In Folge der Anstrengungen der letzten Tage und der schlaflosen Nächte fühlte ich mich sehr unwohl, und war froh, mich an dem Lagerfeuer erwärmen zu können. Ich war eben mit der Durchsicht meines Tagebuches beschäftigt, als mich ein Aufschrei Th.’s dazu bewog, mich rasch umzusehen. Ich war, ohne das Thier gesehen zu haben, neben einer wahrscheinlich durch die Wärme des Feuers angelockten Buffadder gesessen. Wenige Secunden später war diese Schlange meinen Sammlungen einverleibt.
V.
Von Tamasetse zum Tschobeflusse.
Henry’s-Pan. — Leiden und Freuden der Elephantenjäger. — Eine Löwenjagd des jungen Schmitt. — Makalaka’s. — Ein muthiges Weib. — Nächtlicher Ueberfall durch einen Löwen. — Die südafrikanischen Löwenspecies. — Leben und Gewohnheiten des Löwen. — Seine Angriffsmethoden. — Ankunft in Panda ma Tenka. — Blockley. — Der Elfenbeinhandel mit Sepopo. — Elandstiere. — Aerztliche Praxis am Henry’s Pan. — Thier- und Pflanzenleben im Panda ma Tenka-Thale. — Bienenschwärme. — Westbeech’s Handelsstation. — Saddler’s Pan. — Der Händler Y. — Im Leschumothale. — Gereizte Elephanten auf der Flucht durch den Wald. — Am Ufer des Tschobe.
Heimkehrende Elephantenjäger.
Zeitlich Morgens verließ ich am 20. Juli mein Lager im Tamasetsewalde und zog in der wiesigen Einsenkung weiter nach Norden. Spät am Nachmittage holte uns zu Pferde ein ärmlich gekleideter holländischer, etwa 14 Jahre alter Knabe ein. Als ich ihn, nicht wenig erstaunt, über den Zweck der Reise befragte, erfuhr ich, daß seine Eltern in einer Hütte an der nächsten Lache wohnten, und daß ihn der Vater unter Begleitung von nur zwei Schwarzen mit einem Ochsenwagen nach dem entfernten Makalakalande gesendet habe, um Kaffirkorn gegen Glasperlen und Kattun einzutauschen.
Am folgenden Morgen langte ich an diesem Gewässer an, das nach dem Diener eines Jägers mit Namen Henry, der hier eine Giraffe erlegt hatte, Henrys-Pan genannt wurde. Ich fand hier drei Boerfamilien, drei holländische Jäger, Schmitt und die Gebrüder Lotriet. Der erstere lebte bereits in einer geräumigen Grashütte seit einem Monat hier und hatte Tags vor meiner Ankunft eine Säbelantilope erlegt. Als einer der erfahrenden Jäger bereicherte er meine Jagdskizzen mit einigen äußerst interessanten Löwenabenteuern und Scenen aus den Elephantenjagden, von denen ich die zwei überraschendsten hier mittheile.
Im laufenden Jahre (die halbe Jagdsaison war bereits vorüber) hatte er neun Elephanten, während seiner gesammten, nahezu zwanzigjährigen Jagdthätigkeit über 300 erlegt. Er hatte sich vor nicht langer Zeit mit der Witwe eines Jägers, der im Matabele-Lande gestorben war, durch einen der Herren Missionäre daselbst trauen lassen. Sein ältester Stiefsohn ist der Held der beiden folgenden Begebenheiten. Vor zwei Jahren lag Schmitt an der südlichsten Klamaklenjana-Quelle mit der Absicht, hier seinen Stiefsohn mit den Elephanten und ihrer Jagd vertraut zu machen. Als man eines Morgens gefunden, daß zahlreiche Elephanten eine der Quellen während der Nacht besucht, machte er sich gegen Mittag von seinem Sohne und dessen kleinem Leibdiener, einem Masarwa, begleitet auf den Weg, um der Spur der Thiere zu folgen. Kaum eine Stunde weit vom Wege entfernt, sah Schmitt, der beritten war, einen mächtigen männlichen Elephanten Siesta halten. Das wohl kranke Thier war hinter seinen Genossen zurückgeblieben. Schmitt wollte dem folgenden Knaben das Thier nicht eher zeigen, als bis sie auf 50 Schritte nahegekommen waren, worauf er sich mit ihnen dem Thiere behutsam und durch Büsche gedeckt näherte, dann hieß er sie nach der bekannten Weise das Thier »kehren«, d. h. sie hatten vor das Thier zu laufen, es durch einen Schrei zu wecken, und nach der Richtung, woher sie gekommen waren, oder nach einer anderen Seite hin zur Flucht zu bringen. Von der Beschaffenheit des Windes hängt es nun ab, auf welche Seite des flüchtenden Elephanten sich der Jäger zu stellen hat. Als jedoch die Nimrod-Aspiranten das Riesenthier erblickten, nahmen sie Reißaus. Schmitt wandte jedoch sein Pferd und jagte ihnen nach, löste seine Nilpferdpeitsche vom Sattel peitschte beide zu dem Elephanten, und befahl ihnen, aus einer Entfernung von 30 Schritten auf den Elephanten zu feuern. Beide Kugeln schlugen in die Fleischmasse der Schenkel ein. Der Jäger befiehlt seinem Gehilfen von Neuem zu laden, sprengt dann vor den Elephanten, der aufstürzend mit dem Rüssel, aus dem Winde die Stellung seiner Gegner zu ergründen sucht, um das Thier mit lautem Geschrei zu den Jägern zu treiben, allein das verwundete Thier machte dem Jäger einen Strich durch die Rechnung, denn es kehrte sich, sowie es den Reiter erblickte, gegen diesen und jagte ihm laut brüllend, mit hochgehobenem Rüssel nach. Der alte Jäger machte aber von seiner Flucht den besten Gebrauch, indem er nach einem seiner kleinen Genossen zusprengte, um das Thier auf die neuen Gegner aufmerksam zu machen. Obgleich der Elephant jetzt einen anderen Anblick darbot als zur Zeit seines Schlummers, wichen doch die kleinen Jäger, denen vielleicht noch von der vorhergehenden Züchtigung ein unangenehmes Gefühl zurückgeblieben war, nicht von ihrem Posten und sandten ihre beiden vierlöthigen Kugeln dem vorüber trabenden Thiere in das Ohr, so daß sein Tod vor Ablauf von zwei Minuten erfolgte.
