Von Löwen aufgescheucht.

Da ich alles aufbieten wollte, um die erste der Quellen auf dem genannten Plateau noch an diesem Tage zu erreichen (wir hatten den Tag über kein Trinkwasser für die Zugthiere gefunden) blieb mir nichts übrig, als unsere Reise trotz mannigfacher Schwierigkeiten und Bedenken Nachts fortzusetzen. Voran lief Niger, selbst ohne erst dazu aufgemuntert worden zu sein, ihm folgte Pit mit einem Hinterlader, dann Meriko, der die Leitochsen am Riemen führte, mit einem tüchtigen Feuerbrande, Th. trieb die Ochsen, und ich saß am Bocke, das Gewehr schußgerecht in der Hand haltend, ein zweites lag hinter mir, um es nöthigenfalls dem neben mir schreitenden Th. sofort reichen zu können. Gegen 11 Uhr Nachts langte ich an der erwähnten Quelle an, welche den in den Wäldern ringsum wohnenden Madenassana’s unter dem Namen der südlichsten der Klamaklenjana-Quellen bekannt ist. Hier traf ich mehrere Elephantenjäger, denen ich einige Wochen zuvor, und andere, welchen ich an der Soa-Salzpfanne begegnet hatte, sie alle klagten über den Mißerfolg ihrer Jagd.

Ich will hier eines interessanten Löwenabenteuers gedenken, das sich einige Tage vor meiner Ankunft an der Stelle, an der mir, wie erwähnt, die Hyänen mein Gespann scheu gemacht hatten, zugetragen, und das mir den Tag nach meiner Ankunft an den genannten Quellen berichtet wurde. Die Herren Daniel Jakobs, ein Boer-Jäger, Frank, ein Engländer, der der Jagd halber diese Gegend aufsuchte, und Kurtin, ein Elfenbeinhändler, sind die Helden dieser Jagdepisode. Sie hatten eben ausgespannt, als ihnen die Diener die Nachricht brachten, daß eine Giraffenheerde einige Meilen vom Wege ab in Sicht sei. Da Herr Frank noch nie zuvor Giraffen in der freien Natur gesehen, verabredete man sich, ihm den ersten Schuß zu gönnen. Rasch wurden die Pferde gesattelt und man eilte dem Wilde entgegen. Obgleich dieses sofort die Flucht ergriff, wurde es doch schon nach kurzem Wettlauf eingeholt und Jakobs beeilte sich sofort vom Pferde herab eines der Thiere niederzuschießen. Die Gesellschaft sattelte ab und war eben damit beschäftigt, das Thier zu zerlegen, als einer der nachgeeilten Diener die Jäger auf eine andere, etwa 2000 Schritte entfernt grasende Giraffe aufmerksam machte. Man suchte auch diese auf und Herr Frank feuerte gleich zwei Schüsse ab, ohne ihr jedoch ein Leid anzuthun, dann schoß Kurtin und fehlte ebenfalls, Jakobs folgte als dritter und obgleich er das Thier förmlich mit seinem Pferde zusammenrannte und sein Doppelgewehr abschoß, entkam die gehetzte Giraffe unverwundet. Da er sah, daß die beiden anderen Jäger zurückgeblieben waren, wollte er schon dem Thiere die Freiheit schenken und von der Verfolgung ablassen, als es ihm einfiel, es mit dem Pferde zu überholen, zu wenden und in dieser Weise Herrn Frank noch eine Gelegenheit zum Schusse zu geben. Von neuem jagte er der Giraffe nach und hatte sie beinahe schon erreicht, als er unmittelbar vor sich, ein wenig zur Linken, eine sprungbereite Löwin im Grase liegen sah. Sich nach seinen Begleitern umkehrend, um sie herbeizurufen, sieht er, daß er an einer zweiten Löwin und einem Löwen vorbeigeritten war, ohne die Raubthiere vorher bemerkt zu haben. Aus dieser unangenehmen Lage suchte er sich dadurch zu befreien, daß er rasch nach rechts abbog, einige 30 Schritt in dieser Richtung hin galoppirte, dann auf den Löwen, der ihn mit seinen Blicken verfolgte, anschlug und feuerte. Er schoß zu hoch, verfehlte den Löwen und traf die Löwin in’s Schulterblatt. Darauf feuerte der herbeigerittene Kurtin zweimal und fehlte, ohne daß sich die Löwen in ihrer Ruhe stören ließen. Jakobs schoß nun zum zweitenmal und verwundete den Löwen schwer, so daß sich dieser in ein nahes Gebüsch zurückzog. »Da ich dachte, daß uns die beiden Löwinnen, die in das tiefe Gras so weit hineingekrochen waren, daß wir sie nicht sehen konnten, bekriechen, d. h. sich zum plötzlichen Sprunge bereit machen würden, gab ich,« so berichtete mir Daniel Jakobs, »den wohlmeinenden Rath, uns lieber eiligst zurückzuziehen, als den Kampf mit den Löwen fortzusetzen. Während unseres Rückzuges sahen wir beide Raubthiere, das eine stark hinkend, sich ebenfalls davonmachen. Alle diese Löwen gehören in den Bereich des Nataflusses und finden namentlich in dem stellenweise sechs bis sieben Fuß hohen Grase vortreffliche Schlupfwinkel.«

