Während Pit und Th. damit beschäftigt waren, das Fleisch der Zebrastute in Stücke zu schneiden, um es aufzuhängen, arbeitete ich an dem Felle und dem Schädel. Meriko wachte mit einer Muskete bei den grasenden Zugthieren. Am Nachmittag besah ich mir die nächste Umgebung und fand die Büsche dicht, den Baumwuchs spärlicher, doch stellenweise schöne Baobabbäume. Das Ufer des Nataspruits, in dem sich hie und da schöne bewaldete Inseln befanden, war hier hoch und steil und das Bett enthielt eine mehrere hundert Fuß lange und ziemlich tiefe Lache, welche von Wasserschildkröten und Fischen wimmelte. Doch auf sie hatten wir nicht viel Zeit zu verwenden, denn es schien mir geboten, bis Ende dieses Monats, wenn möglich, den Zambesi überschritten zu haben und bis zum December in das weniger ungesunde Hochland an seiner nördlichen Wasserscheide gelangt zu sein.

Da wir keine Löwenspuren bemerkten, errichteten wir eine ziemlich niedrige Umzäunung — es war uns bisher nicht bekannt, daß die Löwen oft Tagereisen weit Streifzüge von ihren gewohnten Schlupfwinkeln aus unternehmen; die Nacht war kalt, ein eisiger Südsüdwest-Wind hieß uns die Nähe des Feuers suchen und da die Nacht dunkel zu werden versprach, bereute ich es, keine höhere Umzäunung gemacht zu haben; ich vertröstete mich damit, daß das Zebrafell morgen trocken sein und ich den Ort verlassen konnte. Schon um 8 Uhr war die Finsterniß vollständig hereingebrochen, zeitweilig fielen Regentropfen und verkündeten im Vereine mit dem durch die Wipfel der niederen Bäume streichenden Winde eine unangenehme Nacht.

Plötzlich, so plötzlich, daß wir alle vor Schrecken aufsprangen, wurden wir durch das heftige Zusammenfahren und Gebrülle der Ochsen in der Umzäunung aufgeschreckt. Nur zu leicht konnten wir deutlich hören, daß einige derselben flüchtig geworden und beim Uebersetzen der meist aus trockenen Aesten errichteten Umzäunung in derselben eingebrochen waren. Um unsere Ueberraschung noch zu erhöhen, sprang Niger laut bellend nach den Gebüschen, während sich der kleinere Hund winselnd unter dem Wagen zu verbergen suchte. Wir drei am Feuer dachten natürlich, daß ein oder mehrere Löwen über den niederen Zaun in den Kraal eingedrungen waren, dies um so mehr, als wir die zurückgebliebenen Zugthiere sich in einen Klumpen aneinanderpressen sahen und uns ein ununterbrochenes, gedämpftes Blöken beunruhigte.

Von Th., der wenige Augenblicke vorher eben damit beschäftigt war, die Zugthiere etwas kürzer anzubinden, konnten wir, so weit uns der Feuerschein etwas in der Dunkelheit zu sehen gestattete, nichts erblicken. Während sich Meriko und Pit jeder mit einem Feuerbrand bewaffneten, sprang ich auf den Bock, um meinen Hinterlader zu ergreifen, und ließ die Diener ihre Leuchten hochhalten, um hinreichend Licht in den Kraal zu werfen. Ich konnte jedoch nichts von einem Löwen in demselben erblicken. »Theunissen, können Sie den Löwen sehen,« rief ich, doch statt einer bejahenden Antwort drang ein wimmerndes. »Helft mir, helft!« aus dem Knäuel der Zugthiere, aus deren Mitte sich zugleich das ängstliche Blöken vernehmen ließ. Wir sprangen herbei und fanden, daß die Zugthiere durch einige sich anschleichende Löwen in Aufregung versetzt, das in der Erde befestigte Ziehtau losgerissen und sich in der Verwirrung in dasselbe verwickelt hatten, wobei Th. und zwei Zugthiere niedergeworfen wurden, während andere zwei über die Umzäunung setzten.

Dank der Wachsamkeit Nigers hatten sich die Löwen zurückgezogen, und während wir Th., der glücklicher Weise unverletzt war, aus seiner unerquicklichen Lage befreiten, kehrten auch die beiden entlaufenen Zugthiere zum Wagen zurück. Ich ließ, nachdem die Thiere am Wagen entsprechend befestigt waren, rasch fünf Feuer um den Wagen und die Umzäunung anzünden, und unter ihrem Schutze fällten wir mehrere Mapanibäumchen und erhöhten damit die Umzäunung.

Erst am 5. konnte ich die Weiterfahrt, und zwar unter strömendem Regen antreten, der mir indeß diesmal willkommen war, da er den tiefen Sand compacter machte und den Zugthieren die Arbeit erleichterte. Ich passirte die durch tiefe Sandmassen ziemlich schwer passirbare Furth des Nataspruits und traf jenseits derselben auf einem verlassenen Jagdplatze die Reste eines Boerwagens. Von Wild beobachteten wir blos Deukergazellen, zwei gestreifte Gnu’s, einige Zebra’s und Perlhühner, von denen letzteren ich eines erlegte. Nachmittags traten wir aus den bewaldeten Partien heraus und zogen über eine hochbegraste Ebene, die stellenweise mit einzelnen Mapanibäumen oder kleinen Mapani- und Mimosengehölzen bestanden war. Obgleich ich sehr dagegen war, das Gespann in von Löwen bewohnten Gegenden Abends oder Nachts weiden zu lassen, war es diesmal nicht zu vermeiden; wir machten die Thiere frei und trachteten sie in der Nähe des Wagens zu halten. Doch kaum hatten sie etwa 150 Schritte weit sich entfernt, als sie durch ein Thier scheu geworden, in wilder Flucht nach rechts über die Ebene dahinjagten. Mit Hilfe des braven Nigers, der den Störenfried, eine Hyäne, rasch entdeckt und verfolgt hatte, gelang es Th. und Pit, die Thiere nach einer Weile wieder einzufangen. Die Nacht hindurch hatten wir das Vergnügen, ein von gefleckten Hyänen gegebenes Concert anzuhören.

