Am 3. September machten wir uns endlich auf den Weg. Blockley hatte einen Wagen mitgenommen, welcher die für Sepopo bestimmten Handelsgüter führte, derselbe sollte neun Meilen südlich von der Mündung des Tschobe in den Zambesi zurückgelassen werden, und die Waaren dann mittelst Träger bis an den Tschobe und den Zambesi fortgeschafft, um weiterhin mittelst Kähnen den Zambesi aufwärts nach der neuen Residenz des Marutse-Mambundakönigs befördert zu werden.

Wir passirten auf den ersten Meilen unserer Fahrt ein interessantes hügeliges Terrain, welches von zahlreichen nach Nordost und Ost in das Panda ma Tenka-Flüßchen fließenden Bächen und Spruits durchzogen war; die deren Thäler trennenden Hügel waren steinig und in der Regel stellenweise auch dicht mit Bäumen bestanden. Eine markante Stelle auf dieser Strecke bildete ein mächtiger über eines dieser Flüßchen sich erhebender Baobab, dessen Umgebung durch den Aufenthalt eines dunkel bemähnten, mächtigen Löwen, welcher den Jägern und Händlern schon viel Schaden angerichtet hatte, berüchtigt war.

Abends machten wir Halt, da eine bewaldete Bodenerhebung von West nach Ost vor uns hinzog, welche der Tsetsefliege zum Aufenthalte diente und der Zugthiere halber nur bei Nacht passirt werden konnte. Wir trafen an unserer Lagerstelle einen Halbeastjäger, der etwa 20 Meilen weiter Strauße gejagt hatte, und nach Panda ma Tenka zurückzukehren im Begriffe war, um von Blockley einige Waaren zu kaufen. Blockley und »Africa«, so hieß der Mann, verließen mich nun; ersterer hatte jedoch seinen Dienern den Auftrag gegeben, mit dem Wagen noch 30 Meilen weit die Reise fortzusetzen und dann auf ihn zu warten, er wollte so rasch als möglich nachkommen, um mit mir weiter zu reisen. Africa war mit einigen Leuten Sepopo’s am südlichen Tschobe-Ufer zusammengekommen, und diese hatten ihm die Nachricht überbracht, daß König Sepopo in Folge der schlechten Aufführung des Bakwena-Prinzen an seinem Hofe sehr erbittert sei.

Schon während der Fahrt hatte uns das Gebrülle eines Löwen begleitet, während der Rast kam es derart nahe, daß wir uns schußbereit halten und mächtige Feuer anzünden mußten. Die Nacht wurde so dunkel, daß wir kaum auf zehn Schritte vor uns sehen konnten. Wir passirten nach zwei Uhr den Tsetsewald und erreichten am folgenden Morgen eine rings vom Walde umsäumte Grasebene, Gaschuma genannt. Sie zeigte zahlreiche, ziemlich tiefe, von Wassergeflügel bewohnte Lachen, ich passirte sie später noch dreimal und jedesmal fand ich zahlreiches Wild an derselben. Diesmal waren es Zebra’s, Zulu-Hartebeeste und Harrisböcke. Zum ersten Male beobachtete ich auch hier die Orbecki-Gazellen.

Am Morgen fuhren wir weiter und über eine zweite Ebene, beide aus dem schönsten Humusboden bestehend, den man sich nur denken konnte und der es förmlich unmöglich macht, die Stelle in der Regenzeit zu passiren. Wir hielten wieder an einem Gehölze und an einer Regenlache, Saddler’s Pan genannt.

Nächsten Tages änderten wir unsere nördliche Richtung in eine nordwestliche und gelangten zu einer ausgetrockneten Lache, deren Ufer mehrere Fächerpalmen schmückten. Aehnliche Bäume, die sich durch ihre besondere Höhe auszeichneten und auf der Gaschuma-Ebene standen, waren, wie mir später Westbeech mittheilte, aus reinem Muthwillen von einem Händler oder Jäger gefällt worden.

Abends gelangten wir zu einer anderen, Schneemans-Pan genannten Regenlache. Hier hatten wir Blockley zu erwarten und ich benützte die Zeit, um von den am Wagen sich aufhaltenden Manansa’s über ihre Sitten und Gebräuche, sowie ihre Sprache Näheres zu erfahren. Ich erhielt diese gewünschten Aufschlüsse von einem Manansa, der als Kind mit einem Händler nach dem Süden gegangen war und sich hier an einen Farmer verdingt hatte, wobei ihm Gelegenheit geboten war, sich die holländische Sprache anzueignen. Ich verzeichnete 305 Worte und Phrasen der Manansa- oder Manandscha-Sprache (von den Jägern haben sie den Spitznamen Maschapatan erhalten).