Die Klamaklenjana-Quellen bestehen (so weit sie nahe dem Wege liegen) aus vier von einander getrennten, sumpfigen Gewässern, daher rührt auch ihr Name »viermal hinter einander«; zwischen ihnen, sowie rechts und links im Walde, liegt eine Unzahl von während kürzerer oder längerer Zeit im Jahre gefüllter Regenlachen. Nahe an der ersten Quelle, die wir am Abend des 7. erreichten, zweigt sich ein von den holländischen Jägern geschaffenes Geleise nach dem Mababifelde ab. Hier stieß ich auf den Diener Andersons mit Namen Saul; er reiste in Gesellschaft eines Makalahari-Mannes, der vier Kinder mit sich führte, Saul hatte ihn am Nataspruit gefunden und ihn aufgefordert, sich ihm anzuschließen. Er war dessen sicher, daß sein Brodherr nichts dagegen einwenden werde und dies um so weniger, da er ihn bei der Straußenjagd verwenden wollte. »Ich weiß aber, daß Du kein guter Schütze bist, wie kannst Du Strauße erlegen?« frug ich Saul. — »Doch, Herr, ich treffe sie schon,« antwortete derselbe. Wenn ich sie jagen will, nehme ich einige Makalahari mit mir. Wir suchen hierauf die Spur der Strauße auf, und streben namentlich nach solchen, welche von einem Pärchen herrühren. Mir ist es hauptsächlich darum zu thun, daß ich das Nest der Thiere finde. Beim Neste angelangt, wird ein Loch in die Erde gegraben und hier verstecke ich mich, um den brütenden Thieren aufzulauern. Den ersten zum Neste eilenden Vogel erlege ich mit Leichtigkeit aus unmittelbarer Nähe, den zweiten dadurch, daß ich den Balg des ersteren auf einen Pfahl ziehe und diesen vor dem Neste aufstelle, wenn mich nicht der zweite Vogel schon bei dieser Arbeit überrascht, und sich auf Nimmerwiedersehen empfiehlt. Doch geschieht dies selten und auf diese Weise gelang es mir, schon viele Strauße sammt ihren Eiern zu erbeuten.«

An der südlichsten der Klamaklenjana-Quellen erfuhr ich die Bedeutung der hie und da von den Masarwa’s und Bamangwato’s genannten Flüsse. So z. B. bezeichnet Khori, das Land am Seitenflüßchen des Tschaneng, »eine Trappe« und der Mokhotsi »eine starke Strömung«.

Am 9. kehrte der Genosse Andersons von den nächsten Klamaklenjana-Quellen heim und berichtete, daß ein Boer in dem anliegenden Walde eine Elephantenkuh geschossen habe, welche Nachricht die an der Quelle lagernden Jäger in nicht geringe Aufregung brachte, allein diese steigerte sich noch nach der Rückkehr Theunissens von einem Ausfluge, den dieser in den Wald nach Osten unternommen, und auf dem er auf fünf flüchtige Elephanten gestoßen war. Er rief dem ihm unmittelbar folgenden Meriko zu, ihm rasch die Patronen zu reichen, und hätte hinreichend Zeit gehabt, ein Dutzend Schüsse abzufeuern, wenn nicht Meriko, um das dem Könige gegebene Versprechen, keine Elephanten zu schießen, zu halten, die Jagd dadurch vereitelt hätte, daß er beim Anblicke der flüchtenden Colosse das Weite suchte und Theunissen ohne Munition zurückließ.

