Von Meriko erfuhr ich, daß wir uns bereits am Ufer des Nata, des wichtigsten Zuflusses der Soa befanden, und daß in seinem Bette leicht Salz zu gewinnen sei und daß die Matabele jährlich von ihren Königen oder von ihren Häuptlingen hierher gesendet werden, um Salz zu holen; unsere Matabele-Gäste waren eben auf einem solchen Zuge begriffen gewesen. Der Bamangwato-König weiß wohl von diesen Raubzügen, allein er hindert die Matabele nicht, die zuweilen den ihnen begegnenden Bamangwato’s die Waffen abnehmen und den Masarwa’s die Unterschenkelknochen entzweischlagen.[6]

Jagd auf Zulu-Hartebeeste.

Zur großen Beruhigung unseres wackeren Bamangwato-Dieners fuhren wir noch am selben Tage weiter nach Norden, nach dem Ufer des nahen Nataflusses. Das Wild nahm zu, größere Heerden von Springbockgazellen, die ich so weit im Norden nicht anzutreffen dachte, mehrere Trupps von Zulu-Hartebeesten, gestreiften Gnu’s, Straußen und Zebra’s wurden sichtbar. Meriko, der wieder vergnügt mit Niger neben dem Wagen einherlief, sprang zuweilen auf das Wagenbrett, um sich von dem Abzuge der Matabele zu versichern; bei Gelegenheit einer solchen Umschau bat er mich, in der Fahrt inne zu halten. Ich folgte der mir angegebenen Richtung, in welcher etwa 600 Schritte vom Wagen und zur Rechten im Grase, Meriko auf eine Heerde großer »Polocholo« (Wild), »Sesephy« (Zulu-Hartebeest) hinwies. Ich konnte mit bestem Willen nichts sehen, desto besser Pit und Th., die beide mehrere Stücke zählten. Rasch wurde Kriegsrath gehalten und die Verfolgung der Thiere in folgender Weise beschlossen: Ich sollte mich schußbereit halten, der Wagen jedoch die Fahrt fortsetzen, auf etwa 300 Schritte nahegekommen, sollte ich auf der den Thieren entgegengesetzten Seite (sie befanden sich etwa 200 Schritte vom Wege) vom Wagen gleiten und im Grase gegen die Thiere bis auf 150 Schritte anschleichen, aus welcher Entfernung ich dann, durch einen Hardekoolebaum gedeckt, feuern konnte. Es war nicht schwer, diesen Plan zur Ausführung zu bringen, und bald fand ich mich im Grase und kroch langsam vorwärts, während der Wagen die Fahrt fortsetzte.

Die Soa-Salzpfanne.

Bevor ich jedoch noch den schützenden Baum erreichte, machte mich ein Pfiff von Th. darauf aufmerksam, daß die Thiere durch den Wagen aufgescheucht worden wären und sich eben zur Flucht wandten. Um so rascher kroch ich nach dem Baume, spannte den Hahn und als ich eben vorschaue, erscheint eines der Thiere (der Führer) von einem zweiten Thiere gefolgt, etwa 150 Schritte im vollen Laufe in meinem Gesichtskreise. Ich lege auf das erste an und feuere. Meine Gefährten schreien laut auf und eilen, sich um Wagen und Gespann nicht weiter kümmernd, von den Hunden gefolgt, alle nach der Stelle, die eben das Wild eingenommen. Ich sehe vier Thiere flüchten und da ich nicht wußte, daß es fünf waren und der Pulverrauch den Führer der Heerde meinen Blicken entzog, staunte ich nicht wenig über meine Gefährten. Ich dachte zuerst an das Gespann, das die Leute im Stiche gelassen, doch der Weg war mit üppigem Gras überwuchert, das Gespann stand still und graste im Joche, so gut es ging. Ich eile den Uebrigen nach und wer beschreibt mein Erstaunen, als ich vor mir einen schönen Sesephy verendet liegen sehe. Sanct Hubertus war mir diesmal ungewöhnlich hold und verhalf mir zu einer ebenso schönen als wichtigen Acquisition.

Am Nata-Spruit angelangt, mußte ich, abgesehen von der verlockenden Gelegenheit, meine Sammlungen zu bereichern, den ermüdeten Zugthieren einige Tage Rast gönnen. Unsere nächste Sorge galt der Auffindung von Trinkwasser, im Flußbette selbst waren alle Lachen salzhaltig. Da uns jedoch zwei Tage zuvor von einem Masarwa die Möglichkeit, frisches Wasser im Bette des Nataflusses zu finden, in Aussicht gestellt wurde, folgten wir zwei dem Fluß aufwärts. Das Flußbett war 100 bis 150 Schritte breit, bis an 20 Fuß tief und schien nach Regengüssen bis an das Gras am oberen Rande gefüllt zu sein. Ein Freudenschrei Th.’s kündigte mir an, daß unser Suchen nicht vergebens war, es war ein glücklicher Fund, denn schon die nächste Lache zeigte wieder salzhaltiges Wasser.

An unserem Wege im Flußbette hatten zahllose Wildspuren gekreuzt, unter denen jene der an der Soa erwähnten Wildarten die häufigsten waren, doch fielen uns auch namentlich sehr zahlreiche, frische Löwenspuren auf. Der von Pit vorgeschlagene, von mir und Th. gutgeheißene, nur von Meriko wegen der nur zwei Stunden entfernt lagernden Matabele mißtrauisch betrachtete Lagerplatz ward sofort bezogen. Der zahlreichen frischen Löwenspuren halber hielt ich es für angemessen, die Zugthiere in unmittelbarer Nähe des Lagers zu halten und befahl dem mit einem Hinterlader bewaffneten Meriko Wache zu halten. Bald war auch die Umzäunung des Lagers fertig gestellt, welche diesmal hoch und breit gearbeitet war. Außerdem wurden vier Feuer errichtet und bis zur vollen Dunkelheit unterhalten, so daß sie durchwegs bis gegen 1 und 2 Uhr Nachts ungeschwächt fortbrannten.

Der arme Niger hatte schwere Arbeit und bewies sich vortrefflich. Jene vom königlichen Geblüte machten uns wiederholte Besuche, noch häufiger fanden sich die beiden Schakalarten, der Schabrackenschakal und der graue ein, auch die gefleckte und die braune Hyäne ließen sich vernehmen, schließlich »der lieben Thiere so viele,« daß ich von nichts als schönen Löwen- und Hyänenbälgen, die vor mir ausgestopft im lustigen Reigen tanzten, träumte. Schakalgekläffe in zwei Modulationen bildete die »Ouverture« zu jenem Concert, das Löwengebrüll den »dramatischen« Theil der Vorstellung, die mit dem unharmonischen Hyänengeheule gegen Morgen ihren Abschluß fand.