An Schneemanns Weiher war ich nicht wenig überrascht, von dem Händler Y., dessen ich an Henrys-Pan gedacht, besucht zu werden. Ich konnte nicht umhin, ihm wegen seines Benehmens den Lotriets gegenüber Vorwürfe zu machen. Er war diesmal lebensgefährlich am Fieber erkrankt und ich rieth ihm, so rasch wie möglich nach Panda ma Tenka zurückzukehren und gab ihm einen Brief an Th. mit den nöthigen Recepten mit. Er hielt jedoch meine Warnung für übertrieben und überflüssig, verzögerte seine Abfahrt und starb bevor er noch Panda ma Tenka erreicht hatte. Während Blockley von der Rechtlichkeit der Marutse so viel zu erzählen wußte, berichtete Y. das Gegentheil davon. Ich forschte später nach dem Grunde dieser Differenz der Urtheile und fand, daß die Marutse und Masupia von Schescheke zuvor nicht diebisch gewesen, und es erst wurden, als der unglückliche Y. bei ihnen eingekehrt war. Er hatte alle seine Diener am südlichen Tschobe-Ufer Elephanten jagen lassen und behalf sich in Schescheke, wohin ihn der König Sepopo mit seinen Kähnen hatte bringen lassen, ohne Diener. So dachte er hier selbst, dort durch seine Diener, Elfenbein zu erbeuten. Doch er wurde fieberkrank und konnte sich von seinem Lager nicht rühren, ja kaum sprechen. Die Hütte, die er bewohnte, war abgetheilt, in der kleineren Abtheilung befand sich sein Lager, in der größeren, die er von seinem Lager übersehen konnte, waren seine Waaren unvorsichtiger Weise zur Schau ausgestellt. Dies reizte die Bewohner von Schescheke, sie besahen sich nicht wie das Jahr zuvor — seitdem ein englischer Händler vom Süden gekommen war — die Waaren von Außen, sondern drangen in die Hütte ein, betasteten die Gegenstände und als sie daran Niemand hinderte, nahmen sie so manches, später Vieles mit. Bei meinem späteren Besuche hatte ich viel über den diebischen Charakter mancher Bewohner Schescheke’s zu klagen.

Am 7., an welchem Tage ich Blockley erwartete, erkrankte ich an Kolik-Symptomen und dies nach dem Genusse von rothschaligen, rundlichen Bohnen; ich fand, daß der Farbstoff der Schale das schädliche Pigment sei, weshalb das erste Absudwasser, das sich violett färbt, abgegossen und frisches nachgegossen werden müsse, und beobachtete auch später, daß die Eingebornen eine ähnliche Procedur mit denselben vornehmen. Am Nachmittage stellten sich einige Manausa ein, die mir Talg zum Tausche anboten. Nachdem ein wohlgenährtes Eland erlegt ist, wird der Talg in einer thönernen Schale geschmolzen und in einem aus der Platoïdes desselben Thieres verfertigten Säckchen aufbewahrt. Unsere Diener brachten grünlich-braunen Honig, der von einer winzigen Biene herrührt und säuerlich schmeckt und dessen reichlicher Genuß die Sinne betäubt — er wirkt auch als ein Laxativ ohne Kolikschmerzen hervorzurufen. Die Erzeuger dieses Honigs besitzen keinen Stachel und nach der Beschreibung von Seite der Diener und der Masarwa’s hielt ich sie mit jenen Bienen, die uns in dem nördlichen Theile des sandigen Waldplateaus überfielen, für identisch.

Am 8. ziemlich Früh langte Blockley, von zwei Dienern begleitet, von Panda ma Tenka an, worauf wir uns auf den Weg machten, um in der Nacht das zweite und bis zum Zambesi reichende Tsetsegebiet bis zu der Leschumo-Haltstelle zurückzulegen. Wir erreichten das obere Leschumothal — eine enge, beiderseits von einer mäßigen, doch tiefsandigen bewaldeten Bodenerhebung umsäumte Wiesenfläche, nach Mitternacht. Der Wagen wurde hier zurückgelassen, die Zugthiere aber sofort wieder nach Schneemanns Pan zurückgetrieben, damit sie bei Tagesanbruch aus dem Bereiche des Tsetse-Gebietes waren.