Von den am Maque und hier ansässigen Makalahari’s und Masarwa’s erstand ich einige aus Holz und Bein gefertigte Schmucksachen und Utensilien, die ich jedoch später durch einen Unfall einbüßte. Die einzelnen Höhen des Hügellandes sind dicht bewaldet, durch den Wald führen nur äußerst wenige Wege und dies meist Wildpfade nach der Nokanequelle. Diese wenigen Pfade macht sich nächtlich das Wild, aber auch die in der Nähe wohnenden Eingebornen zu Nutzen, indem sie vergiftete Fall-Assagaien über diesen Pfaden aufhängen. Rechts und links von dem betreffenden Baume wird das Gestrüpp flügelartig aufgeschüttet, um die in dem Pfade oder nahe an demselben schreitenden Kudu’s zum Einhalten desselben zu zwingen. Einen Fuß über dem Boden wird quer über den Pfad eine Grasschnur gezogen, welche an einem Holzpflöckchen, doch nur so lose befestigt ist, daß sie sich bei einem mäßigen Rucke von demselben loslöst. Am gegenüberliegenden Pfadrande stehen zwei Holzstäbchen, mit einem Querstäbchen verbunden. Die Schnur führt unter diesem hindurch und wird so in ihrer horizontalen Lage erhalten und dann empor zu den ersten über den Weg reichenden Queraste geführt, von dem sie mit dem Fallassagai beschwert, über dem Pfade und senkrecht über der darüber ausgespannten Schnur herabhängt. Die Waffe ist im Allgemeinen sehr roh gearbeitet und besteht aus einem drei bis vier Fuß langen, ungeglätteten, schweren und armdicken Holzstücke, in welches eine stumpfe, kaum zwölf Zoll lange, rostige mit Gift getränkte Eisenwaffe eingelassen ist. Die Waffe verwundet das Thier am Nacken nur leicht, das Gift wirkt rasch, trotzdem wird das Fleisch von den Eingebornen benützt indem sie das die Wunde umgebende Fleischstück ausschneiden. Die Pfade werden von den Jägern zu bestimmten Zeiten, in denen das Wild in den Wintermonaten häufiger das Wasser aufsucht, abgesucht, um so rasch wie möglich nach dem Eindringen der vergifteten Waffe der Beute habhaft zu werden. Andersons Genosse war bei der Verfolgung einiger Kudu’s auf einen solchen Pfad gerathen und in demselben fortgestürmt, als ihn sein ihm unmittelbar folgender Diener noch rechtzeitig auf die drohende Gefahr aufmerksam machte. Ich selbst fand mehrere Wege in der Nähe des Wassers in dieser Weise abgesperrt.
Am Nachmittage zog ich in Gemeinschaft mit den beiden Elfenbeinhändlern nach Norden bergabwärts, mehrmals den Nokane und später zwei andere trockene Spruits kreuzend. In dem dichten Grase der Thäler beobachtete ich ungewöhnlich entwickelte hohe Aloë-Pflanzen und zahlreiche Tigerschnecken.
