Die meisten der kranken Lotriets schwebten in Lebensgefahr, sie trugen nur zu deutlich an ihrem Körper die Spuren des Fiebers zur Schau und es fehlte ihnen nicht allein an Kleidungsstücken, sondern auch an den nöthigen Heilmitteln. Ich verabreichte ihnen diese, und erhielt von dem einen der Lotriets einen acht Pfund schweren Elephantenzahn dafür, dessen Werth jenem des verabreichten Chinins annähernd gleichkam. Drei Tage zuvor hatten die Leute für etwa sechs Unzen Ricinusöl (Castor oil) eine gleiche Entschädigung zahlen müssen.
Ein muthiges Weib.
Auf einem in die Nähe unternommenen Ausfluge hatte ich die Gelegenheit, Kudu-Antilopen in der Nähe beobachten zu können, leider hatte ich mich dabei in dem endlosen Walde verirrt, mit Hilfe der Sonne jedoch spät Nachmittags den Lagerplatz wiedergefunden. Auf einem anderen Ausfluge kam ich zu zahlreichen von einer Elephantenheerde gegrabenen Löchern. Sie waren meist kreisrund und hatten einen Durchmesser von 4 bis 6 Fuß und waren etwa 1 bis 1½ Fuß tief; hat der Elephant mit dem Tastorgan seines Rüssels die von ihm namentlich gesuchten Wurzeln und Knollen gefunden, so läßt er sich auf die Knie nieder, um die beliebte Nahrung mit den Stoßzähnen herauszugraben. Da jedoch die gesuchtesten solcher Pflanzen zumeist am Abhange von Felsenhügeln an und zwischen dem Gestein sich finden, zeigen die sich in diesen Gegenden aufhaltenden Elephanten an den Spitzen stark abgeschliffene Hauer; daher rührt auch die Ungleichheit der Elephantenzähne rücksichtlich ihrer Schwere welche Gewichts-Differenz oft vier Pfund erreicht.
Mein über die Makalaka’s gefälltes Urtheil fand ich hier wieder durch einige Berichte bestätigt. Ich will vorläufig einen derselben im Folgenden mittheilen. In der Abwesenheit ihres Gemahls hatten es zweimal Makalakadiener versucht, Frau Schmitt die Gewehre aus dem Wagen zu stehlen; in dem einen Falle hatte es das Weib des Jägers verhindert, in dem zweiten kam sie zu spät und hatte nur noch das Nachsehen; da sie jedoch um jeden Preis die beiden gestohlenen Gewehre wieder bekommen wollte, ergriff sie den im Wagen verborgen gewesenen Hinterlader ihres Mannes und eröffnete vom Bocke aus »Feuer« auf die flüchtigen Diebe, welche dasselbe mit ihren Musketen erwiderten, ohne jedoch die Frau zu verwunden.
Nur noch eine Reminiscenz aus dem Leben dieser einfachen Holländerin sei hier erzählt, bevor wir von Henry’s Pan scheiden. Vor vier Jahren, als sie noch an Mynheer van de Berg verheiratet war und mit ihm im wildreichen, allein ungesunden Maschonalande der Elephantenjagd halber verweilte, erkrankte er an demselben Fieber, wie jene, die ich an dem Gewässer getroffen. Drei Monate lag dieser schon darnieder; als sich keine Aussicht auf Besserung zeigte, lud sie ihn auf den Wagen, ergriff die Peitsche und trieb das lange Ochsengespann nach dem entfernten Matabelekraal, in welchem sich der Missionär Thompson aufhielt, um von diesem Hilfe zu erflehen. Doch schon drei Tage später starb ihr Mann, die Hilfe war zu spät gekommen. Im selben Jahre verehelichte sie sich mit Schmitt, der vor sieben Jahren am Ramakhoban-River seine erste Gemahlin an derselben Krankheit verloren hatte.
Am 23. schoß Schmitt im Walde einen Elandstier und zeigte mir den Talgsack, in dem sich das Herz befand; dieses Talgstück wog 29 Pfund. Als ich mich darüber wunderte, antwortete man mir, daß das durchaus nicht eines der schwersten sei; dieses Elandtalg hält in Bezug auf seine Qualität die Mitte zwischen Fett und Rindstalg. Ich suchte die beiden Lotriets von der Jagd abzuhalten, da sie fieberkrank waren, doch erhielt ich von beiden die leider nur zu begründete Antwort. »Herr, unsere Familien können doch nicht Hungers sterben.« Auch die beiden Lotriets vermehrten die Sammlung meiner Erzählungen von Löwenjagden durch einige interessante Episoden aus ihren vieljährigen Jagden im Bamangwato- und Matabele-Lande.
Zu meiner Genugthuung nahm ich bei allen den Kranken, mit Ausnahme jenes, der an Carcinoma litt, am 25. eine Besserung ihres Zustandes wahr, besonders an jenen, welche in Lebensgefahr schwebten; sie waren sämmtlich derselben entrückt. Der eine der beiden Lotriets beschrieb mir eine Stelle, an welcher beinahe täglich vier Strauße, darunter zwei Hähne, zu finden waren, ihnen selbst einige Stunden aufzulauern, hatten weder er noch sein Bruder die nöthige Kraft, und da er sich besser fühlte, wollte er mir seine Erkenntlichkeit in der Weise an den Tag legen, daß er mir die Jagdbeute verschaffen wollte; aus den bereits entwickelten Gründen konnte ich jedoch sein Anerbieten nicht annehmen.
In der Nacht vom 24. auf den 25. hatte ein Löwe auf die etwa eine Stunde weit entfernte Umzäunung, in welcher die Lotriets ihre Zugthiere hielten, einen Angriff gemacht, als der durch den Löwen in der Umzäunung wachgewordene Diener mit einem Feuerbrande aus seiner Grashütte heraussprang und den Löwen in die Flucht schlug.
Am 26. verließ ich Nachmittags Henry’s Pan und zog weiter in forcirten Tagemärschen nordwärts, um eine wasserlose Strecke möglichst bald überwunden zu haben. In der einförmigen Gegend — der Weg führte mehrere Tage durch tiefsandigen Wald — fiel uns ein Baobab auf, welcher unmittelbar über der Erde 98 Fuß 10 Zoll im Umfange hatte. Minder arm und eintönig als die Gegend war die Vogelwelt auf dieser Strecke: unter den Raubvögeln fielen mir namentlich die ziemlich häufig sichtbaren Buteo’s auf, unter den Nachtraubvögeln fand ich Zwergeulen, unter den Singvögeln waren zwei Pyrolarten und Fliegenschnapper bemerkenswerth, die Männchen der letzteren waren durch einen langen Schweif ausgezeichnet, auch überraschte mich die große Zahl der kleineren Sänger, ich traf hier mehr derselben an, als an manchen anderen Orten mit mannigfacher und üppiger Vegetation. Am zahlreichsten von allen waren jedoch die Würger vertreten, namentlich auffallend war eine große Species mit prachtvoll rothem Unterleib und Kehle, welche sich die niederen und dichtesten Gebüsche zum Aufenthalte gewählt. Gelbgeschnäbelte Tukane waren nicht selten zu erblicken, in großer Menge wieder die kleineren, langschwänzigen Wittwenarten, sowie die wiedehopfartigen und Bienenfresser. Meine Sammlungen wurden auch durch zahlreiche Pflanzen, besonders Samenarten und Früchte, Holzschwämme etc. vermehrt.