Auch ich machte zwei Ausflüge tiefer in den Wald hinein und entdeckte Spuren von Giraffen, Harrisböcken, Kudu’s, Elephanten und Büffeln. Den Tag vor unserer Ankunft war eine Büffelheerde am Wasser beobachtet worden, doch hatte sie sich so zeitlich nach Mitternacht entfernt, daß sie die Jäger am Morgen nicht einholen konnten. Bevor ich noch die Quellen verließ, traf ich hier mit Mr. Taylor zusammen, er klagte auch über den Mißerfolg der Jagd. Einer der Jäger besuchte alljährig eine Stelle in der Umgegend, welche ihm reichliche Beute sicherte; mehrere tief im Walde wohnende Madenassana’s waren seine ausgiebigsten Helfer. Zwei andere Elephantenjäger, die dies vernommen, trachteten auch ihr Glück an derselben Stelle zu versuchen, ein Versuch, der indessen ihr gegenseitiges Freundschaftsbündniß nicht inniger gestaltete.

Am 10. verließ ich meinen Lagerplatz und langte nach einer zweistündigen Fahrt durch den tiefsandigen Niederwald an den nächsten Klamaklenjana-Quellen an. Ich traf hier einen Elephantenjäger mit Namen Mayer, sowie einen Holländer, Mynheer Herbst, an; etwas weiter ab, an einem zweiten Gewässer, einen anderen Holländer mit Namen Jakobs und den Elfenbeinhändler Mr. Kurtin, dessen ich bei der zuletzt beschriebenen Löwenjagd gedachte. Der Letztere theilte mir mit, daß er auf einem seiner ersten Züge in dieses Gebiet nicht weniger als 66 Ochsen durch die schon erwähnte von October bis December in diesen sandigen Niederwäldern aufsprossende Giftpflanze verloren hatte. Jakobs theilte mir einige seiner interessanten, sowie auch die nennenswerteren Löwenabenteuer Pit Jacobs, des zweitberühmtesten Elephantenjägers Süd-Afrika’s mit. Mayer und Herbst jagten in Compagnie, Herbst schoß hier eine Elephantenkuh und war noch immer ganz davon begeistert. Herr Mayer hatte einige Makalaka’s in Dienst genommen, welche auch mir einige Tage zuvor ihre Dienste angetragen hatten, da ich jedoch von diesem unter den Matabele’s wohnenden Banthustamme eine sehr schlechte Meinung habe und nebenbei die hier Betreffenden wahre Galgen-Physiognomien zur Schau trugen, rieth ich Herrn Mayer an, sie aus seinem Dienste zu entlassen. Er wollte nicht darauf eingehen und hatte es leider später zu bereuen. Denn als ich ihn sieben Monate später wieder traf, da hatte der arme und gute Mann, dem ich das Beste von Herzen wünschte, über zahllose Diebstähle zu klagen, welche die Makalaka-Diener verübt, und darnach verschwunden waren. Ich traf auch hier zum ersten Male die den Bamangwato’s unterthänigen Madenassana’s an; es ist ein schöner Menschenschlag, leider von ziemlich abstoßendem Gesichtsausdruck. Von Hautfarbe fast dunkelschwarz, sind es meist hohe Gestalten von starkem Knochenbau, namentlich die Männer. Um so mehr wunderte es mich, unter den Frauen förmlich zarte Geschöpfe zu finden. Die Madenassana’s haben ein stärkeres und längeres Wollhaar, welches besonders an den Schläfen und der Stirne oft bis einen Zoll tief herabhängt. Das Cranium ist dann in der Regel oft kurz behaart.

Besucht ein Bamangwato das sandige Lachenplateau, so sucht er gewöhnlich zuerst die Madenassana’s, die Helfer bei seinen Jagden auf, um für seinen König und sich Elfenbein zu erwerben. Diese wohnen aber in der Regel so versteckt in den dichten Partien der Wälder, daß die Jäger ihre Wohnungen kaum gewahr werden, wenn sie nicht von einem Madenassana selbst zu denselben geführt werden. Der Aelteste in einer solchen kleinen Niederlassung ist dann der kleine Stamm-Unterhäuptling; will man als Blaßgesicht Diener unter den Madenassana’s miethen, so ist es immer das beste, sich an den ältesten des Dörfchens zu wenden. Miethet man sie auf einige Monate, dann bezahlt man ihnen zwei bis vier Pfund Glasperlen, oder auch einige Wolldecken, doch zuweilen wird auch Schießpulver und Blei verlangt, auf die Dauer von sechs bis zehn Monaten begehrten sie eine Muskete.