Am 9. August sandte Herr Blockley eben einen Boten an Makumba, den Masupia-Häuptling (eines den Marutse unterthänigen, an der Mündung des Tschobe in den Zambesi wohnenden Stammes), um von diesem — der in Impalera, einem Dorfe am jenseitigen Tschobe-Ufer, wohnte — Träger zu erbitten, mit deren Hilfe die Güter bis an den Tschobe befördert werden sollten.

Wir zogen eine kurze Strecke das Leschumothal nach abwärts, es wurde sumpfig und felsig, aus dem dichten und hohen Ufergrase sprangen hie und da Rietbock-Gazellen auf, welche nach kurzem Laufe weiter abwärts ein ähnliches Versteck aufsuchten. Eine Stunde später verließen wir das Thal und wandten uns auf einem Pfade nach Nordwesten, um eine sandige, dichtbewaldete Bodenerhebung zu betreten. Am Abhange dieses »Sandbultes« fanden wir sehr zahlreiche Büffel und noch zahlreichere Elephantenspuren. Die Riesenthiere mußten in der verflossenen Nacht hier durchpassirt sein. Die Spuren, die in dem Sande kaum einen Zoll tiefe Eindrücke hinterlassen hatten, führten in einer Breite von 20 Schritten; die Heerde hatte offenbar Eile, denn die von ihnen durchzogene Strecke war mit zerknickten Stämmen, Aesten und Büschen besäet. Am häufigsten waren armdicke Stämmchen entwurzelt und schenkelstarke Bäume im unteren Drittel so gebrochen, daß der übrige Stamm noch an der Rinde oder an der Bruchstelle am Rumpfe hing. Doch gab es auch welche, die stärker und in der Mitte ihrer eigentlichen Stammeshöhe (4 bis 6 Fuß über dem Boden) vorkommen gebrochen waren, der Bruch war dann ein solcher, daß der zurückgebliebene stehende Baumstumpf (namentlich der gebrechlicheren Holzarten) nach unten oft bis zur Wurzel herab geborsten war. Sehr häufig waren die quer in die Bahn hineinragenden Aeste anderer Bäume herabgerissen worden und daß dies mit Riesenkraft geschah, konnte man daraus entnehmen, daß oft ein großes Rindenstück von dem Stamme mit herabhing oder mit dem Aste herabgerissen worden war.[8]

Elephantenheerde auf der Flucht.

Wir kamen in eine seichte in das Leschumothal führende Niederung, welche mit schönen Mimosenbäumen bewachsen war, deren Krone dem ermüdeten Wanderer den köstlichsten Schatten spendeten, nur hie und da vermochte der Sonnenstrahl die dichte Laubkrone zu durchdringen. Aus der Einsenkung ging es wieder hinauf in einen sandigen Wald, dessen Boden sich nach Nordwest etwas verflachte, um plötzlich gegen das Thal des Tschobe und Zambesi abzufallen. Unvergeßlich bleibt mir das Panorama, das sich meinen Blicken an jenem Tage bot, als ich plötzlich aus dem Walde heraustrat und in das Thal der beiden Ströme herabblickte.

So war ich doch an den Strom gelangt, von dem ich als Knabe so viel gelesen und geträumt hatte. Vor mir öffnete sich ein weites, nach rechts etwa drei Meilen breites, nach links in seiner größten Ausdehnung durch eine unabsehbare Ebene begrenztes Thal. An meiner Seite war es von dem bewaldeten felsigen Abhang des sandigen Hochplateaus beherrscht. Die Mitte dieses Thales nehmen zwei Inseln ein, das Land, welches den Zambesi und Tschobe nach ihrer theilweisen Vereinigung zwischen dieser und ihrer eigentlichen noch von einander scheidet. Die östliche, die »Prager« Insel ist einige hundert Schritte lang und etwas weniger breit, die zweite 2 Stunden lang und 1 bis 1½ Stunden breit. Die erste ist flach, die zweite zeigt bewaldete Felsenkuppen, von denen sich nur eine in der östlichen Hälfte, zahlreiche und meist zusammenhängende in der westlichen befinden. Am Fuße der östlichen liegt Impalera, Makumba’s Stadt, zur Zeit meines Besuches die »Wacht« des Marutse-Reiches nach Süden. Vor dieser Masupia-Niederlassung schimmert tief unter dem Beschauer und etwa eine Stunde von ihm entfernt, das von Schilfmassen besäumte an 300 Schritte breite Bett des Tschobestromes. Die Höhen auf der großen Impalera-Insel sind ein Verbindungsglied des Abfalls, der nach Westen zu bis an den Tschobe herantritt, ihn mit Felsenbänken durchzieht und so Stromschnellen bildet, dann sich zu den Impalera-Höhen erhebt, um nochmals nach Nordnordost den Zambesi mit Felsenrissen zu durchziehen, hier ähnliche doch bedeutendere Schnellen und Inseln zu bilden und sich mit dem, bei den Victoriafällen an das linke Zambesi-Ufer herantretenden felsigen Plateau-Abfall zu verbinden.

Das Thal war nach Westen nur durch den bläulichen, von dem röthlichen Glanz der untergehenden Sonne in seinen tieferen Partien in Feuerpracht schimmernden Horizont umsäumt. Die unbegrenzte Ferne hinter den unabsehbaren Schilfrohrdickichten war das Land, dem meine eigentliche Forschungsreise galt, dort wollte ich erringen, was ich seit meiner Kindheit erstrebt.


[7] Ein Pfund Thee kam hier auf 12, ein Pfund Kaffee auf 4, 1 Pfund Zucker auf 4 Shillinge zu stehen.

[8] Der beschränkte Raum gestattet es mir nicht, hier näher auf die Gewohnheiten und die Lebensweise der afrikanischen Elephanten einzugehen.