Ein Jahr vorher hatte Pit, der Stiefsohn Schmitts, mit seinem kleinen Diener auf eigene Faust eine Elephantenkuh, einen Löwen, zwölf Giraffen, sechs Strauße, eine Säbel-Antilope geschossen und zahlreich waren seine Opfer unter den Zebra’s, Eland- und Kudu-Antilopen. Vor drei Jahren, als noch Pit ein Junge von 11 Jahren war, jagte sein Stiefvater im Matabele- und Maschona-Lande. Auf dem Heimwege begriffen, war er bis zu dem Ramakhobanflusse gelangt, wo er einige Tage auszuruhen gedachte. Hier ritt er mit seinem Sohne Pit aus, um frisches Fleisch für die Seinigen zu gewinnen. Eine Meile vom Wagen entfernt, wurden die Jäger von einem tiefen Brummen überrascht, welches aus einem Gebüsche vor ihnen zu kommen schien. Bevor sie sich noch genau überzeugen konnten, in welchem Gebüsche das ihnen dem Laute nach wohlbekannte Raubthier liege, stürzte dieses, eine ausgewachsene Löwin, mit fletschenden Zähnen auf die Jäger los. »Vater,« ruft Pit, »soll ich zuerst feuern oder willst Du den ersten Schuß haben?« Der alte Jäger, dem das Benehmen des Raubthieres ungewöhnlich vorkam, und da es so zornig schien, es irgend verwundet glaubte, behielt sich den letzten und entscheidenden Schuß vor. Darauf feuert Pit beide Schüsse seines kleinen Doppelgewehres auf das Raubthier ab, welches sich eben niedergelegt hatte, um auf seinen Vater den Sprung zu wagen, beide Kugeln trafen das Thier, in den Schädel über dem linken Ohre eindringend, daß es sofort zusammensank. Pit war, dem Befehle seines Vaters Folge leistend, vom Pferde herabgestiegen, und hatte den Zügel über den linken Arm geworfen, in stehender Stellung gefeuert. Bei der Untersuchung des Thieres fand sich, daß die Löwin unter einen der vergifteten Fall-Assagaie gerathen und am Rücken verwundet worden war.
Außer Schmitt befand sich noch ein Mann aus der Colonie an Henry’s Pan, der ebenfalls der Jagd halber hierher gezogen war und der an einem Epitelialkrebs des Unterkiefers litt. Die beiden Familien der Lotriet, die eine aus neun, die zweite aus drei Personen bestehend, waren sämmtlich am Fieber erkrankt. Zwei nothdürftig aus Zweigen und Gras errichtete Hütten, die weder gegen Regen, noch gegen die sengenden Sonnenstrahlen hinreichenden Schutz boten, waren der Aufenthalt der Armen. Hier lagen sie auf der Erde, hungernd und ohne jedwede Hilfe in einem erbarmungswerthen Zustande. Sie beschuldigten einen Händler, sie in diese Gegenden und bis zum Zambesi gelockt und sich ihrer dann auf schnöde Weise entledigt zu haben. Als ich später sechs andere Elfenbeinhändler darüber befragte, bestätigten mir diese nicht allein, was die beiden Lotriets freiwillig gebeichtet, sondern berichteten mir so viel über dieses Individuum, daß ich mich aus verschiedenen Gründen, namentlich aber, damit sich nicht Aehnliches wiederhole, genöthigt sah, die traurige Geschichte dieser Lotriets der Oeffentlichkeit zu übergeben. Ich that dies in den »Diamond News« unter dem Titel »Dark Deeds« und behalte mir weitere ähnliche Veröffentlichungen für später vor.