Am 6. durchzogen wir Vormittags ein Terrain, das dem des vorigen Tages sehr ähnlich war, während wir am Nachmittage eine ausgedehnte wiesige, vom Niederwalde rings umschlossene Lichtung passirten, auf welcher sich zahlreiches Wild tummelte. Ein heftiger Regenguß spendete uns reichlich das ersehnte Trinkwasser, das uns der Boden nicht finden ließ. Wir sahen Strauße auf der Ebene, Deukergazellen, gestreifte Gnu’s und Löwen im Anschleichen der Zebra’s begriffen. Gegen Abend kamen wir an ein Gehölz, an welchem ich zu übernachten beschloß.

Am Abende des 8. Juli betraten wir einen Wald, der einen Theil des »sandigen Lachenplateaus« bildet und sich etwa 100 englische Meilen nach Norden erstreckt. Der Boden auf dieser Strecke ist mit Ausnahme einiger Lichtungen, welche Lachen aufweisen, tiefsandig und ist der westliche Theil des Gebietes, den Mohr das Land der »tausend Teiche« genannt hat. Ich belege mit diesem Namen nur jene Strecke, welche keinen merklichen Abfall zeigt und dem Regenwasser keinen Abfluß nach den Flüssen gestattet. Jene Lachen charakterisiren diese Gegend und werden zumeist (95 Percent derselben) nur vom Regen gespeist. Sie sind klein und dicht begrast und enthalten während 2 bis 8 Monaten reichliches Regenwasser. Nur eine verschwindend kleine Anzahl wird von Quellen gespeist und solche das ganze Jahr hindurch wasserhaltige Stellen sind von den Madenassa’s, die den wiesigen Niederwald bewohnen, benannt worden. Andere, die nur zeitweise im Jahre Wasser enthalten, haben von den holländischen und englischen Jägern und Elfenbeinhändlern Gelegenheitsnamen erhalten. Dieses Lachengebiet liegt zwischen der Soa und dem Nata (gegen Süden), den Zambesi-Zuflüssen nach Norden, dem Mababi-Veldt nach Westen und dem Nata- und Uguaj-River nach Osten. Es ist im Innern Süd-Afrika’s jenes Land, in welchem die riesigen Säugethiere, wie Elephanten, Nashorne, Giraffen noch häufiger zu finden sind, und von welchem aus sie sich dann nach Osten und Westen, sowie nach Norden über den Zambesi ausbreiten. Seiner Wasserarmuth in der Trockenzeit halber, ist es nicht nur mit großen Opfern zu passiren und nicht geringere fordert zuweilen im Beginne des Sommers vom October bis December eine aufsprossende Giftpflanze, die das Gras im Wachsthume überholt und den Ochsen sehr schädlich wird. Aus diesem Grunde wählen auch oft die Elfenbeinhändler, welche mit dem am Zambesi wohnenden Stämmen in Verkehr zu treten suchen, den sogenannten östlichen, d. h. einen durch Westmatabele und das Gebiet der Makalaka führenden Weg, doch hat auch dieser zahlreiche Schattenseiten und Nachtheile, welche namentlich in der Unzuverlässigkeit und Stehlsucht der Eingebornen auf dieser Strecke begründet sind.

Während der Fahrt am Nachmittage des 7., bevor wir noch in den dichten Wald einfuhren, und als wir eben die letzte Lichtung passirten, schrie Meriko, der vor den Ochsen einherging, auf, und wies mit der Hand nach links, indem er sich eines Ausdrucks bediente, den ich nicht verstehen konnte. Ich saß neben Th. am Bocke und war natürlich sehr begierig, den Grund der Aufregung meines in jeder Hinsicht hin braven Bamangwato-Dieners zu erfahren. Es waren zwei Strauße, die kaum 250 Schritte vom Wege entfernt, seine Aufmerksamkeit erregt hatten. Ich sah nur einen, der nahe an einem Gebüsche stand; nicht der Beute halber, die dem Könige der Bamangwato’s gehörte, sondern bloß des Jagdvergnügens halber sprang ich herab, um mich im hohen Grase anzuschleichen. Der zweite Strauß, den ich bisher nicht bemerkte, saß auf der Erde, lugte nur mit dem Kopfe über das Gras und ergriff bei meiner Annäherung sofort die Flucht, während mich einige Büsche am Gebrauche des Gewehres verhinderten. Als ich wieder freieres Terrain gewann, waren die Vögel eben im Begriffe, in einen Niederwald einzudringen und rannten so ziemlich auf einen und denselben Baum zu. Ich feuerte aus einer Entfernung von 450 Schritten und hörte die Kugel in den Stamm des Baumes einschlagen. Die größte Freude über den verunglückten Jagdversuch zeigte Meriko, weil ich das Eigenthum seines Herrn, des Königs Khama, nicht geschmälert hatte, und versprach, nach seiner Rückkehr nach Schoschong es dem Könige selbst zu berichten.