[6] Ich möchte auf diesen Umstand besonders Reisende aufmerksam machen, welche eingeborne Diener im Gefolge haben und diese Gegenden berühren sollten. Für sie ist es am angezeigtesten, sich vorher durch Kundschafter die Gewißheit zu verschaffen, ob die Ufer des Nata gefahrlos zu passiren sind.

IV.
Vom Nataspruit nach Tamasetse.

Die Salzlager im Nataspruit. — Ein Capitalschuß. — Von Löwen aufgeschreckt. — Das sandige Lachenplateau. — Strauße am Wagen. — Nachtreise bei Fackelschein. — Ein Löwenabenteuer. — Die Klamaklenjana-Quellen. — Vereitelte Elephantenjagd. — Begegnung mit Elephantenjägern. — Die Madenassana’s. — Gebräuche und Sitten derselben. — Der Yoruha-Weiher und die Tamafopa-Quellen. — Nächtliches Thierleben im Walde. — Eine verunglückte Löwenjagd. — Pit schläft auf dem Anstande.

Nachtreise bei Fackelschein.

Am Vormittage des 29., nach jenem angenehmen Zeitvertreib, der im Löwenbaume durchlebten Nacht, unternahm ich einen Ausflug, um die Formation an den Nata-Ufern zu untersuchen. Zwei Riesenstörche (Sattelstorch-Species Mycteria senegalensis) zogen ihre weiten Kreise über den Fluß; mich rasch niederduckend, störte ich sie nicht beim Einfallen, beschlich sie dann und es gelang mir, einen für meine Sammlungen zu erbeuten. Die Thiere stellten den zahlreichen Fischen nach, welche sich in einer der flacheren Salzlachen des Flußbettes unter dem Gesteine zu verbergen suchten. Am Nachmittage machte ich einen längeren Ausflug durch die südliche Ebene, um nach der Matabelehorde zu sehen, und um die Stelle, an welcher sie das Salz zu gewinnen pflegten, näher zu untersuchen. Schon 1200 Schritte vom Wagen jagten wir eine Zebratruppe (von der dunklen Art) auf, welche in wilder Flucht dem Flusse zueilte, so rasch und in solcher Hast, daß ich schon die ganze Heerde über das steile Ufer herabstürzen zu sehen wähnte, als die Thiere ebenso plötzlich stille hielten und dann zur Rechten einbiegend, durch eine schmale Abflußrinne hinabgelangten. Es dröhnte laut auf und eine dichte Staubwolke erfüllte die Luft, als die Thiere das trockene Bett kreuzten, noch einige hundert Schritte hinübereilten, um dann an einer weniger steilen Stelle unfern meines Wagens auf das jenseitige Ufer emporzuklimmen. In der Ferne erschienen die Thiere größer als sie sind, ihre Hauptstärke liegt in dem gewaltigen Kopfe und dem Halse, und da sie sehr gut genährt sind, ist es nicht schwer, sie mit Pferden einzuholen. Die Masarwa und Makalahari nennen sie mit Rücksicht auf ihr Wiehern, das durch »Quag-ga«, wobei die erste Silbe bedeutend kürzer als die zweite klingt, deutlich wiedergegeben werden kann, Quaggas. Je näher ich dem Matabele-Lager kam, desto mehr Vorsicht hielt ich für nöthig, da ich jedoch auf der Ebene wenig Deckung fand, wandte ich mich nach Westen und kam hier in eine Flußvertiefung, die nach dem Nata zuführte, so daß ich selbe als einen Arm des unteren Nata ansehen möchte, der nach der Soa führt. Ich folgte ihm geraume Zeit, er hatte denselben Charakter wie der Nata und entschloß mich dann, durch das hohe Gras nach dem vermuthlichen Lager, d. h. bis auf eine englische Meile Entfernung von demselben anzuschleichen. Doch wie staunte ich, als dieser Arm nach einer Stunde Wegs, wobei wir rechts und links von uns Zulu-Hartebeest-Heerden beobachteten, nach Osten in der von mir angestrebten Richtung abbog und ich ihn verfolgend, das verlassene Matabele-Lager vor mir sah.