Am 18. Früh langten wir am Südostufer eines Salzsees an, der den südlichsten (auf meiner Tour) von einer Unzahl von kleineren, und den kleinsten von drei riesigen Salzseen bildete. Diesen nach Westen unabsehbaren Salzsee durchschritt ich an seiner größten Ausdehnung von Süden nach Norden an seinem Ostufer in zwei Stunden. Er stellte eine gleichmäßig seichte, kaum zwei Fuß tiefe, weißlichgraue, von steifem Salzgras umrahmte und von dichtem Waldgebüsch umschlossene Fläche dar, welche kaum einmal im Jahre mit Wasser vollgefüllt ist. Um ihn herum, hauptsächlich jedoch im Bereiche des Grases befinden sich zahllose kleinere, ebenso seichte Salzlachen. Von allen Seiten strömen Regenflüsse nach heftigen Regengüssen ein, die jedoch in der Regel nicht bis in den Salzsee einmünden, sondern vertieft mit einem um drei bis sechs Fuß tieferem Bette nahe am Ufer desselben stagniren. Das von ihnen geführte Wasser tritt über und füllt in dieser Weise den See. Dieser südlichste Salzsee heißt Tsitani, ebenso der bedeutendste Fluß an seinem Ostufer und die Höhe zu unserer Linken, durch welche der Abfall des Hochplateaus nach dem Salzseebecken als zungenförmiger Ausläufer markant hervortrat. Ein großer Theil des Bodens am Grunde der Salzseen ist von einer Felsenplatte gebildet, die theils von dem durch die Regenzuflüsse angeschwemmten Erdreich überlagert ist, oder frei und nackt da liegt. Während der Aufnahme der Breite des Salzsees in seinem östlichen Theile, stieß ich auf eine Heerde gestreifter Gnu’s, leider ohne eines der Thiere habhaft werden zu können. An dem salzigen Gewässer des Flusses Tsitani (es fanden sich noch einige Lachen davon an seiner Mündung) traf ich ziemlich häufig Löffelreiher und Enten. Unter dem übrigen Wildgeflügel sah ich nach längerer Zeit Knurrhähne wieder.
Am folgenden Morgen beendete ich die Kartenskizze der Tsitani-Pfanne und schoß in den Bäumen des Ufers einen großen Uhu. Der Boden rings um die kleinen Salzpfannen ist namentlich an allen den geringen Senkungen sehr salzhaltig. Bleibt hier das Regenwasser auch nur kurze Zeit stehen, so wird schon die Vegetation in der Entwickelung gehemmt. In Folge der raschen und mächtigen Verdunstung bildet sich eine ½ bis 1 Zoll starke, 2 bis 6 Zoll vom Boden abstehende Kruste auf weite Flächen hin, welche bei dem Betreten unter jedem Schritt einbricht. Der Rand des Sees wird von kleinen Chalcedonen und Milchkieseln bedeckt, welche das Regenwasser herabschwemmt. Zur Zeit heftiger Winde wird das sich an dem Rande bildende Salz sowie der feine salzhaltige Boden der trockenen oberen Rasenfläche in hohen, weißlichgrauen Staubwolken aufgewirbelt.
Am 21. verließen wir gemeinschaftlich das Ufer der Tsitanipfanne, trennten uns jedoch bald darauf, da ich von den Eingebornen vernahm, daß weiterhin Wasser anzutreffen sei und ich es nicht für nöthig hielt, das Reisetempo der beiden Handelsleute einzuhalten. Wir trafen bei der nächsten Wasserstelle wieder, zwei Wochen später im Thale des Panda ma Tenka-Flüßchens zum zweiten Male und etwa ein Jahr später in Schoschong nochmals zusammen.
An der Salzpfanne bemerkte ich auch den ersten Baobab, eines der südlichsten Exemplare in der von mir eingeschlagenen Richtung (die zwei südlichsten im centralen Süd-Afrika wurden von Mauch im westlichen Transvaal-Gebiete am rechten Ufer des Limpopo angetroffen); er hatte bei 25 Fuß Höhe einen Umfang von 52 Fuß. Auf meinem Wege nach Norden hatte ich zuerst einige der beschriebenen kleineren, am Ostufer der Tsitani liegenden zahlreichen Salzpfannen, sowie den Tsitanifluß selbst zu überschreiten, dann hielt ich durch das Becken der großen Salzseen eine fast nördliche Richtung ein. Dichter Niederwald, in dem die Bäume zum großen Theile mehr oder weniger verkrüppelt waren, wechselten nun mit Wiesen ab, die mit saftigem Süßgras und einem reichen Blumenflor bewachsen waren. An den salzhaltigen Stellen und am unmittelbaren Rande der Pfannen und seichten Flüßchen und Bäche nahm die Vegetation einen stachlichen Charakter an. Springbock- und Deukergazellen, Zulu-Hartebeeste und gestreifte Gnu’s, nach den Spuren zu urtheilen auch Löwen, belebten die Scenerie an der Tsitanipfanne und in den umliegenden Wäldern.
