Impalera.

Die Anwesenden theilten mir durch den Manansa-Diener August mit, daß der Häuptling Makumba auf dem jenseitigen Zambesi-Ufer auf der Elephantenjagd weile und mich nicht eher sehen und grüßen dürfe, als die Antwort des Königs Sepopo auf mein Ansuchen in Impalera eingelangt sei. Aus diesem Grunde nahmen sie auch kein Geschenk für ihren Häuptling Makumba an. Die in Impalera sowie am Tschobe aufwärts und am Zambesi abwärts wohnenden Masupia haben den Strom zu überwachen und weder einem Weißen noch Farbigen ohne Wissen und Willen des Königs das Ueberschreiten des Flusses zu gestatten. Ihr Verhältniß zum Könige des Marutsereiches hatte mir später Makumba mit einigen Worten klar dargelegt. Ich bemerkte auch an ihnen, daß sie das »Mein und Dein« nicht sonderlich respectirten, ihre Gelüste aber bezähmten, wenn man sie bei ihren Besuchen im Lager scharf fixirte.

Am 12. erhielt ich zahlreiche Besuche von den Masupia’s von Impalera, sie frugen wiederholt meine Diener, von denen die Manansa der von den Masupia’s gesprochenen Makololosprache vollkommen mächtig waren, ob mein freundlicher Begleiter Dschorosiani Maniniani, Matabele-Diener im Leschumothale habe; sie hatten den Auftrag, keinen Weißen, selbst wenn er vom Könige die Erlaubniß zum Besuche des Reiches erhalten hätte, den Eintritt in das Reich zu gestatten. Wenn ich Matabele-Diener gehabt und trotzdem darauf bestanden hätte, das Marutse-Reich zu besuchen, hätte ich wie Stanley, d. h. mit Gewalt vorgehen müssen.

Die Matabele sind bei den Völkern des Marutsereiches so wie nördlich von Zambesi, doch auch von den östlich anwohnenden Maschonas so gehaßt, wie die mohammedanischen, schwarzen Sclavenjäger, die von der Ostküste ihre Raubzüge gegen die großen Seen Central-Afrika’s unternehmen, von den Bewohnern der Negerländer Central-Afrika’s. Als Begleiter hätten sie es mir ermöglicht, den afrikanischen Continent vom Süden nach Norden zu durchqueren, allein die mir nachfolgenden Weißen hätten es dafür büßen müssen. Zweimal hatten es die Matabele unter der Regierung des am centralen Zambesi herrschenden Königs Sekeletu versucht, ihre Raubzüge auch auf die nördlich vom Zambesi liegenden Gebiete auszudehnen, doch beide Versuche mißlangen. Einmal gelangten sie über die Stromschnellen, auf eine oberhalb der Victoriafälle liegende Insel, welche von den Batoka’s, einen an Sekeletu Tribut zahlenden Stamm, mit der Manzafrucht bebaut war. Da einige Tage später Hochwasser herabkam, war ihnen die Rückkehr abgeschnitten, sie gruben sich aus Nahrungsmangel die Manzawurzel aus dem Boden, und erlagen alle, da dieselbe nur im getrockneten Zustande genossen werden kann, im frischen jedoch giftige Eigenschaften besitzt, dem Genusse derselben. Bei einem zweiten Versuche wurde eine Truppe Matabele von einem Masupia auf eine Insel stromaufwärts übersetzt. Darauf entschuldigte sich der Mann, daß er von der Arbeit sehr ermüdet sei und zur Fortsetzung der Ueberfahrt den Beistand einiger Landsleute in Anspruch nehmen müsse. Ganz gegen ihre Gewohnheit schenkten die Matabele den Worten des Mannes vollen Glauben und ließen ihn ziehen. Der Masupia kehrte aber nicht wieder und hatte so die Feinde seines Landes in die Falle gelockt und sich weiter um sie nicht gekümmert. Auf der Insel gefangen, hatten die Zulus kein angenehmes Los. Da sie im Speeren der Fische nicht geübt waren, und den Fluß ob seiner vielen Krokodile nicht zu durchschwimmen wagten, auf der Insel aber mit Ausnahme einiger weniger Früchte, der Fächerpalme, nichts Genießbares vorfanden, war ihre Lage sehr schlimm und der Hunger so groß, daß sie ihre aus Ochsenhaut verfertigten Sandalen und Schilde im Wasser aufweichten, sie mit ihren Speeren zerschnitten und genossen. In Folge der Nahrungsnoth starben viele, der Rest wurde vom Könige Sekeletu, der inzwischen mit zahlreichen bemannten Kähnen von Linyanti herbeigeeilt war, ohne Schwierigkeiten überwältigt, gefangen genommen, und in der Barotse, dem Mutterlande der Marutse, welche damals seine Unterthanen waren, angesiedelt.

Während meines zweimaligen Besuches am Marutsehofe hatte ich Gelegenheit einige dieser nach Schescheke Tribut abführenden Matabele kennen zu lernen. Sie trugen zwar noch die bekannten, aus Federn gearbeiteten Kopfverzierungen, doch der kriegerische Geist der Zulus war aus ihnen gewichen, sie waren, wie mir König Sepopo mittheilte, ganz vorzügliche Ackerbauer geworden.

Grab eines Masupia-Häuptlings.

Einer von den schon erwähnten, mich am 12. besuchenden Masupia war ein grauwolliges Männchen, welches sich darauf viel einbildete, den verstorbenen König Sekeletu, unter dem das Makololo-Reich vernichtet wurde, bedient zu haben. Ich erstand an diesem Tage für dreiundeinhalb Meter gewöhnlichen Kattuns einen Ziegenbock, den man von Impalera herübergebracht hatte. Derselbe war in Folge des Stiches der Tsetsefliege auffallend klein. Als der Bock geschlachtet wurde, setzte sich mein Mulekau in der Erwartung eines Geschenkes neben demselben nieder, das heißt: er machte als neuer Freund seine Rechte geltend, deren eines es war, jederzeit wenn er mich zur Essenszeit besuchte, von mir Bewirthung fordern zu können. An diesem und am folgenden Tage zogen die Masupia, im Ganzen vierzig Mann, haufenweise zu Blockley nach dem Leschumo-Thale; sie brachten auf Verlangen Korn zum Verkauf, welches sie in etwa drei bis vier Liter fassenden, aus Kürbisschalen verfertigten Gefäßen, mittelst Tragstangen transportirten. Diese Gefäße waren mit Bast umflochten und mit solchem auch an den Tragstangen befestigt.

Diese Kürbisgefäße werden von allen südafrikanischen Stämmen zu den verschiedenartigsten Zwecken benützt. Die häufigste Verwendung finden sie aber im Marutse-Reiche und werden von dem Mambunda-Stamme mit eingebrannten Zeichnungen (Menschen und Thiere darstellend) verziert. Man gebraucht sie im Allgemeinen als Wassergefäße, wobei sie auch mit einem aus Riemen gearbeiteten Netze umspannt sind. Die Vasallenstämme der Betschuana, die Makalahari, Barwa, Masarwa und Madenassana, die keinen Ackerbau betreiben, bedienen sich zu solchen Zwecken der Straußeneier. Mittelgroße Kürbisschalen gebrauchen die meisten Banthu-Stämme als Gefäße zur Aufbewahrung fetter Substanzen. Der kleinsten bedienen sich namentlich die südlich von Zambesi wohnenden als Schnupftabaksdosen, und die plattgedrückten, sowie gleichmäßig weiten, cylindrischen werden zu Musikinstrumenten verwendet.