königin der Palmen im centralen Südafrika. Da sie eben reiche Früchte trugen, schoß ich mir einige herab, um sie meiner Sammlung einzuverleiben. Um die vier schlanken, von den schönsten Kronen geschmückten Stämme wucherte reichliches Palmengebüsch, welches aus den herabgefallenen Früchten emporgekeimt war. Schon an diesen waren die Blätter riesig groß und und begannen sich fächerförmig zu entfalten. In einem kahlen, seichten, doch breiten, über eine allmälig abfallende Felsenwand sich hinziehenden Spruitbette fand ich einen Strauch, der mich an die baobabartigen erinnerte. Der untere Theil des etwa 4 bis 5 Fuß hohen Strauches war unförmlich verdickt, bis zu 40 Zoll stark und fleischig, von einer gelblichen Rinde bedeckt, etwa 1 bis 1½ Fuß über dem Boden verengte er sich zu 2 bis 3 Zoll dünnen Aestchen, gleich Fortsätzen, die einer fleischigen, oberflächlichen Wurzel entsteigen. Manche dieser Stöcke waren mehrere Centner schwer und ich hoffe einen oder zwei das nächste Mal fortbringen zu können.