Die Fahrt führte uns in den nächsten Tagen an einer Reihe von umfangreichen Bodenvertiefungen vorüber, deren Mitte von kleinen Salzseen eingenommen werden, ich zählte auf der Strecke bis zu unserem Nachtlager, dem ersten nach dem Verlassen der Tsitanipfanne, nicht weniger als 42. An einem derselben, dem kleinen Schoni-Salzsee hielten wir unsere Mittagsrast. Außer diesen Salzseen stießen wir auf Süßwasserlachen, die an ihrer Binsenumrahmung leicht zu erkennen sind.
Am Morgen des 22. stand ich am Ostufer eines den Tsitani an Größe weit übertreffenden, tiefer liegenden und von den Eingebornen Karri-Karri genannten Salzsees, dessen Ufer zahlreiche Baobabbäume schmückten. Von besonderem Interesse schien mir die geologische Formation am Ostufer des Karri-Karri, welcher ebenso wie der Tsitani-Salzsee ein ziemlich gleichschenkeliges Dreieck bildet, dessen Spitze nach Westen gekehrt ist und dessen Fläche von Osten nach Westen sich unabsehbar ausdehnt. Im Westen steht der Karri-Karri-Salzsee und der Tsitani- mit dem nördlicher gelegenen Soa-See durch den Zuga-River in Verbindung.
Masarwa’s, deren Unterschenkel an der Vorderfläche die bekannten rothen Krusten zeigten, boten uns die Früchte des Baobabs zum Kaufe an und begehrten für dieselben etwas Mais und Tabak. Drohender Regen trieb uns zur Eile an und gestattete uns nicht, länger an dem Ufer des Sees zu verweilen, welcher mir in naturhistorischer Hinsicht sehr reiche Ausbeute versprach.
Ich überschritt am Nordostende an einer der Hauptbuchten des See’s den Mokhotsifluß, dessen Gefälle nach Nordost gerichtet ist und der das überschüssige Wasser aus dem seichten See nach dieser Richtung hin abzuführen scheint. Der Weg führte während des nächsten Tages durch einen dichten Mapaniwald und später über einen trockenen, etwa 60 Fuß breiten, 10 bis 16 Fuß tiefen Fluß, der ein deutliches Gefälle nach Osten zeigte und von den Masarwa’s der mit hohen Bäumen bestandenen Ufer halber, Tschaneng oder der schöne Fluß genannt wird. Mit ihm parallel läuft ein Spruit (von den holländischen Jägern Mapanifontein genannt), in welchen zahlreiche Quellen münden und dadurch, daß auch der Tschaneng bei Hochwasser einen Theil seines Wassers an ihn abgibt, in seinen tieferen Partien das ganze Jahr hindurch Wasser führt. Ich bin der Ansicht, daß der Tschaneng ein Abflußarm des Zuga-River oder ein Abfluß der größten der drei Salzseen, der Soa ist, und sich in den Matloutse-River oder einen seiner Nebenflüsse ergießt. Auf der Fahrt nach dem Tschaneng erlegte ich einen auf der Jagd nach Eidechsen begriffenen großen Raubvogel (Buteo Jackal), welcher den Colonisten unter dem Namen Schakalvogel bekannt ist. Ich verließ den Tschaneng am Nachmittage des 23. und zog mit Anderson, der mich eingeholt hatte, einige Meilen gemeinschaftlich nach Norden. Wir zogen durch den Khori genannten Wald und an einem verlassenen Masarwadorfe nahe der Furth über den Tschaneng vorbei und erblickten in den Frühstunden des nächsten Tages den Spiegel eines dritten großen, Soa genannten Salzsees, in dessen Nähe wir holländischen Jägern begegneten, welche auf der Straußen- und Elephantenjagd begriffen waren.