Im Gegensatze zu vielen anderen Banthustämmen wird bei ihnen die unter einfachen Ceremonien vorgenommene Verehelichung respectirt und eheliche Treue bei ihnen ziemlich hoch gehalten. Während bei manchen Stämmen das Gefühl von Eifersucht nicht gekannt oder nur in einem schwachen Grade vorhanden ist, kann sie nach dem, was ich von meinen Berichterstattern über die Madenassana erfahren, bei ihnen selbst zu schweren Verbrechen führen. Der Stamm wurde mir als genügsam geschildert und auch als Diener sind sie besser als die Masarwa’s und Makalahari’s. Der weiten Entfernung ihrer Wohnplätze von Schoschong wegen — sie bewohnen den nordwestlichen Winkel des östlichen Bamangwato-Landes — und da sie nicht gleich den Masarwa’s über das Land zerstreut sind, ist ihr Verhältniß den Bamangwato’s gegenüber kein so drückend sklavisches wie das der Masarwa’s. Sie besitzen eigene Gewehre, und werden nur jährlich von einigen von dem Könige von Schoschong aus abgesandten Bamangwato’s aufgesucht, welche von ihnen die Abgaben einsammeln, oder sie zu Jagden verwenden. Im Jahre 1874 trafen drei Bamangwato’s einen kleinen Haufen der Madenassana’s im Dienste des Elephantenjägers Zwart an, sie forderten diese auf, den weißen Mann sofort zu verlassen und sich ihnen anzuschließen, was diese indeß verweigerten. Darauf ergriffen die Bamangwato’s die Frau des Aeltesten (des Anführers) und fingen sie zu schlagen an, um durch diese Züchtigung den Sinn der Vasallen zu bekehren, doch der Mann der Geschlagenen ergriff einen ihm zunächst liegenden Assagai, stürzte sich auf den Bamangwato und hätte auch den nächsten von ihnen durchbohrt, wenn diese nicht zu ihren Gewehren gegriffen und auf die Madenassana in Anschlag gebracht hätten.

Die Makalaka’s, deren ich kurz vorher erwähnte und von denen ich eine so geringe Meinung habe, trieben sich in den Jahren 1875 und 1876 recht zahlreich zwischen dem Nata und dem Zambesi herum. Es waren meist Flüchtlinge aus Schoschong, die ihrer verrätherischen Handlungsweise halber aus der unmittelbaren Nähe der erzürnten Bamangwato’s weichen mußten.

Am Nachmittage desselben Tages (des 11.) durchschritt ich, von meinem Diener Pit begleitet, den dichten Wald nach Nordost und traf ein Kudupärchen, das jedoch trotz seines Riesengehörns so rasch in den Büschen verschwand, daß wir keinen Schuß anbringen konnten. Diese Antilope liebt meist hügelige Dickichte oder bewaldete Höhen und nur dies kann es mir erklären, daß sie den Löwen, welche in Süd-Afrika besonders den Rand der Lichtungen lieben, seltener als viele andere Species zum Opfer fällt.

Am 12. verließ ich die zweiten (mittleren) Quellen und begab mich nach den nächsten und dritten, wohin der Jäger Jakobs und der Händler Kurtin schon vorher übersiedelt waren. An diesem Tage langte hier ein Elfenbeinhändler (ich will ihn X. nennen) an, welcher den König des Marutse-Reiches, Sepopo, auf welches ich lossteuerte, besucht hatte, er empfahl mich an seinen guten Freund Z., den ich weiter nordwärts am Panda ma Tenka-Flüßchen finden sollte. Ich ersuchte ihn, mir zwei Kisten gesammelter Gegenstände nach Schoschong zu befördern, was er auch versprach, ohne daß ich später je wieder etwas von denselben sah. Mr. Kurtin verkaufte an ihn zwei Falben (einen derselben hatte ich im Jahre 1874 in Schoschong von der Dickkopsickte geheilt) für 800 Pfund Elfenbein. Auf den beiden Wägen des Käufers waren circa 7000 Pfund Elfenbein geladen, davon waren 5000 Pfund von Sepopo eingehandelt, den Rest hatten die Diener des Händlers auf ihren Jagdzügen am südlichen Zambesi-Ufer, zwischen den Victoriafällen und der Tschobemündung erbeutet. X. berichtete auch, daß am Zambesi das Fieber gefährlich und die noch zu bereisende Gegend sehr wasserarm sei. X. war so gütig, mir den sechsten Theil einer geschlachteten Kuh zu senden, wofür ich mir erlaubte, ihn mit Medicamenten zu versorgen.

Nachmittags reiste ich ab und zog in einer west- bei nördlichem Richtung nach der nördlichsten der Klamaklenjana-Quellen; die durchreiste Waldpartie zeigte schöne Kameeldornbäume, Mimosen und ahornartige, doch auch Mochononobäume und Fächerpalmen-Gebüsche; durch eine ähnliche Gegend führte uns der Weg am 13., wobei wir unser Mittagslager bei den eben genannten Quellen aufschlugen. Ich zählte von den südlichsten bis zu den nördlichsten Quellen 25 nach heftigen Regen gefüllte Einsenkungen.

Auf einigen während der Fahrt durch den Wald unternommenen Abstechern erblickte ich Büffel, gestreifte Gnu’s, Zulu-Hartebeests und Zebra’s im Wechsel und zahlreiche Löwenspuren. An den nördlichsten Klamaklenjanaquellen mündet ein von den Elfenbeinhändlern aus Westmatabele gewählter Weg. Hier traf ich auch drei Elephantenjäger, die Herren Barber, Frank und Wilkinson, von denen sich der erstere als Jäger eines ausgezeichneten Rufes erfreut, ebenso wie seine hochgeehrte Mutter nicht allein eine ausgezeichnete Künstlerin, sondern auch eine äußert feine Beobachterin des Thierlebens ist, und über die Resultate ihrer Betrachtungen auch schon mehrere kleinere Schriften veröffentlicht hat. Mr. Barber zeigte mir sein Skizzenbuch, in dem er seine Jagdabenteuer künstlerisch wiedergab.

Ich übernachtete einige Meilen weiter nordwärts im Walde. Der Baumwuchs auf der am folgenden Tage zurückgelegten Strecke war ungleich besser entwickelt und erreichten mehrere Stämme bis 60 Fuß Höhe; sie gehörten einer Species an, welche von den Holländern die wilde, Syringa, von den Bamangwato’s »Motscha«, sowie eine andere, nicht minder häufige Art, die »Monati« genannt wird. An manchen der Büsche bemerkte ich zahlreiche rothblühende Orchideen.

Pit, schläfst Du?