Ich stand an einigen mit rosa- und dunkelcarmin gefärbter, stark salzhaltiger Flüssigkeit gefüllten, ziemlich umfangreichen, in der Mitte des Bettes liegenden Lachen; rings war der Boden von weißlichem Salzniederschlage bedeckt, und zerstreute Salzstücke, schöne auf einer 1 bis 2 Zoll dicken harten Thonlage ruhende Krystalle, lagen überall umher, auch Pfähle, mit denen das Salz aus den Lachen herausgebrochen worden sein mochte. Die Matabele hatten also die Stelle schon verlassen, ich hatte die Störenfriede nicht mehr zu fürchten und konnte eine genaue Besichtigung der Lachen vornehmen. Bei normalem Winterwasserstand sind dieselben 1 bis 1½ Fuß tief, 30 bis 45 Fuß breit, 30 bis 900 Fuß lang. Der Niederschlag am Boden ist 1 bis 3 Zoll stark und verbindet die Ufer einige 6 bis 10 Zoll unter der Oberfläche der Flüssigkeit wie eine starke Eisdecke, schlägt man diese durch, so kommt man einige Zoll bis einen Fuß tiefer auf den eigentlichen Boden des Gewässers. Tritt man hinein, so glaubt man auf Nadelkrystallen zu stehen, und die Füße bedecken sich mit einem deutlich sichtbaren Niederschlage. Diese stark salzhaltigen Lachen sind weder von Vögeln noch anderen Thieren besucht.

Die schönen rosarothen Krystalle, mit denen jeder in die Lache geworfene Gegenstand bald inkrustirt und an der Salzdecke festgepicht wird, erblassen leider so wie sie der Lache entnommen werden. Wir schleppten mit, so viel wir konnten, und ich sandte am folgenden Tage Pit und Meriko zur selben Stelle, um Salz für unseren Gebrauch zu gewinnen. Um es von seinem Kalkgehalte zu befreien, wird das Salz gekocht und dann zerschlagen. Ich bediente mich seiner zum Einsalzen des Wildfleisches. Auf dem Heimwege von diesen Salzlachen (ich folgte dem Bette, indem sie liegen, bis in den Nata, es ist also ein von ihm abzweigender und sich wieder mit ihm vereinigender Arm) beobachtete ich die letzten Springbockheerden nach Norden und Heerden des gestreiften Gnu’s, das hier das schwarze Gnu vertritt, welches ich nicht nördlicher als über Schoschong zu beobachten Gelegenheit hatte.

Am 29. schoß mein Freund Th. eine Steinbockgazelle, auf der östlichen Grasebene, es war ein Capitalschuß auf 250 Meter. In der Nacht am 29. legte ich an mehreren Stellen mit Strichnin vergiftete Stücke Fleisch aus, um einige Schakalbälge zu gewinnen, am nächsten Morgen fand ich vier Cadaver dieser Thiere; das Fleisch des abgezogenen Thieres wird schon in der folgenden Nacht von seinen Genossen verspeist, und man wird dann in den nächsten Tagen jene, die an dem Mahle theilgenommen, todt in dem Gebüsche wiederfinden. Die Umgegend des unteren Nataflusses ist durch zahlreiche Baobabbäume, welche in dem salzhaltigen Boden ebenso gut gedeihen, wie im Humus, so wie durch dichtes Palmengebüsch ausgezeichnet.

Meine Sammlungen hatten nun schon derart an Umfang gewonnen, daß ich mich entschließen mußte, das bisher Gewonnene mit dem ersten, nach dem Süden zurückkehrenden Elfenbeinhändler oder Jäger zu Rev. Mackenzie nach Schoschong zu senden. Am 3. Juli verließ ich den Lagerplatz im Mimosengehölz, den ich trotz der nächtlichen Löwenbesuche liebgewonnen hatte und zog am linken Nata-Ufer den Fluß nach aufwärts. Der Weg führte am Rande der östlichen Ebene und war theilweise tiefsandig. Während unserer Fahrt sahen wir eine Heerde von Zebra’s in einer Entfernung von 500 Schritten grasen. Th. wollte seine Kunst als Schütze an den Thieren erproben, schlich sich auf 50 Schritte an und feuerte aus dem hohen Grase auf eines der Pferde. Der Schuß traf, das Thier fiel sofort nieder, sprang auf, lief noch etwa zehn Meter, fiel abermals nieder und verendete nach 15 Minuten. Wir eilten alle hinzu, Pit faßte unvorsichtiger Weise das Thier am Kopfe, doch dieses, obwohl in den letzten Zügen, biß nach ihm, ohne ihn glücklicher Weise zu erhaschen, andernfalls hätte der Diener eine tiefe Bißwunde davongetragen. Wir machten uns sofort an das Abhäuten der Beute und nahmen mit Ausnahme des Brust- und Halsfleisches, alles übrige mit, um Beltong zu bereiten. Etwa 2½ englische Meilen weiter fand ich in einem dichten Gehölze die geeignete Stelle zu einem neuen Lagerplatz, um hier vollends die Haut des Thieres zu präpariren.